Tauziehen um den Bahnhof

Bahnhof Oberroden: Stadt verhandelt mit neuem Investor, doch der alte will bleiben

Wohnungen, Büros und zwei Geschäfte im eigentlichen Bahnhof sind vermietet. Aber noch immer gibt’s keinen Pächter, der im Anbau (rechts) die ambitionierten Gastronomiepläne von Investor Hans-Jörg Vetter in Speisen und Getränke umsetzt. Foto: Löw
+
Wohnungen, Büros und zwei Geschäfte im eigentlichen Bahnhof sind vermietet. Aber noch immer gibt’s keinen Pächter, der im Anbau (rechts) die ambitionierten Gastronomiepläne von Investor Hans-Jörg Vetter in Speisen und Getränke umsetzt. 

Sechseinhalb Jahre haben die Ober-Röder gewartet, dass in ihrem Bahnhof eine Gaststätte aufmacht – vergebens. Deshalb will Bürgermeister Jörg Rotter jetzt den Verkauf an den Urberacher Projektentwickler Hans-Jörg Vetter rückgängig machen.

Ober-Roden – „Es gibt einen Interessenten, der bereit wäre, das Bahnhofsgebäude zu übernehmen und den bisherigen Investor auszuzahlen“, teilte der Verwaltungschef auf eine Anfrage von CDU und Anderer Liste mit. Die Koalition hatte wissen wollen, wie es um acht städtebauliche Hängepartien, darunter den Paramount-Park“ und das ehemalige Gaswerk, steht. Die Antwort zum Bahnhof war aber ein Paukenschlag.

Rotters Begründung: Die Stadt will das Konzept vollendet sehen, für das Vetter 2012 den Zuschlag bekam und mit dessen Umsetzung er 2014 begonnen hat. Dessen Herzstück war eine ge-, aber keinesfalls abgehobene Gastronomie. Für das Lokal durfte Vetter den unter Denkmalschutz stehenden Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert um einen modernen Anbau mit Dachterrasse erweitern. Er punktete damals zudem mit öffentlichen Toiletten, Büros, Praxen und hochwertig ausgestatteten Appartements, einem Datenknoten, Fahrkartenverkauf und einem Backshop mit Zeitungen, Süßwaren und Reisebedarf.

Derzeit sind die fünf Wohnungen an die Bahn vermietet. Das Geschäftsleben bilden ein Telekom-Shop (corona-bedingt geschlossen), ein Kiosk mit Servicestore und zwei Büros. Einen Wirt hat Vetter aber noch nicht präsentiert.

Bürgermeister Rotter nahm deshalb 2019 Kontakt zu einem anderen Interessenten auf und drängte gleichzeitig bei Hans-Jörg Vetter auf die Erfüllung des Vertrags. Der aber sah sich laut Rotter „außerstande, eine Zeitschiene für das Finden eines Betreibers zu nennen“.

Die Stadt musste erkennen, dass der Kaufvertrag aus dem Jahr 2013 „sehr kooperativ angelegt war“ und letztlich keine Sanktionsmöglichkeiten vorsah. Das bekam der Magistrat auch immer wieder beim Nachhaken in Sachen Toiletten zu spüren. Ein Rechtsgutachter kam jedoch im September 2019 zu dem Schluss, dass „die Stadt trotz der weichen Vertragsformulierungen gute Chancen hätte, ihren Anspruch auf Rückauflassen durchzusetzen“.

Die betreibt der Bürgermeister seit diesem März mit Nachdruck. Jetzt soll ein Gutachter einen fairen Verkaufspreis ermitteln. „Herr Vetter hat den Bahnhof schließlich repräsentabel hergerichtet“, will der Bürgermeister den alten Investor nicht übervorteilen. Ein neuer Investor will nach Auskunft Rotters „deutlich mehr als eine Million Euro in die Hand nehmen“. Dafür bekomme er aber kein sofort vermietbares Bahnhofslokal. Die Stadt schätzt, dass noch einmal rund 500 000 Euro für eine Profiküche und Gastromobilar nötig sind.

Ob der neue Interessent aus dem Kreis der alten kommt (siehe Kasten „Ein Geschäft voller Schwierigkeiten“), wollte der Bürgermeister Rotter auch auf Nachfrage nicht sagen.

Investor Hans-Jörg Vetter sieht sich von der Stadt zu Unrecht bezichtigt, seinen Teil des Vertrags nicht zu erfüllen. „Ich bleibe mit Herzblut dran am gemeinsamen Ziel“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung. Die Suche nach einem „außergewöhnlichen, modernen und frischen“ Gastronomiekonzept gehe weiter. „Es wäre schöner, wenn die Stadt unsere Gespräche mit Gastronomen unterstützen würde“, appelliert Vetter. Unter Corona-Bedingungen sei diese Suche aber noch schwieriger als zuvor. Doch auch unabhängig von der Pandemie: In allen Stadtteilen haben (Traditions-)Gaststätten geschlossen.

Für den Bahnhof sprechen nach Auskunft des Hausherrn ganz handfeste finanzielle Gründe. „Dank Pelletheizung und Smarthome-Technologie haben die Mieter geringstmögliche Nebenkosten“, erklärt Hans-Jörg Vetter. Für ihn ist deshalb klar: „Aus meiner Sicht besteht keine Notwendigkeit und keine rechtliche Grundlage, das Geschäft rückabzuwickeln!“

VON MICHAEL LÖW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare