Baustelle der Kita „An der Rodau“

Ballett der Bagger und Bohrer 

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Schiere Größe reicht nicht immer: Bevor Jan Bieck seinen Riesenbohrer mit fast 20 Tonnen Wucht in den Boden drückt, muss Kollege Andreas Fischer mit der „Schnecke“ ran. Die Erde neben dem alten Ober-Röder Festplatz ist nach Monaten der Dürre hart wie Beton. 379 Mal wiederholt sich bis Freitag das Bagger- und Bohrerballett.

Ober-Roden -  Der neue Kindergarten am alten Festplatz steht auf mehreren hundert Säulen, die fünf Meter tief in den Boden reichen. Ein riesiger Bagger drückt die Löcher ins Erdreich, füllt sie mit Schottersteinen und presst sie zusammen. Von Michael Löw 

Es ist ein regelrechter Tanz der Bagger, der sich diese Woche 379 Mal auf der Baustelle der Kita „An der Rodau“ wiederholt. Andreas Fischer rollt mit seiner „Komatsu-Schnecke“ auf die Bühne, treibt den Bohrer scheinbar mühelos in den betonharten Boden und schüttelt beim Rausziehen ein paar Zentner Sand zur Seite. Sekunden später setzt Jan Bieck die Spitze eines zehn Meter hohen Gestänges auf das vorbereitete 150-Zentimeter-Loch und verdrängt mit fast 20 Tonnen Wucht die Erde bis in fünf Meter Tiefe. Die Bewegungen seiner Maschine sieht man kaum, die Vibrationen spürt man über den halben Festplatz. Dritter Akteur im Baggerballett ist ein Radlader mit wiederum Andreas Fischer am Steuer. Der kippt zwei Ladungen Schottersteine – zusammen 2,5 Tonnen – in einen Aufzug, von dem sie ins Bohrloch rutschen und verdichtet werden.

Zweieinhalb Tonnen Schotter bilden das Innenleben der Säulen, die den Kindergarten „An der Rodau“ tragen.

„Der neue Kindergarten steht auf Rüttelstopfsäulen“, erläutert Architekt Christos Karawassilis vom Ober-Rodener Büro Huther & Karawassilis. Der frühere Festplatz und die Wiese nebendran sind Schwemmland der Rodau und – man mag"s angesichts der harten ersten 40 Zentimeter, die den Einsatz der „Schnecke“ erst erforderlich machen – eigentlich ein nasser Baugrund. Deshalb rüttelt und stopft Jan Bieck Löcher für 379 Säulen. Die krumme Zahl resultiert aus dem 1,80-Meter-Raster, in das der Architekt die Grundfläche des Gebäudes eingeteilt hat.

„Wir wenden das Verfahren hier erstmals in Rödermark an“, sagt Karawassilis. Partner ist die Firma Bauer aus dem bayrischen Schrobenhausen, die Maschinen für den Spezialtiefbau entwickelt und mit eigenen Leuten zu Baustellen in aller Welt und eben auch nach Rödermark schickt. Jan Bieck und Andreas Fischer sind Poliere und Baggerfahrer zugleich. Ihre Arbeit wurde diese Woche schon von den Kindern aus dem „Motzenbruch“, die in etwas mehr als einem Jahr hier einziehen sollen. „Ihr könnt im neuen Kindergarten ruhig auch mal zornig aufstapfen“, beruhigte Andreas Fischer die Zaungäste – kein Wunder bei 379 Rüttelstopfsäulen, 50 Zentimeter Schotterfundament und einer 30 Zentimeter dicken Bodenplatte aus Beton.

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