Freie Wähler haben Fragen zum Frauenverständnis

Benefizlauf der Ahmadiyya-Gemeinde wird zum Politikum

Rödermark - Der jüngste Wohltätigkeitslauf der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde wird zum Politikum. In einer Pressemitteilung kritisieren die Freien Wähler (FWR), dass islamische Mädchen dabei nur bis zum Alter von 13 Jahren mitlaufen durften, während ältere Frauen ausgeschlossen gewesen seien. Bürgermeister Roland Kern hätte dies als Teilnehmer ansprechen müssen oder seine Teilnahme absagen sollen.

Die Freien Wähler beziehen sich bei ihrer Kritik auf einen Bericht in unserer Zeitung und mahnen in ihrer Mitteilung die „Achtung vor Gleichstellung der Geschlechter“ an. Ausdrücklich loben die Politiker, dass Ahmadiyya-Gemeinden deutschlandweit alljährlich einen Charity- Walk veranstalten und die Startgelder und Spenden ihrer Mitglieder für soziale Zwecke an lokale Vereine und Körperschaften verteilen. Leider habe für die FWR die jüngste Veranstaltung einen nicht erwünschten Beigeschmack. „Wie soll die viel beschworene Integration gelingen, wenn unsere ausländischen Mitbürger Hindernisse dafür aufbauen?“, fragt FWR-Pressesprecher Siegfried Kupczok. Er hat sich mit einem der Organisatoren des Charity-Walks in Verbindung gesetzt und die Vorbehalte der FWR dargelegt. Es sei argumentiert worden, dass es im Islam eine auf dem Koran basierende Regel gebe, die eine generelle Trennung von Aktivitäten von Männern und Frauen in der Öffentlichkeit vorschreibe. Die Frauen in der Ahmadiyya-Gemeinde seien absolut gleichberechtigt, würden aber bei sportlichen Aktivitäten unter sich bleiben wollen.

Kupczok: „Der Islam darf aber nicht über dem Grundgesetz stehen. Eine der wichtigen Grundsätze der Ahmadiyya-Gemeinden weltweit ist die vollständige Anerkennung der Gesetze des Gastlandes. Die FWR begrüßen diesen Grundsatz ausdrücklich, müssen aber fragen, ob er auch in diesem Fall angewendet wurde. Artikel 3 des Deutschen Grundgesetzes garantiert den Geschlechtern Gleichheit. Es darf und kann nicht sein, dass Frauen von öffentlichen Aktivitäten – welcher Art auch immer – ausgeschlossen werden.“

Die Freien Wähler meinen, dass Bürgermeister Roland Kern, der als Starter beim Charity-Walk agierte, auf die Veranstalter entsprechend hätte einwirken müssen. Zumindest hätte er zu diesem Thema angemessene Worte sagen oder sogar seine Teilnahme absagen sollen.

Ahmadiyya-Mitglied Stefan Härter war Mitorganisator des Laufs. Dabei waren mehr als 5000 Euro Spenden zusammengekommen. Auf Anfrage unserer Zeitung sagte er, es könne von einem Ausschluss der islamischen Frauen keine Rede sein. „Ich weiß nicht, wie diese Formulierung zustande kam. Allerdings sind Frauen über 14 Jahre bei dieser Veranstaltung nicht unsere Zielgruppe aufgrund der Geschlechtertrennung, die wir im Islam haben. Wir fühlen uns unwohl, wenn Frauen vor fremden Männern laufen und sie beklatscht werden.“

Oberhaupt der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Hessen: Bilder

Diese „Meinung, wie es richtig wäre“, müssten ja aber nicht alle für sich annehmen. „Wenn eine unserer Damen mitlaufen möchte, kann sie das selbstverständlich tun. Das ist jedem selbst überlassen. Wir schließen keine aus.“ Bürgermeister Kern sagt, bei der Veranstaltung hätten Gemeindemitglieder selbst gesagt, die Teilnahme von Frauen sei an dem Termin leider noch „etwas unterbelichtet“. Man arbeite daran.

Generell seien Frauen mitgerannt. Er selbst sei von Frauen überholt worden. Auch habe es Pokale für Frauen gegeben. „Was soll ich da hinkommen und die Leute kritisieren, wenn sie das selbst tun?“ Die Dinge fortzuentwickeln funktioniere „nicht mit einer Rüge des Bürgermeisters. Schon gar nicht öffentlich“. Etwas zu verändern, gehe vielmehr ausschließlich über die Beteiligung an der Sache „und indem man sich anders verhält“. (bp)

Rubriklistenbild: © picture-alliance/dpa

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