Corona begrenzt die Öffnungszeiten der Kitas

Rödermark: Berufstätige an der Belastungsgrenze

In der vierten Corona-Welle haben die Rödermärker Kitas ihre Öffnungszeiten täglich um drei Stunden reduziert. Was Eltern an ihre Belastungsgrenze bringt, ist nach Ansicht der Stadt eine Möglichkeit, den Betrieb während der Pandemie wenigstens einigermaßen zu garantieren.
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Rödermark: In der vierten Corona-Welle haben die Rödermärker Kitas ihre Öffnungszeiten täglich um drei Stunden reduziert. Was Eltern an ihre Belastungsgrenze bringt, ist nach Ansicht der Stadt eine Möglichkeit, den Betrieb während der Pandemie wenigstens einigermaßen zu garantieren.

Eltern sind sauer, weil die Stadt die Öffnungszeiten ihrer Kitas um drei Stunden pro Tag gekappt hat. Sozialdezernentin Andrea Schülner hält dagegen: Lieber kürzere Betreuung als gar keine. Steigende Corona-Zahlen verlangen Familien, Erzieherinnen und der Stadt Rödermark einiges ab. Und nicht alles lässt sich zu jedermanns Zufriedenheit regeln.

Rödermark – Die Überstundendepots sind leer, der Urlaub ist für hoffentlich bessere Zeiten verplant, Omas und Opas wohnen weit weg: Berufstätige Eltern wissen in der vierten Corona-Welle, die möglicherweise zur Omikron-Woge anschwillt, mal wieder nicht, wohin mit den Kindern. Rödermark hat – wie alle Kommunen im Kreis – die Öffnungszeiten seiner Kitas kräftig reduziert. Nämlich pro Tag um drei Stunden.

Gunter Beck aus Waldacker hat seinem Frust in Briefen an Sozialdezernentin Andrea Schülner (AL/Grüne) und Karin Hartmann (SPD), die Vorsitzende des Sozialausschusses im Landtag, Luft gemacht. 2020/2021 gab es sieben Monate eingeschränkten Kita-Betrieb. Nach einer Phase der Normalität gelten seit drei Wochen wieder die gekürzten Betreuungszeiten. Eltern mit zwei Vollzeitjobs können dies nicht mehr bewerkstelligen, schreibt er und fragt: „Wie sollen Eltern die Vollzeit 40 (oder auch nur 35) Stunden plus Arbeitsweg berufstätig sind, es schaffen, mit sieben Stunden reiner Betreuungszeit weiterhin ihrem Beruf nachgehen?“

Gunter Beck kritisiert aber nicht nur, sondern schlägt auch Lösungen vor. 35 der 70 Plätze in der Kita Waldacker sind Ganztagsplätze. Nach seinen Erfahrungen seien es aber höchstens zehn Kinder, die nach 16 Uhr abgeholt werden. Die übrigen 25 seien de facto von Familien blockiert, die sie gar nicht brauchen.

Der frustrierte Vater vermisst Perspektiven: „Dieses Handling der Situation lässt wenig Weitsicht erkennen, man spricht von „erst mal bis zum neuen Jahr“. Aber mit der anstehenden Omikron- Welle und der danach folgenden Epsilon- oder Omega-Welle wissen wir doch heute schon, dass auch 2022 Corona nicht „ad acta“ gelegt werden wird. Unsere Tochter wird zwar 2022 eingeschult, trotzdem denke ich, für das Problem muss es eine nachhaltige Lösung geben.“ Doch die ist für ihn und seine Frau „absolut nicht erkennbar“.

Vor Corona wäre seiner Meinung nach eine große Empörungswelle durch die Bevölkerung gegangen, wenn irgendeine Stadt über Monate die Betreuungszeiten so massiv reduziert hätte. Aber die Pandemie scheine alles zu entschuldigen.

Sozialdezernentin Schülner kann der Ärger von Eltern verstehen, weist aber auf die Vorgaben des Landes hin. Verkürzte Öffnungszeiten und Betreuung nur in festen Gruppen sind Teil des hessischen Anti-Corona-Programms, erklärt die Erste Stadträtin. Daran hielten sich alle 13 Städte und Gemeinden im Kreis. In Notfällen – die allerdings nicht definiert sind – empfiehlt sie Eltern, sich mit der Kita-Leitung kurzzuschließen. Die versuche, Unterstützung zu bieten.

Die Sozialdezernentin weiß aber auch von Eltern, die sich zusammentun: Eine Familie holt mehrere Kinder ab, um Betreuungslücken zu überbrücken. Und noch etwas ist ihr aufgefallen: „Es gibt weniger Beschwerden als in Zeiten offener Gruppen.“ Während des Sommers durften die Kinder überall in der Kita spielen, weil die Corona-Inzidenz teilweise unter 50 lag. Doch selbst in dieser vergleichsweise entspannten Zeit wäre es Eltern lieber gewesen, ihre Kinder würden fest definierten Gruppen betreut. Zu groß war die Angst vor einer Ansteckung.

Kinderbetreuung in der Pandemie lässt sich aber nicht so regeln, dass alle zufrieden sind. „Wir müssen unser Personal einteilen“, stellt Dezernentin Schülner klar, dass Erzieherinnen und Erzieher nicht einfach hin und her geschoben werden können. In Rödermark seien rund 20 Prozent der Stellen nicht besetzt. Das sei jedoch kein Corona-Problem, sondern liege am Fachkräftemangel und treffe fast alle Kita-Träger.

„Wir haben unsere Ausbildungskapazität voriges Jahr massiv ausgebaut“, sagt Schülner. Pro Einrichtung habe die Stadt eine sogenannte PivA-Kraft eingestellt. Das ist eine praxisorientierte und bezahlte Ausbildung, die die Kommunen angehenden pädagogischen Fachkräften anbieten. Sie ist kürzer als ein Studium. Auch 2022 plant Rödermark mit einer PivA-Kraft in jeder Einrichtung. Das hilft mittelfristig: „In drei oder vier Jahren haben wir ausreichend Fachpersonal.“

Davon hat die Familie Beck aus Waldacker nichts mehr. Doch immerhin will die Stadt die Kita-Gebühren wie schon im ersten Betreuungs-Lockdown teilweise zurückerstatten. (Michael Löw)

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