Verfahren eingestellt

Falsche Polizistin will sich teures Haus erschwindeln

Die Rennwiesen in Urberach sind ein begehrtes Bau- und Wohngebiet.
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Rödermark: Die Rennwiesen in Urberach sind ein begehrtes Bau- und Wohngebiet.

Mit gefälschten Dokumenten will eine angebliche Polizistin im Kreis Offenbach ein eine Million Euro teures Haus erst mieten und dann kaufen. Doch der Schwindel fliegt auf.

Rödermark – Das Objekt der Begierde war für 2 500 Euro zu mieten und für eine Million Euro zu kaufen. Zwei Gehaltszettel des Landes Hessen über 3 605 Euro netto für eine Polizeikommissarin und die Aussicht auf eine Erbschaft für zwei Schwestern sollten die Tür zu einem edlen Stadthaus in Rödermark-Urberach öffnen.

Doch der Wohntraum ist ebenso wie das Immobiliengeschäft geplatzt. Am Montag (10.01.2022) standen die beiden Frauen, die weder Polizistin noch Schwestern sind, vorm Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft warf ihnen Betrug und Urkundenfälschung vor. Im Juni 2020 hatten die 29 und 42 Jahre alten Frauen den Mietvertrag für das Haus unterschrieben und die ursprüngliche Kaltmiete mit dem Hinweis auf den geplanten Verkauf von 2500 auf 1500 Euro gedrückt. Wenig später schlossen sie den Kaufvertrag mit einem Langener Immobilienunternehmer ab. Das waren die Fakten.

Kaufvertrag für Haus in Rödermark: 29-Jährige gibt sich als Polizeikommissarin aus

Dass das Geschäft zustande kam, war laut Anklage aber nur der falschen Behauptung der 29-jährigen zu verdanken, sie sei Polizeikommissarin und verdiene mehr als 3 500 Euro netto im Monat. Und noch Anfang August habe sie dem Verkäufer zugesichert, dass das Geld aus dem Erbe ihres Opas nicht lange auf sich warten lasse. Beides zusammen wertete der Staatsanwalt als Betrug und Urkundenfälschung.

Die Urkundenfälschung gab die 29-Jährige zu, den Betrugsvorwurf stritt sie ab. Sie habe von Anfang an gesagt, dass das Erbe und damit die Finanzierung ungewiss seien und eine Rücktrittsklausel in den Kaufvertrag aufgenommen.

Im Juli zogen die angeblichen Schwestern dann ein und zahlten die erste Miete. Schon bei der August-Miete zogen sie 600 Euro ab, weil die versprochene Küche immer noch nicht eingebaut und für das Haus keine Gebäudeversicherung abgeschlossen war. Im September und Oktober zahlten sie gar nichts mehr. Am 4. November 2020 folgte die Zwangsräumung. Dass die Frauen am 12. August vom Kaufvertrag zurückgetreten sind, war da schon fast nebensächlich.

Rödermark (Kreis Offenbach): Dauerhafte Krankschreibung unterstützt Polizei-Schwindel

Amtsgerichtspräsident Volker Horn wollte wissen, warum sich die 29-Jährige als Polizistin ausgegeben hat. Der Schwindel wäre doch früher oder später aufgeflogen. „Es war ein totaler Fehler“, sagte sie bei der Verhandlung. Eine Wohnung wie die in den Rennwiesen in Rödermark-Urberach zu bekommen, sei aussichtslos gewesen. Deshalb sollte der Hinweis auf das Beamtenverhältnis mit gesichertem Einkommen die Chancen erhöhen. Diese Lüge hat sie beim Abschluss des Mietvertrags auch dem Immobilienunternehmer gegenüber zugegeben. Doch das hat den Mann offenbar nicht gestört.

Kurz vorher hatte die 29-Jährige auch ihrer vermeintlichen Schwester gebeichtet, dass sie nur Sicherheits- und Bewachungsfachkraft sei. Die 42-Jährige ist Heilpraktikerin und wohnte damals schon einige Zeit mit ihr zusammen.

Und die habe geglaubt, ihre Mitbewohnerin sei Polizistin, hakte Richter Horn nochmals in Sachen Beruf nach. „Ja“, lautete die Antwort. Weil sie wegen Leukämie dauerhaft krankgeschrieben war, konnte sie verschleiern, dass sie nie zum Dienst musste.

Betrugsversuch beim Hauskauf: Gericht stellt Verfahren gegen falsche Polizistin ein

Der Betrug stellte sich letztendlich als Verzweiflungstat dar. Nach gut einer halben Stunde stellte Richter Horn das Verfahren ein; sowohl Staatsanwalt als auch Verteidigerin stimmten zu. Zwei Gründe gaben den Ausschlag: Beide Frauen waren 2020 und 2021 schon einmal wegen Urkundenfälschung zu 80 beziehungsweise 110 Tagessätzen verurteilt worden. Der Urberacher Schwindel falle da nicht weiter ins Gewicht.

Und Horn war „sehr verärgert“, dass der Immobilienunternehmer die Verhandlung am Montag (10.01.2022) schwänzte. Die Ladung des Gerichts vom 27. Oktober sei ohne Antwort geblieben. Der Richter ging deshalb davon aus, dass der Zeuge kein Interesse an einer Strafverfolgung mehr hat. (Michael Löw)

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