75 Jahre Schmoll Maschinen:

Bohren in rasender Geschwindigkeit

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Sechsspindlige Bohrmaschine: So heißt dieses Gerät zur Bestückung von Leiterplatten, das Stefan Kneisel in der Werkshalle der Firma Schmoll mit dem Computer steuert.

Ober-Roden - „Jeder Mensch hat mindestens fünf Geräte, in denen von uns bearbeitete Leiterplatten verarbeitet sind“, sagt Thomas Kunz, Präsident der Schmoll Maschinen GmbH in der Odenwaldstraße, und zählt auf: Handy, Fernseher, Kamera, Laptop, Navi und andere elektronische Helfer im Auto. Von Michael Löw 

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Man sieht sie nicht, die Schmoll-Produkte. Man profitiert von ihnen. Insofern ist Thomas Kunz’ Einschätzung vom „Hidden Champion“, dem Verborgenen Champion, mehr als treffend. Das Unternehmen, das am Freitag seinen 75. Geburtstag, in der Kulturhalle feiert, beschäftigt in Ober-Roden 250 Mitarbeiter und produziert jährlich rund 1 000 Maschinen.

Die Maschinen bohren - vereinfacht gesagt - in rasender Geschwindigkeit Löcher in Leiterplatten, das Herzstück eines jeden Computers. 30.000 Löcher müssen heute in eine Leiterplatte gebohrt werden, erläutert Inhaber und Geschäftsführer Stephan Kunz. Die Kunden fordern daher immer schnellere Maschinen. Vor 30 Jahren waren 80 Löcher pro Minute Stand der Technik, aktuell sind’s 1000. Und Laserbohrer aus der Schmoll’schen Fertigung schaffen über 200 Löcher in der Sekunde, macht also 12.000 pro Minute. Die digitale Direktbelichtung, die Schmoll 2013 auf den Markt brachte, hat das Tempo noch einmal beschleunigt und ein „neues, zukunftsträchtiges Kapitel in der Firmengeschichte aufgeschlagen“.

So steht’s im aufwendigen Jubiläumsbuch „Präzision made in Germany - 75 Jahre Schmoll Maschinen GmbH“. Es ist eine ebenso umfassende wie ehrliche Bestandsaufnahme der Unternehmenshistorie. Denn sie zählt auch die Krisen auf: Der Zusammenbruch des Ostblocks und die deutsche Wiedervereinigung 1990/91 kosteten Schmoll viele Kunden, der Umsatz brach von 26 auf zwölf Millionen Mark ein, die Zukunft stand auf der Kippe.

Kurz vor Weihnachten 1992 richtete Thomas Kunz, bis dato Ingenieur und Vertriebsleiter, das Unternehmen neu aus. Der weltweite Bedarf an Leiterplatten-Bohrmaschinen verdoppelt sich innerhalb von zehn Jahren, prophezeite er mutig und empfahl Expansion trotz schmerzlicher Einsparungen und Abbau des Mitarbeiterstammes.

Schmoll verkaufte seine Maschinen weiter in Westeuropa, suchte aber zugleich Kunden in Fernost. Zu diesen Märkten der Zukunft hatte das Ober-Röder Unternehmen bisher nur spärliche Kontakte.

Der Schritt nach Asien hat sich gelohnt. Dort sind Maschinen „Made in Germany“ gefragt. Mithilfe der firmeneigenen Tochtergesellschaft SAP „Schmoll Asia Pacific“ boomt beispielsweise das China-Geschäft seit der Jahrtausend-Wende. Auch in anderen Ländern hat Schmoll Niederlassungen gegründet.

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Im Jubiläumsjahr ist Schmoll ein bodenständiger Global Player und einer der weltweit führenden Anbieter. Innerhalb einer großen Bandbreite industrieller Produktionsprozesse sind täglich mehr als 10.000 Schmoll-Maschinen weltweit im Einsatz. Alle Maschinen basieren auf tonnenschweren Grundkörpern aus hochwertigem Granit. Durch den Einsatz von Linearantrieben mit direkten Wegmess-Systemen garantieren Schmoll-Lasersysteme höchste Präzision.

Kunden aus der Leiterplattenindustrie und verwandten Branchen wie der LED- und Solarindustrie schätzen die Erfahrungen der Schmoll GmbH in der Lasertechnologie. Dies macht das Ober-Röder Hightech-Unternehmen nicht nur für die Massenproduktion zu einem wertvollen Partner, sondern auch für Forschungs- und Entwicklungsprojekte.

Die Firma wächst und mit ihr der Standort Rödermark. Demnächst wird entschieden, ob bis 2019 in der Odenwaldstraße auf rund 2500 Quadratmetern neue Kapazitäten für Montage, Produktion und Verwaltung entstehen, damit die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben werden kann.

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