Hochfeste Sonderstähle

Rödermärker Experten liefern Bohrer für die Kreuzschifffahrt

+
Persönlicher Service ist Trumpf: Klaus Dreisbach liefert Ware in der Werft ab.

Rödermark - Bohren, fräsen, sägen, Gewinde schneiden: Die Rödermärker Experten der witec GmbH liefern dafür das passende Spezialwerkzeug. Die Kunden kommen aus der Kreuzfahrt- und Ölindustrie und aus dem Flugzeugbau. Von Bernhard Pelka

Aber auch die Forstwirtschaft und Profihandwerker verlassen sich auf witec-Produkte. Sobald das neue TUI-Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 2 in ein paar Wochen mit fast 3000 Gästen an Bord auf Jungfernfahrt geht, geschieht dies auch dank technischem Wissen und handwerklichem Können aus Rödermark. Die witec GmbH mit Sitz im Gewerbepark Ober-Roden hat für den 316 Meter langen Kreuzer in der Meyer Werft Turku Oy (Finnland) Spezialwerkzeuge geliefert. „Überall wo gebohrt wird, sind wir dabei“, beschreibt Firmenchef Klaus Dreisbach sein Geschäftsfeld. Und nennt Beispiele: Bei Kreuzfahrtschiffen müssen unzählige Durchgänge von Kabeln und Leitungen gebohrt werden. Oder die Löcher für Befestigungen der gewaltigen Schiffsdiesel im Maschinenraum. Witec-Werkzeug ist überdies unverzichtbar zur Blechbearbeitung der Kabinenfensterrahmen, bevor dort geschweißt werden kann.

Im Schiffsbau oder auf Ölbohrinseln ist’s mit Bohrern aus dem Baumarkt natürlich nicht getan. Für die hochfesten Sonderstähle, aus denen einzelne Module eines Kreuzfahrtschiffs geformt sind, braucht’s vielmehr Spezialwerkzeuge von ausgeklügelter Konstruktion und Oberflächenbeschichtung.

Verkaufsleiter Timo Braun lobt die Qualität der witec-Produkte.

Solch ein Teil kommt auch beim Flugzeugbau zum Einsatz. Die Außenhaut mancher Flieger besteht aus mehreren zusammengefügten Lagen Materials von unterschiedlicher Beschaffenheit. Etwa aus Kunststoff, Kupfer (als Blitzschutz) und einer Holzverschalung. Diese drei Schichten mit nur einem einzigen Bohrer sauber und gratfrei bohren zu können, ist eine Wissenschaft für sich. Genau auf solche Kniffeleien hat sich die witec GmbH zusammen mit ihrer Partnerfirma WEMA in Pfaffenhofen spezialisiert. „Wir machen das, was sich für unsere großen Mitbewerber nicht rechnet“, erläutert Dreisbach sein Nischengeschäft mit teils kleinen Stückzahlen. Er selbst und sein Verkaufsleiter Timo Braun besuchen Kunden in vielen Erdteilen. Sie reisen nach Indien, Israel, England und Japan. Das Gros der Klienten sitzt aber in Europa – überwiegend in Skandinavien. In Norwegen soll im Februar eine neue Niederlassung in Betrieb gehen.

Im Gespräch mit den Kunden suchen Dreisbach und Braun vor Ort Lösungen für Spezialaufgaben. „Dabei bieten wir Komplettpakete an.“ Bedeutet: Auf Wunsch stellen die witec-Partner in Pfaffenhofen für Kunden Spezialwerkzeuge her, die exakt zugeschnitten sind auf deren Maschinen. „Das erhöht beim Maschineneinsatz dann die Stückzahlen und spart Zeit.“

Ein ganz anderes Problem war bei einem Klienten zu lösen, der ein Werkzeug suchte für Tieflochbohrungen in Aluminium. Die witec konnte dafür letztlich einen Bohrer konstruieren und liefern, der nicht nur ein exaktes Loch schafft, sondern gleich mehrere Arbeitsschritte auf einmal erledigt: Er schneidet die beim Bohren anfallenden Späne klein und befördert sie noch während des Arbeitsgangs vom Alublech weg, bevor sich der Bohrer verkantet oder gar bricht.

"Aida Nova" fährt als erstes Schiff mit Flüssiggas

Gegründet wurde die witec GmbH Werkzeug- und Industrietechnik als Familienbetrieb von Margrit Witte-Dreisbach und Klaus Dreisbach im Januar 1993 in Münster bei Dieburg. 2007 stieg das Unternehmen aus der Massenfertigung aus. Seither konzentriert es sich auf maßgeschneiderte Spezialwerkzeuge. 2007 begann auch die Partnerschaft mit der WEMA GmbH in Pfaffenhofen, deren 50 Mitarbeiter die witec-Hochleistungswerkzeuge herstellen. Zum Angebot gehört auch das Nachschleifen und Nachbeschichten gebrauchter Werkzeuge nach zertifizierten Verfahren. Die sanierten Werkzeuge erreichen bis zu 95 Prozent ihrer anfänglichen Leistungsfähigkeit.

2016 folgte der Umzug mit sechs Mitarbeitern an die Paul-Ehrlich-Straße nach Ober-Roden. In Rödermark fühlt sich das Unternehmen wohl. Das ist auch ein Verdienst der Wirtschaftsförderung. „Wir fühlen uns gut betreut“, lobt Klaus Dreisbach. Als Nächstes steht für sein Team ein Großauftrag von Costa Kreuzfahrten an. Drei neue Schiffe sollen bis 2024 vom Stapel laufen. Da werden viele Bohrer gebraucht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare