Urberacher Töpfer produzierten meist billige Massenware

Rödermark: Brennofen in jedem zehnten Haus

Familiensache: die Brüder Valentin, Johannes, Heinrich, Martin und Franz Braun (von links) 1913 im Hof ihrer Töpferei in der Bahnhofstraße.
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Rödermark: die Brüder Valentin, Johannes, Heinrich, Martin und Franz Braun (von links) 1913 im Hof ihrer Töpferei in der Bahnhofstraße.

Das Töpferhandwerk hat die Region über Jahrhunderte geprägt. Ober-Roden, vor allem aber Urberach waren Häfnerdörfer. Gebrannt wurde Alltägliches wie Milch- und Kaffeetöpfe, Schüsseln, Kannen, Teller, aber auch Kamin- oder Drainagerohre. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Rödermark hat die Töpferei zum August-Thema seines historischen Kalenders gemacht.

Rödermark - Der Ton wurde überwiegend während der kälteren Jahreszeit an der Thomashütte gestochen. Die meisten Töpferfamilien konnten von dem Handwerk aber nicht leben, denn sie produzierten in der Regel um Massenware für Pfennigbeträge. Viele betrieben nebenbei noch Landwirtschaft.

Das Taufbuch für Urberach führte um 1770 bereits 41 Familien mit der Bezeichnung „Töpfer“ auf. Und auch 50 Jahre später wurden in jedem zehnten Haus „Häfner Brennöfen“ verzeichnet. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg gab es noch rund 25 Töpfer. Zwischenzeitlich war sogar eine eigene Innung in Urberach gegründet worden.

Während in Ober-Roden das Töpferhandwerk bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausstarb, erlebte es in Urberach noch eine lange Blüte. Dennoch trat auch hier schon früh mit dem Aufkommen des bruchsicheren Emaille-Geschirrs ernsthaft Konkurrenz auf. Mit der zunehmenden Industrialisierung suchten zudem viele junge Menschen ihr Auskommen zum Beispiel bei Opel in Rüsselsheim. Auf der anderen Seite half die Inbetriebnahme der „Dreieich-Bahn“ 1905 dem Vertrieb noch einmal enorm. Parallel wurde die Ware zu Fuß oder Fuhrwerk „an den Mann“ gebracht. Auch auf der „Frankfurter Dippemess“ war die Urberacher Irdenware regelmäßig präsent.

Neben vielen besonderen Persönlichkeiten in dieser Gilde nahm der Kunsttöpfer Valentin Braun aufgrund seiner Ausbildung sicher eine Sonderstellung ein: Er besuchte die Königlich Keramische Fachschule für Kunsttöpferei und Ofenbau in Landshut. Doch nachdem vor wenigen Jahren zuerst seine Schwiegertochter und kurz danach sein Enkel gestorben sind, schloss auch die letzte Töpferei in Urberach.

Nikolaus Schwarzkopf, Urberacher Heimatdichter und Träger des Büchner-Preises, setzte dem Töpferhandwerk 1941 mit seinem Buch „Der Feldhäfner“ ein literarisches Denkmal.  (Michael Löw)

Ausstellung: Die Geschichte des Handwerks, typische Gegenstände und die Herstellung der Ware werden seit 1984 an jedem ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr im Töpfermuseum in der Bachgasse gezeigt.

Töpfermeister Karl Gensert ging seinem Handwerk in der heutigen Traminer Straße nach.

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