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Bürgermeisterkandidaten beim Unternehmerforum: Details machen den Unterschied

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Freudvolle Erwartung: Daniela Süß-Wunderlich und Thomas Günther vom Unternehmerforum nahmen die Bürgermeisterkandidaten Karsten Falk, Jörg Rotter und Andrea Schülner nur optisch in die Zange. Ihre Fragen und die anschließende Diskussion im Ford-Autohaus Mieth blieben eine wohltuend sachliche Angelegenheit.

Urberach – „Welche Strategie verfolgen Sie als Bürgermeister für den Wohn- und Wirtschaftsstandort Rödermark?“ Thomas Günther, Vorstandschef der Firma CeoTronics, forderte die Bürgermeisterkandidaten zu unternehmerischem Denken auf. Von Michael Löw

Andrea Schülner (AL/Grüne), Jörg Rotter (CDU) und Dr. Karsten Falk (parteilos) hatten ihm nämlich zuvor mit Formulierungen wie „Karriere geplant“, „bin durchbefördert worden“, „Führungsverantwortung übernommen“ oder „beste Vernetzung auf Landes- und Bundesebene“ den Ball vor die Füße gespielt. Das Trio war am Dienstagabend zum Farbebekennen in Sachen Wirtschaft beim Unternehmerforum Rödermark (UFR) zu Gast.

Die UFR-Sprecher Daniela Süß-Wunderlich und Thomas Günther fragten im Showroom des Autohauses Mieth nach Wohn- und Gewerbeflächen, Wachstum, Finanzen, Stadtmarketing und Digitalisierung der Verwaltung.

„Wir haben nur ein paar Lücken, die man mit Gewerbe füllen kann“, stellte Falk fest. Auch FDP und FWR, die ihn unterstützen, beklagen einen Flächenmangel. Attraktive Grundstücke fallen demnach als Lockmittel für ansiedlungswillige Neu-Unternehmen oder expandierende Alt-Unternehmen aus. Ein Bürgermeister Falk würde eine höhere Gewerbesteuer ablehnen – und war sich darin mit einer Bürgermeisterin Schülner oder einem Bürgermeister Rotter einig.

Falk möchte die berühmten kleinen Rädchen drehen. Chefs und Manager hätten ihm gegenüber zu lange Entscheidungsprozesse in der Rödermärker Verwaltung geklagt: Was dort mitunter wochenlang von Büro zu Büro wandere, geschehe in Nachbarstädten innerhalb weniger Tage.

CDU-Bewerber Rotter setzt auf weiche Standortfaktoren wie Bildung. Die Berufsakademie strahle in die ganze Region hinaus. Gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer Bernd Albrecht denke er schon an eine Erweiterung des 2012 bezogenen Campus in Urbeach nach. Ein technisch orientiertes Gymnasium würde Rödermark nach Ansicht Rotters gut zu Gesicht stehen. „Als Ergänzung zur Nell-Breuning-Schule“, betonte der Erste Stadtrat. Die Qualität der Gesamtschule steht für ihn, der dort Klassen- und Schulsprecher war, außer Frage.

Andrea Schülner (AL) will die wenigen verbleibenden Gewerbegrundstücke möglichst an Hochkaräter verkaufen. Sie warnte – stellvertretend auch für ihre Konkurrenten – vor Logistikparks mit riesigen Hallen und wenigen Jobs, wie sie in Rodgau, Eppertshausen und Dieburg aus dem Boden geschossen seien. Rödermark müsse neue Unternehmen sorgfältig auswählen. Denn neues Gewerbe bedeute nicht automatisch auch neue Steuereinnahmen.

Die AL-Vorsitzende plädierte für ein praxisbezogenes Gymnasium in Rödermark. Das helfe dem Handwerk, gutes Personal zu gewinnen.

Fachkräftemangel sei auch eine Folge von Wohnraummangel, eröffnete Günther die zweite Fragerunde. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren nicht eine Sozialwohnung gebaut“, räumte Rotter Versäumnisse im überwiegend schwarz regierten Rödermark ein. Doch genauso nötig wie Sozialwohnungen seien auch Grundstücke für Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften.

AL-Bewerberin Schülner schlägt vor, dass die Stadt mit finanzieller Hilfe des Landes beim Bau neuer Großprojekte (zum Beispiel auf dem „Paramount Park“-Gelände oder der Kelterei Schwarzkopf) Wohnungen kauft und unter Marktpreis vermietet.

Für Falk ist das keine Lösung. Denn Neubauten würden in Rödermark für bis zu 13 Euro pro Quadratmeter vermietet. Selbst wenn die Stadt zwei oder drei Euro zubuttere, bliebe immer noch eine Quadratmetermiete jenseits der zehn Euro: „Unbezahlbar für finanziell Schwächere!“ Seine Alternative: Die Stadt soll zugreifen, wenn alte Häuser oder Wohnungen zum Verkauf stehen und die dann für sechs oder sieben Euro vermieten.

Daniela Süß-Wunderlich fragte die Kandidaten nach ihren Ideen für einen zukunftsträchtig finanzierten Haushalt. Die Stadt stoße beim Sparen immer wieder an Grenzen, warnte Andrea Schülner: Rödermark müsse immer mehr Pflichtaufgaben wie die Kleinkindbetreuung übernehmen, die Bund oder Land nach unten weitergeben.

Alle Infos zur Bürgermeisterwahl in Rödermark finden Sie auf unserer Themenseite

Mit dem Auslaufen des Schutzschirmvertrags im Jahr 2020 gewinne Rödermark ein Stück finanziellen Handlungsspielraum zurück, sagte Rotter. Was aber an den hohen Kosten der Kinderbetreuung nichts ändere. Jede neue Kita koste die Stadt jährlich mindestens eine halbe Million Euro.

Falk will mehr Kindergärten an freie Träger wie seinen Arbeitgeber, die Johanniter-Unfallhilfe, übergeben. Die betreiben seiner Meinung nach eine Kita bei gleicher Qualität billiger als die Stadt.

Bilder zur Bürgermeister-Stichwahl in Rödermark

Gastgeberin Claudia Mieth wollte wissen, was die Aufwertung der Grünen Mitte kostet, und ob sie s nicht zulasten der Ortskerne geht. Nein, das werde aus unterschiedlichen (Zuschuss-)Töpfen finanziert, antworteten Rotter und Schülner, die die Sache als aktive Politiker im Blick haben.

Michael Jakobs vermisste das Rödermark-Gefühl bei den Rödermärkern. Diese Sorge versuchte ihm der parteilose Kandidat Falk zu nehmen: „Nur die Narretei braucht noch diese Rivalität zwischen Ober-Roden und Urberach. Sonst sind wir auf einem guten Weg!“

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