Bürgermeisterwahl in Rödermark

Zwei Sichtweisen der gleichen Zahlen

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Roland Kern (rechts) und Carsten Helfmann

Rödermark - In zehn Tagen gehen Roland Kern (AL, 43,3 Prozent) und Carsten Helfmann (CDU, 38,5Prozent) in die Stichwahl ums Bürgermeisteramt. Vorm entscheidenden zweiten Durchgang stecken drei Parteien ihre Positionen ab.

Außerdem meldet sich der langjährige SPD-Stadtverordnete Kurt Krummholz nochmals in Sachen Schranken zu Wort. Der Ausgang der ersten Runde stimmt die AL optimistisch, dass Bürgermeister Roland Kern bei der Stichwahl als Gewinner hervorgeht. Die Ausgangssituation für den Amtsinhaber sei günstig, denn auf ihn entfielen mehr Stimmen als auf Carsten Helfmann und FDP-Bewerber Tobias Kruger zusammen (43,3 zu 41,4 Prozent).

Helfmann habe trotz massiver Unterstützung durch die Freien Wähler und eines Großteils der FDP-Anhänger weniger Stimmen erhalten als die CDU bei der Kommunalwahl 2016, sagt AL-Vize Eckhard von der Lühe. Seine Analyse: Nicht einmal alle potenziellen CDU-Wähler (damals 39,5 Prozent, Anmerkung der Redaktion) haben deren Kandidaten Helfmann gewählt. Kern hingegen habe den für AL/Grüne bei der Kommunalwahl erzielten Stimmenanteil von 24,2 Prozent um 19,1 Prozentpunkte gesteigert und damit nahezu verdoppelt.

FDP und Freie Wähler (FWR) sehen sich durch die Ergebnisse vom Sonntag in ihrer Ansicht bestärkt, dass die Rödermärker einen Wechsel an der Verwaltungsspitze wollen. „Nach einem intensiven und anstrengenden Wahlkampf sind 2,92 Prozent objektiv ein enttäuschendes Ergebnis für Kandidat und Partei“, will der stellvertretende FDP-Vorsitzende Dr. Rüdiger Werner Krugers Stimmenanteil nicht schönreden. Allerdings gelte es auch, den Gesamtkontext zu beachten: Nach einem krankheitsbedingten Kandidatenwechsel bei der CDU und dann dem Rücktritt vom erklärten Rücktritt im grünen Lager hätten sich einige wesentliche Vorzeichen zur Bürgermeisterwahl geändert.

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Trotzdem habe die FDP geschlossen mit einem kleinen, aber umso aktiveren Team den Wahlkampf auf Augenhöhe mit allen anderen politischen Mitbewerbern aufgenommen und mit großem Engagement für den dringend notwendigen politischen Wechsel in Rödermark und damit für ein Ende des grünen Dauerstillstandes gekämpft. Werner: „Dieses Ziel hat die FDP nach wie vor im Blick und wird sich bei der Stichwahl weiter dafür einbringen – vor allem eingedenk der jüngsten (aber nicht neuen), hemmungslosen Faktenverdrehungen durch den amtierenden grünen Bürgermeister und der von ihm stets wiederholten Mär vom ausgeglichenen Haushalt.“

Auch die Freien Wähler rufen ihre Mitglieder und Sympathisanten nun auf, am 19. Februar für Carsten Helfmann zu stimmen. „Mehr als die Hälfte von Rödermarks Wählern hat sich am 5. Februar für die Ablösung des Amtsinhabers entschieden“, interpretiert FWR-Sprecher Siegfried Kupczok Kerns Ergebnis von 43,3 Prozent. Gegenüber der Bürgermeisterwahl 2011 habe er ein Viertel seiner Wähler verloren - „ein klares Votum gegen seine unsoziale Steuerpolitik in der abgelaufenen Wahlperiode“.

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Rödermark braucht nach Ansicht der FWR einen Kandidaten mit Energie, Mut und Weitblick und keinen, der „nur noch ein bisschen im Amt bleiben will“. Roland Kerns Ankündigung, im Fall eines Sieges nach 25 Monaten zurückzutreten, bedeute für die Stadt sowohl weitere zwei Jahre Wahlkampf als auch „faktischen Stillstand“. Den könne sich Rödermark am Ende der Schutzschirmphase nicht erlauben.

Für Kurt Krummholz ist die Kandidatenfrage nur zweitrangig. Der ehemalige Bahnmitarbeiter und SPD-Stadtverordnete sieht sich durch eine Pressemitteilung der CDU zu Carsten Helfmanns Schranken-Vorstoß verunglimpft. Darin hieß es: „Es ist ja nett, dass sich ... der langjährige Pensionär Kurt Krummholz einschaltet.“ „Ich wünsche Frau Lips und Michael Gensert, dass ihr Erinnerungsvermögen an Tatsachen, wenn sie mal mein Alter erreicht haben, erhalten bleibt und sie sich nicht hinter den Worten prominenter Persönlichkeiten „daran kann ich mich nicht erinnern“, verstecken“, erklärte der 83-Jährige, dem nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament der Ehrentitel „Stadtältester“ verliehen wurde. (lö)

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