Nach zehn Wochen Corona-Pause

Endlich wieder Theater in Urberach

Selbst gezimmerte Trennscheiben machen’s möglich: Paarweise oder auch einzeln werden die wenigen Zuschauer im Nedelmannschen Wohnzimmer voneinander separiert.
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Selbst gezimmerte Trennscheiben machen’s möglich: Paarweise oder auch einzeln werden die wenigen Zuschauer im Nedelmannschen Wohnzimmer voneinander separiert.

„Wir sind aufgeregt!“ Dieser Satz, der eigentlich so gar nicht zum Theatermann Oliver Nedelmann passt, war in der vergangenen Woche mehrfach zu hören.

Rödermark – Der Hintergrund: Nach zehn theaterlosen Wochen und Abarbeitung einer mehrseitigen Corona-To-do-Liste ging’s am Freitagabend im Wohnzimmertheater an der Ober-Rodener Straße endlich wieder los. 18 Plätze waren rein rechnerisch möglich. Sie waren alle besetzt. Dennoch wirkte der große Wohnraum recht leer: Drei Paare waren in die Eingänge der anliegenden Wohnräume verbannt worden und das restliche Dutzend saß weit voneinander getrennt oder war – einzeln oder paarweise – mit selbst gezimmerten Folienwänden voneinander getrennt.

Die weiteren Auflagen waren den Zuschauern schon bekannt und hängen auch an der Eingangstür: Mundschutz selbstverständlich außer während der reinen Spielzeit; Desinfektionsmittel; eingezeichnete Laufwege, auch zur Toilette hin, die mehrfach „aufgefrischt“ wird. Eine fensternahe Zuschauerin bekommt den Auftrag, auf Wink von der Bühne hin das Fenster während des Stücks zum Lüften zu öffnen – ungeachtet des leichten Regens und der gefühlten zehn Grad im Freien.

Kontakt zum Stuhlnachbarn bestenfalls durch die Plastikscheibe. Preise keineswegs erhöht, dafür aber ein Kochtopf als Sammelbüchse dezent am Rand – für die vielen zusätzlichen Auslagen und die monatelangen Ausfälle, die gerade den selbstständigen Künstlern fast das Genick gebrochen haben.

Dennoch herrscht eine erleichterte, heitere Stimmung unter den Zuschauern, geteilt durch heftiges und dankbares Klatschen zwischen und nach jeder der rund 17 Szenen der endlich wieder aufgenommenen Komödie „Der Gutschein“ von Oliver Nedelmann. Es ist ein wunderbares Stück, das für viel herzhaftes Lachen sorgt und wohl jeden der Anwesenden an eigene Erfahrungen mit diesen so beliebten und doch oft nicht eingelösten Geschenken erinnert. Aber vielleicht hätten Friederike und Oliver Nedelmann, die im Stück sofort ihre Anspannung und Aufregung abgelegt und ihre typische Bühnendominanz wieder zurückgewonnen haben, an diesem Abend alles spielen können – die Zuschauer wären für jedes Bühnenprodukt dankbar gewesen. Endlich, endlich ist wieder Live-Kultur möglich, und selbst die strengsten Auflagen sind immer noch besser als keine Kultur.

Wer dies gerne nachempfinden möchte: Kontakt mit dem Wohnzimmertheater in der Ober-Rodener Straße 5 a bei derzeit 18 Innen- oder 23 Außenplätzen nur über Reservierung: 06074/4827616.

Infos gibt es auf theater-und-nedelmann.de.

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