Rödermark

Natur braucht in Zeiten von Corona menschliche Hilfe

Blütenpracht: So schön kann eine gut fachgerecht gemähte Frühlingswiese sein.

Die Wiesen in Rödermark sollen aufblühen: Eine abgestimmte Samenmischung ist ein Lockmittel für Insekten im Kampf für die Artenvielfalt.

Rödermark – Auch die Natur braucht in Corona-Zeiten menschliche Hilfe. Doris Lerch ist studierte Biologin und setzt sich in ihrer Heimatstadt für Biodiversität und gegen das Insektensterben ein. Seit 2019 tut sie‘s in der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) und hat mit der Initiative „Wir sind Breidert“ die Aktion „Natur zurück in die Stadt“ ins Leben gerufen. Seitdem versucht sie, in und um Rödermark naturnahe Flächen anzulegen. Mit Naturschutz, Wiesenbesitzern, Landwirten und Gartenbaufirmen hat sie bereits zwei blütenreiche Heuwiesen geschaffen – eine am Schützenhaus Diana, die andere an der renaturierten Rodau.

Doris Lerch hat für ihr neuestes Projekt sogar einen Traktor, Baujahr 1961, mit Balkenmäher gekauft, der jetzt in Waldacker in ihrer Auffahrt steht und der besonders insektenschonend mäht.

Das Saatgut ist allerdings teuer. „Zusammen mit Dr. Rüdiger Werner vom Nabu und Karlheinz Weber von der Breidert-Initiative habe ich einen Spendenaufruf entworfen. Damit wollte ich schon längst starten, aber da kam mir Corona dazwischen. Die ersten Spenden habe ich trotzdem schon erhalten, aber das reicht natürlich noch lange nicht. Nur gemeinsam können wir ein derartiges Projekt verwirklichen“, erläutert die Waldackerin.

Die Biologin Doris Lerch will Rödermark wieder zu einem blühenden Paradies für Insekten machen.

Sie hat auch ein Infoschild gestaltet, das an jeder Wiese aufgestellt werden soll. Denn nicht jedem klar, dass die richtige Pflege der Wiesen entscheidend ist für deren Vielfalt an Insekten und Pflanzen: „Nur mit einem Balkenmäher kann man eine Wiese schonend mähen, da alle neuen Traktoren einen Kreiselmäher haben, der alles kleinhäckselt. Die alten Wirtschaftsweisen haben uns eine enorme Biodiversität gebracht, und genau so können wir auch wieder unserer Biodiversität erhöhen.“

Laut Bundesamt für Naturschutz sind in Deutschland seit 1950 die artenreichen, extensiv genutzten Wiesen und Weiden um 98 Prozent zurückgegangen. Neueste Studien zeigen den dramatischen Rückgang von bis zu zwei Drittel der Insekten auf Grünland und eine alarmierende Abnahme unserer Feldvögel wie Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn.

„Wir möchten diesen wertvollen Biotop-Typ wieder in unserer Landschaft etablieren, um ihn so vor dem Aussterben zu bewahren. Unser langfristiges Ziel ist es auf, 30 000 Quadratmetern eine speziell von uns für unseren sandigen Boden zusammengestellte Blühmischung auszubringen“, sagt Doris Lerch und bittet: „Falls Sie im Besitz einer nicht mehr blütenreichen Heu- oder Streuobstwiese sind, und Sie diese in ein Insektenparadies verwandeln möchten, melden Sie sich bitte bei uns unter stadtnatur@t-online.de.“  

chz

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