„An Tagen wie diesen“

Abiturfeier an der Nell-Breuning-Schule wegen Corona etwas anders

Abstand muss sein: Mit ausgestreckten Armen überreichten Schulleiterin und Tutoren den Abiturienten ihre Zeugnisse, wie hier an Sarah Manus.
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Abstand muss sein: Mit ausgestreckten Armen überreichten Schulleiterin und Tutoren den Abiturienten ihre Zeugnisse, wie hier an Sarah Manus.

Eine letzte Schulwoche im Leben ohne große Feten, ohne Mottowoche und Abistreich und ohne einen festlich-(feucht-)fröhlichen bombastischen Abschluss mit Freunden und Familie – für alle Schülerjahrgänge vor 2020 ein unmöglicher Gedanke. 

Rödermark – Doch Corona macht’s nötig; sogar die Vergabe der Abiturzeugnisse am Donnerstagnachmittag unterlag strengsten Auflagen. Statt voller Kulturhalle „nur“ das Musikgebäude Roter Oswald, statt langer Festrobe nur das „kleine Schwarze“, statt großem Empfang mit Hunderten von Umarmungen nur kleinste, distanzierte Verabschiedung.

Trotzdem herrschten gelöste Stimmung und innere Freude, als die kleine Feier mit Musik aus der Konserve mit der Ehrung der besten Abiturientinnen und Abiturienten des Corona-Jahrgangs 2020 begann. „Wir hatten unsere Schüler gefragt, ob sie die Zeugnisvergabe mit ihren Kurskameraden oder mit ihren Familien erleben wollten, weil beides zusammen nicht ging, und sie haben sich ohne jedes Zögern für ihre Mitschüler entschieden“, berichtete Rektorin Christine Döbert. In ihrer Ansprache vor den einzelnen Kursen stand das Bedauern um die gerechtfertigte lautstarke Freude und den verpassten Spaß zum Schluss an vorderster Stelle, aber auch die Zuversicht, dass die Schule ihr Möglichstes getan habe, den Schülern trotz der widrigen Umstände einen guten Abschluss zu bieten.

Dass der Notendurchschnitt mit 2,24 wieder gut ausgefallen sei, liege nicht an erleichterten Themenstellungen, betonte Stufenleiterin Barbara Kühnl: „Die Prüfungsthemen sind bereits seit mehr als einem halben Jahr fest, in den drei bundesweit zentralen Schwerpunktfächern ohnehin – da ist nichts zu beeinflussen.“

Sicherlich gibt’s Schwierigkeiten gerade für Absolventen, die jetzt mit einem Auslandsjahr oder mit Ähnlichem beginnen wollten; doch generell sind keine Härtefälle bekannt.

In kleinen Gruppen statt in der voll besetzten Kulturhalle fand die Überreichung der Reifezeugnisse statt. Feierlich war’s trotzdem. 

So konnten die Jahrgangsbesten auch voll Freude ihre Reifezeugnisse aus den (weit gestreckten) Händen des Bürgermeisters Jörg Rotter, der Schulleiterin und der Oberstufenleiterin in Empfang nehmen. Mit einer glatten 1,0 verabschiedeten sich Paul Olbrich, Maria Pfeiffer, Eva Sattlegger und Maya Tschendel aus dem Schulalltag. Mit 1, 2 folgte Maria Bauer, mit 1,3 schließlich Dilara Alan, Lena Hinrichsen und Pia Berger.

Ausgezeichnet wurden auch besondere Leistungen in Physik, Mathematik, Sprachen und Religion. „Wir haben die ganze Zeit mitgefühlt und mitgelitten und denken, dass wir das Beste daraus gemacht haben“, fasste Christine Döbert zusammen. Sie bat die Absolventen: „Ab jetzt sollt ihr nur noch nach vorn sehen und stolz sein auf das, was ihr geschafft habt.“ Später könnten sie als Einzige sagen: „Wir waren dabei damals im Coronajahr 2020.“

Die Ungewissheit, ob sich die Corona-Pandemie auf das bevorstehende Berufsleben auswirken wird, ist für die frisch aus der Schule Entlassenen kein Problem. Er fühle sich gut gerüstet, sagt etwa Alexander von der Heyde (18): „Ich werde Anfang November hoffentlich an der TU Darmstadt mein Physikstudium aufnehmen können. Bis dahin soll es wohl wieder normal laufen, sonst eben im Online-Verfahren. Als wir im März nach Hause entlassen wurden zur Abivorbereitung, war das eigentlich sehr gut – es war mehr Ruhe und Zeit für die Vorbereitung der schriftlichen Prüfungen. Erst danach, als man schon etwas feiern wollte und auch das Mündliche mit Freunden vorbereiten wollte, war das sehr merkwürdig, zumal ich ein Mensch bin, der in der Gruppe besser lernen kann als alleine. Da die Prüfungen schon lange vorher vorbereitet waren, ist uns sicher kein Mangel an Kenntnissen entstanden, außerdem waren unsere Lehrkräfte durchweg sehr bemüht, die unangenehme Situation für uns durch noch mehr Engagement und Kreativität auszugleichen.“ Er bedauert allerdings jene Mitschüler sehr, die sich auf Auslandsstudien oder etwa auf Praktika fürs Lehramt vorbereitet hatten, die nun erst einmal nicht zustande kommen. (VON CHRISTINE ZIESECKE)

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