Demenztherapie im Artemed-Pflegestift

Rödermark: Das Vergessen hinauszögern

Ein Memory-Spiel mit Motiven aus vergangenen Zeiten war gestern Teil des MAKS-Projektes im Artemed-Pflegestift. Die Karten weckten vielfältige Erinnerungen.
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Rödermark: Ein Memory-Spiel mit Motiven aus vergangenen Zeiten war gestern Teil des MAKS-Projektes im Artemed-Pflegestift. Die Karten weckten vielfältige Erinnerungen.

MAKS heißt die themenbezogene Gruppentherapie, mit der das Artemed-Pflegestift in Rödermark-Urberach seinen dementen Bewohnern hilft, im Kopf möglichst lange fit zu bleiben. Iris Thuß von der Heimleitung weiß aber auch: Die Krankheit lässt sich nicht heilen, sondern nur verlangsamen.

Rödermark – Demenz, die anhaltende oder fortschreitende Beeinträchtigung des Gedächtnisses, des Denkens oder anderer Hirnleistungen, wird immer mehr zur Volkskrankheit. In Deutschland sind rund 1,6 Millionen Menschen betroffen, knapp zwei Drittel davon sind Frauen.

Im Artemed-Pflegestift leben 104 Frauen und Männer, bei 59 heißt die Diagnose Demenz. Zwölf haben die Krankheit in schwerer oder schwerster Form. Den übrigen 47 soll MAKS helfen, das Gedächtnis fit zu halten. MAKS steht für motorisch, alltagstauglich, kognitiv und sozial und ist eine vor gut zehn Jahren in Erlangen entwickelte Gruppentherapie, erläutert Iris Thuß von der Leitung des Artemed-Pflegestifts. Ursprünglich für die Tagespflege konzipiert, wird sie mittlerweile immer häufiger in Heimen eingesetzt.

MAKS besteht aus Bewegungsübungen, Spielen, Kochen, Feiern, Lesen, Schreiben, Rätseln, Gemeinschaft und Gesprächen – also nichts grundlegend Neuem in der Demenzbetreuung. Die Stärke der MAKS-Therapie: Ein Thema zieht sich durch die Gruppen-Doppelstunde. Gestern war"s zum Beispiel „Was war damals?“ Memory-Karten mit altmodischen Kronleuchtern, Bügeleisen aus der Zeit unserer Großeltern oder Fotos voller Patina lagen auf dem langen Holztisch, um bei vier Frauen und einem Mann Erinnerungen zu wecken. Alltagsbegleiterin Annette Eckhardt brachte ihre Mitspieler nicht nur miteinander ins Gespräch, sondern stachelte auch ihren Ehrgeiz an.

Annette Eckhardt hat gemeinsam mit fünf weiteren Alltagsbegleitern und Teamleiterin Ewa Bialucha eine 24-stündige Ausbildung zur MAKS-Therapeutin absolviert. Die Anforderungen der Pflegekassen sind hoch. Eine Abschlussarbeit ist Pflicht, die Wiederholung der Lizenz im Abstand von drei Jahren ebenfalls. Die MAKS-Leute müssen die Gruppen so zusammenstellen, dass niemand über- oder unterfordert wird, dass Stärkere Schwächere mitziehen und dass sich die immer gleichen Rituale wie ein roter Faden durch alle Gruppen ziehen.

Demenzbetreuung bedeutet generell viel Aufwand. Iris Thuß erklärt"s an einem simplen Beispiel: Die Pflegekräfte könnten den Heimbewohnern einfach ein belegtes Brot auf den Teller legen und sie notfalls füttern. Stellen sie aber Brot, Butter, Wurst, Käse und vor allem ein Messer auf den Tisch, verstehen auch Menschen mit Demenz das Essen als Prozess, der ihnen diverse Fähigkeiten abverlangt und sie so gut es geht erhält.

Denn eines ist Iris Thuß, Ewa Bialucha, Annette Eckhardt und allen, die mit Demenzpatienten arbeiten, klar: Demenz kann man nicht stoppen, sondern nur die Verschlechterung herauszögern. Mit MAKS aber offensichtlich so erfolgreich, dass das Artemed-Pflegestift das Programm auch auf schwer und schwerst Betroffene ausweiten will. (Michael Löw)

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