Corona-Pandemie: Fitnessstudios schöpfen Hoffnung, bleiben aber vorsichtig

Rödermark: „Der hoffentlich letzte Lockdown“

Seit Anfang November ist das Fitnessstudio „Sporteve“ von Ulrike Hofmann in Urberach geschlossen. Hofmann und ihr Team sehnen den Neustart herbei.
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Rödermark: Seit Anfang November ist das Fitnessstudio „Sporteve“ von Ulrike Hofmann in Urberach geschlossen. Hofmann und ihr Team sehnen den Neustart herbei.

Erstmals seit Monaten liegt die Corona-Inzidenz bundesweit unter 50 Ansteckungen pro 100 000 Menschen. Mit einem Wert von 63,5 liegt der Kreis Offenbach noch über dieser wichtigen Marke, doch die Infektionszahlen sinken auch hier. Fitnessstudiobetreiber in Rödermark hoffen, dass sie – zumindest eingeschränkt – öffnen dürfen. Die Branche sehnt diesen Schritt herbei.

Rödermark - Bei „LifeFitness“ in der Odenwaldstraße sind die Türen seit voriger Woche sogar schon wieder geöffnet. Allerdings (noch) nicht zum Sport. Inhaber Ahmet Kilic hat mit seinem Team im Eingangsbereich ein Corona-Testzentrum eingerichtet, in dem die sogenannten Bürgertests durchgeführt werden. Die kostenlosen Antigen-Schnelltests stehen Jedem offen.

Natürlich sei die Eröffnung des Testzentrums aber auch dadurch motiviert gewesen, den Mitgliedern vor dem hoffentlich bald wieder möglichen Fitnessstudio-Besuch ein unkompliziertes Testangebot vor Ort machen zu können, erklärt Kilic. Positiver Nebeneffekt: Er konnte vier seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Corona-Tests eine Schulung absolvierten, frühzeitig aus der Kurzarbeit holen. Offen ist das Testzentrum montags bis freitags von 10 bis 13 und 17 bis 19 sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr,

Ahmet Kilic ist nicht nur Chef des „LifeFitness“-Studios mit insgesamt 15 Mitarbeitern, er betreibt zudem das „Cuervo“ im Urberacher Bahnhof. Mit Sport und Gastronomie ist er also in zwei Branchen tätig, die von den Corona-Einschränkungen besonders hart gebeutelt sind. Das „Cuervo“ bot in den vergangenen Monaten „Speisen to go“ an. Das Alternativprogramm im Fitnessstudio sind Online-Videokurse. Beides versteht Ahmet Kilic als Service, bei dem nicht unbedingt das Geldverdienen an erster Stelle steht. „Man muss ja auch etwas machen, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Wir hoffen jetzt einfach, dass es der letzte Lockdown ist.“

Sieht man von den Videokursen ab, hatte das Fitnessstudio, das während der Schließzeiten auf Mitgliedsbeiträge verzichtet, seit Anfang November meist zu. Lediglich im März war bei zwischenzeitlich sinkenden Infektionszahlen für ein paar Wochen Einzeltraining für eine begrenzte Anzahl an Personen möglich. Das würde auch Stufe eins der Lockerungen, die demnächst erreicht werden könnte, erlauben.

Ulrike Hofmann, die in Urberach das „Sporteve“-Fitnessstudio für Frauen betreibt, ist ebenfalls froh, dass es nach so vielen Monaten nun endlich konkrete Öffnungs-Perspektiven gibt. Seit Anfang November ist ihr Studio geschlossen. Jeden Morgen gehe der Blick aufs Handy, um zu schauen, wie hoch denn die Inzidenz gerade ist. Die Situation ist durchaus belastend, bekennt Ulrike Hofmann, die vor acht Jahren mit ihrem Fitnessstudio erfolgreich den Sprung in die Selbstständigkeit wagte.

Das Schwierige sei vor allem, „dass uns seit über einem Jahr die Neu-Mitgliedschaften fehlen, die wir ja nicht abschließen konnten“, erklärt Ulrike Hofmann. Es gab natürlich mehr Kündigungen als üblich. Auch in der Phase der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown seien die Sportlerinnen verhalten gewesen.

„So schön es ist, dass es hier bei uns so klein und familiär ist“, sagt Hofmann, die während der Zwangspause ebenfalls auf Mitgliedsbeiträge verzichtet, mit Blick auf die Räumlichkeiten in der Ober-Rodener Straße. Aufgrund des eher begrenzten Platzangebotes könnten in der ersten Stufe des Lockerungsplanes der Landesregierung gerade einmal zwei Frauen gleichzeitig trainieren. Das ist auch der Grund, warum Ulrike Hofmann in Stufe eins noch geschlossen lassen wird. Das lasse sich wirtschaftlich einfach nicht darstellen. Sie hofft nun auf Lockerungsstufe zwei.

In „normalen“ Zeiten können die Frauen im Studio zeitlich flexibel vorbeischauen und in den mehrere Geräte umfassenden Trainingszirkel einsteigen. Bis zu 16 Sportlerinnen konnten so gleichzeitig trainieren. Im vergangenen Sommer waren nach dem ersten Lockdown bis zu acht Trainierende erlaubt. „Das hat ganz gut gepasst“, hofft Ulrike Hofmann, dass zumindest dieses Szenario möglichst bald wieder eintritt. Auch bei „Sporteve“ werden Videokurse angeboten, wobei diese kein Ersatz für das Training vor Ort sein könnten.

Ulrike Hofmann ist „nicht uneingeschränkt optimistisch“, dass sich für die Fitnessbranche nach Aufhebung der Einschränkungen schnell alles wieder auf Vor-Corona-Niveau einpendeln wird. Es gebe einfach viele Unbekannte, etwa dass sich das Sportverhalten in der Corona-Zeit verändert haben könnte und die Leute zunächst abwartend sind. Die Vorteile des Trainings im Fitnessstudio an hochwertigen Geräten und unter Anleitung einer professionellen Trainerin oder eines Trainers seien jedoch groß, so Hofmann. (Sascha Eyssen)

Rödermark: Auf Nummer sicher: Am Eingang von „LifeFitness“ in Ober-Roden ist ein Corona-Testzentrum untergebracht.

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