Breidert-Initiative legt „magere“ Blühstreifen für Insekten an

Rödermark: Diät für fette Böden

Nicht schwarze Muttererde, sondern Baustellensand ist der Nährboden für all jene Pflanzen, die viele Insekten zum Überleben brauchen. Die Breidert-Initiative legt entlang mehrerer Straßen Blühstreifen und Schmetterlingssäume an. Wächst alles an – wie auf dem Weg Richtung Wald –, wird das Artensterben ein Stück weit verlangsamt.
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Nicht schwarze Muttererde, sondern Baustellensand ist der Nährboden für all jene Pflanzen, die viele Insekten zum Überleben brauchen. Die Breidert-Initiative legt entlang mehrerer Straßen Blühstreifen und Schmetterlingssäume an. Wächst alles an – wie auf dem Weg Richtung Wald –, wird das Artensterben ein Stück weit verlangsamt.

Die Initiative „Wir sind Breidert“ aus Rödermark lässt sich nicht unterkriegen. Am Wochenende wüteten Vandalen bös’ auf ihrem kleinen Waldfestplatz, hinterließen am „Braaret-Bernsche“ Dreck und Zerstörung. Doch trotzdem ist das neueste Projekt schon in der Mache. Die rührige Quartiersgruppe legt entlang mehrerer Straßen Blühstreifen für Schmetterlinge und andere Insekten an. Zuletzt beackerte sie 130 Quadratmeter an der Ecke von Breidertring und Seligenstädter Straße.

Rödermark - Die Breidert-Initiative und der Naturschutzbund (Nabu) hatten im Mai vorigen Jahres die Aktion „Natur zurück in die Stadt“ mit Unterstützung der Stadt Rödermark ins Leben gerufen. Aus dieser Zeit stammt die Idee, diese Ecke des Breidertrings wieder in einen attraktiven Lebensraum für Insekten zu verwandeln.

Doch erst im Sommer 2020 fingen Doris Lerch, Harald und Elke Müller, Martin Glaser und Karlheinz Weber an, den Straßenrand zu bearbeiten. Erst haben sie gemäht, dann versucht, die Brombeersträucher samt ihrem wuchernden Wurzelstock herauszunehmen.

„Das war richtig harte Arbeit“, stöhnte Karlheinz Weber, doch es kam noch härter. Bei der Auflockerung des Bodens kamen die Hobbygärtner an ihre Grenzen. Ein Gartenbaubetrieb leistete mit schwerem Gerät und Manpower Unterstützung. Aus dem Erdreich wurden größere Steine, Bauschutt- und Müll gebuddelt.

Dann verpassten die Helfer dem Boden eine Diät. Schubkarrenweise haben sie Sand eingearbeitet und den Boden „abgemagert“, um ihn für die Aufnahme einer speziell zusammengestellten Samenmischung aus heimischen Wildstauden vorzubereiten. Die ist mittlerweile eingebracht und mit einer Motorwalze tief hineingedrückt worden.

Naturschützer beklagen den drastischen Rückgang von bis zu zwei Dritteln aller Insekten auf Grünflächen in der Stadt oder an ihrem Rand. Japanische Steingärten oder exotische Zierpflanzen sind vielleicht nett anzuschauen. Doch Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und andere Insekten finden dort kaum Nahrung. Breidert-Initiative und Nabu wollen das Artensterben mit so genanten Saumzonen bremsen. Und wo sich Insekten wohlfühlen, folgen bald auch die Vögel.

Sogar die Menschen profitieren von Schmetterlingssäumen und Blühstreifen, denn sie filtern Feinstaub aus der Luft – im besten Fall zehn Prozent. Karlheinz Weber und seine Mitstreiter hoffen deshalb auf Nachahmer in anderen Stadtvierteln. An Rat – und wenn möglich Tat – aus dem Breidert soll"s jedenfalls nicht scheitern.  (Michael Löw)

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