Als Reisen noch einfach war: Edith und Werner Popp sind Kreuzfahrer aus Passion

Rödermark: Die Erdkugel dreimal umrundet

Kapitän Boris Becker lud Edith und Werner Popp sogar auf die Kommandobrücke seines Schiffs ein.
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Kapitän Boris Becker lud Edith und Werner Popp sogar auf die Kommandobrücke seines Schiffs ein.

Ach, war das schön, als für einen tollen Urlaub noch die drei großen „Z“ reichten: Ziel, Zeit und Zaster. Für Edith und Werner Popp aus Rödermark-Urberach bedeutet toller Urlaub eins – auf Kreuzfahrt gehen. 2008 unternahmen sie ihre erste Schiffreise, 19 waren es bis zur Corona-Pandemie. „Wir haben 65 000 Seemeilen absolviert“, hat Werner Popp zusammengerechnet. Für alle Nicht-Nautiker: Das sind 120 380 Kilometer oder dreimal um den Äquator.

Rödermark - Werner Popp, den Vorsitzenden des KSV Urberach, zog es schon immer aufs Wasser. Den Main paddelte er vom Zusammenfluss des Roten und des Weißen Mains bis nach Frankfurt hinunter. Edith Popp wollte dagegen nie aufs Schiff, bis ihr Mann sie mit einer Fährüberfahrt von Amsterdam nach Newcastle anfütterte. Danach war kein weiteres Zuckerl mehr nötig, ihr gefiel‘s.

Die Jungfernfahrt führte in fünf Tagen von Istanbul nach Kreta. „Man zieht in seine Kabine ein und sieht was von der Welt, ohne die Koffer noch mal auspacken zu müssen“, schätzt Edith Popp den Komfort an Bord. 2013 hatten sie und ihr Mann drei Kreuzfahrten im Reisetagebuch stehen. 23 Tage durch die südostasiatischen Meere, etwas kürzer von New York durchs Bermuda-Dreieck nach Miamia und zu guter Letzt vom Hamburger Hafenfest durch den Ärmelkanal.

Die vorläufig letzte Kreuzfahrt unternahmen die Popps 2019 in der Ostsee. Der Urlaub 2020 sollte dann schon wieder eine Nummer größer sein: Die Route führte von Abu Dhabi durch den Suezkanal nach Mallorca. Aber da hatte sich das SARS-CoV2-Virus schon auf seine Reise um die Welt gemacht.

Natürlich trauern Edith und Werner Popp der verpassten Kreuzfahrt nach. Es wäre ja ihre 20. gewesen. Aber zum Glück haben sie jede Menge Fotos und Erinnerungen. Überraschend viele Landausflüge zählen sie dabei auf. Den in die thailändische Hauptstadt Bangkok zum Beispiel oder in die Ruinenstadt Petra tief in der Wüste Jordaniens. Als Werner Popp 70 wurde, luden ihn der Generalmanager des Aida-Schiffs und sein Chefkoch zu einer Privattour über den Fischmarkt von Muscat/Oman ein. Gemeinsam kauften sie Thunfisch – aber nicht fürs private Captain"s Dinner, sondern für das große Seafood-Büfett aller Passagiere.

Die Urberacher haben auch schon manche Aufregung durchgemacht. Einen Hurrikan in der Karibik knapp umschifft? Kreuzfahrer-Routine! Beim Ankern im Golf von Aden hörten die Passagiere mit Kabinen auf der Landseite nachts Schüsse. Morgens sahen Edith und Werner Popp, wie ein Hubschrauber ohne Kennzeichen über den Dampfer flog: Der Präsident des Jemen war vor Rebellen geflohen.

Ziemlich mulmig fühlten sich die Popps in der Straße von Malakka, denn die Meerenge zwischen Indonesien und Malaysia ist als Piratenschlupfwinkel berüchtigt. Plötzlich tauchte ein schnelles Boot neben ihrem Schiff auf. Die Männer an Deck hatten Maschinenpistolen umhängen. „Und unter der Plane lagen garantiert keine Fischernetze“, befürchtete Werner Popp größere Kaliber. Eine knappe Stunde beobachteten die Piraten den Kreuzfahrtriesen, bevor sie abdrehten. Die Crew hatte schon die Hochdruck-Wasserwerfer besetzt, mit denen Angreifer auf Distanz gehalten werden.

Spätestens beim nächsten Cocktail im Abendrot sind solche Beinahe-Überfälle allenfalls noch ein Gesprächsthema unter den Passagieren. Die vertrauen den Reedereien und ihren Besatzungen. Deshalb wollen Edith und Werner Popp die im April 2020 erstmals und im Spätherbst ein zweites Mal abgesagte Kreuzfahrt nun im Spätherbst 2021 angehen. Ihr Ziel ist die Karibik, denn es gäbe ein Doppeljubiläum zu feiern: Kreuzfahrt Nummer 20 und Hochzeitstag Nummer 50. (Michael Löw)

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