Erinnerungsstätte in Rödermark wird renoviert

Die Opfer nicht vergessen

Winfried Hitzel, Herbert Schneider vom Heimat- und Geschichtsverein Rödermark und Bürgermeister Jörg Rotter (von klinks) begutachten einen der geöffneten Schaukästen (Schneider und Rotter halten den Deckel hoch).
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Winfried Hitzel, Herbert Schneider vom Heimat- und Geschichtsverein Rödermark und Bürgermeister Jörg Rotter (von klinks) begutachten einen der geöffneten Schaukästen (Schneider und Rotter halten den Deckel hoch).

Der Heimat- und Geschichtsverein nimmt sich der verblassten Fotos von Weltkriegsopfern an. Sie hängen auf dem Friedhof in vier Schaukästen. Jetzt werden sie abfotografiert, digital nachgebessert und wieder aufgehängt.

Ober-Roden – Anton Zahn war er fröhlicher Bub, als Kriegswirren und kindliche Unbekümmertheit ihn am 26. November 1943 das Leben kosteten. Der Junge spielte mit Munition – die explodierte. An solche und andere Kriegsschicksale erinnern seit 1993 rund 250 Fotos in vier Schaukästen an der Wand der Friedhofshalle.

Die Bilder und Namenskärtchen tragen dazu bei, dass Ober-Röder Gefallene, Vermisste und Bombenopfer (auch unter Heimatvertriebenen) des zweiten Weltkriegs nicht vergessen werden. Doch der Zahn der Zeit nagt an der Erinnerungsstätte. Eindringende Feuchtigkeit und das UV-Licht beschädigen die Aufnahmen. Manche Personen sind nur noch schemenhaft zu erkennen. Der Aufgabe, diesen Gedenkort zu bewahren und auch in digitaler Form für die Nachwelt zu erhalten, haben sich nun Winfried Hitzel und Herbert Schneider vom Heimat- und Geschichtsverein Rödermark angenommen – finanziell unterstützt von der Stadt.

Die angeschlagenen Bilder zu retten, ohne die Kästen dafür beschädigen zu müssen, war die erste Hürde, vor der die ehrenamtlichen Heimatforscher standen. Die Schlüssel zu den Kästen mussten her – und zunächst wusste keiner, wo sie nach 28 Jahren geblieben sind. Doch zum Glück gibt es die langjährige Kulturamts-Mitarbeiterin Hannelore Jäger. Sie hatte die Schlüssel sicher verwahrt, hatte sie doch 1993 Anteil daran, Daten und Bilder zu erfassen.

In einem ersten Schritt werden jetzt die Schäden an Kästen und Aufnahmen erfasst und untersucht, um dann die Restaurierung zu beginnen. Herbert Schneider wird die Bilder abfotografieren und digital nachbessern. Hierbei ergibt sich die einmalige Gelegenheit, die Dokumente der Zeitgeschichte auch digital zu erfassen und zu katalogisieren. Die Aufnahmen ergänzen dabei die Bildersammlung von Urberacher Fotografien der Kriegstoten, die Herbert Schneider bereits vor etwa zehn Jahren digitalisiert hatte. Sie können im Töpfermuseum betrachtet werden.

Die Bedeutung der Fotokästen für die Erinnerungskultur betonte Bürgermeister Jörg Rotter jetzt bei einem Ortstermin mit dem Heimat- und Geschichtsverein. „Die Fotografien geben den Zahlen und Daten, hinter denen sich der Schrecken des Kriegs verbirgt, ein Gesicht und machen die Tragik der Kriegstage greifbar“, resümierte er beim Studieren der Namen und Bilder. „Die Kerzen und Gaben die unter den Kästen abgelegt werden, zeugen vom Andenken an die Opfer, das noch immer wachgehalten wird.“ Die Stadt wird dem Heimat- und Geschichtsverein bei der Aufarbeitung, Restaurierung und Erhaltung der Schaukästen zur Seite stehen. Erste Arbeiten beginnen in Kürze.

Winfried Hitzel und Herbert Schneider wenden sich im Zuge ihrer Rettungsaktion mit einem Aufruf an alle Ober-Röder Familien sich zu melden, sofern sie noch Original-Bildmaterial von Weltkriegsopfern haben. Denn: Das Wissen um die Opfer zu bewahren, wird von Jahr zu Jahr schwerer. Zeitzeugen, die sich noch der Namen und Gesichter der Abgebildeten erinnern können, sterben. Umso wichtiger ist es, diese Erinnerungsschätze auch für kommende Generationen zu sichern, betonen beide unisono. „Natürlich geben wir die geliehenen Fotos umgehend zurück, sobald wir sie erfasst haben.“

Die Gedenkstätte auf dem Friedhof hatte einst Adam Reisert vom Geschichtsverein gemeinsam mit dem damaligen Ersten Stadtrat Maurer sowie Kultur- und Sportsamtsleiter Wolfgang Hitzel in den frühen Neunziger Jahren initiiert. Reisert und sein Team, bestehend aus seiner Frau Anna, seiner Schwester Anna Keller und Schulfreundin Anna Jäger, hatten mit dem Standesamt Daten und Namen aus alten Kirchenbüchern und Gedenksteinen in aufwendiger Detailrecherche zusammengetragen.

Die passbildgroßen Bildchen waren aus zuvor gesammelten Fotografien, Postkarten und Sterbebildern von einem Rödermärker Fotostudio reproduziert worden. Im November 1993 waren die Kästen am Volkstrauertag feierlich enthüllt worden.

Kontakt, Winfried Hitzel, Tel. 06074 881325.

Von Bernhard Pelka

Die Fotos verblassen zusehends.

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