Einbrecher

Einbruch in Kulturhalle: Täter verursachen immensen Schaden

Allein im Regieraum der Kulturhalle haben die Einbrecher Schaden weit im fünfstelligen Bereich angerichtet. Das befürchten Bürgermeister Jörg Rotter und Technikchef Jörg Seitel.
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Rödermark: Allein im Regieraum der Kulturhalle haben die Einbrecher Schaden weit im fünfstelligen Bereich angerichtet. Das befürchten Bürgermeister Jörg Rotter und Technikchef Jörg Seitel.

Hauchdünn nur liegt der hellgraue Staub auf Beamern, Mischpulten, Stühlen und sogar auf Streben in sieben bis zehn Metern Höhe über dem ebenfalls verdreckten Boden der Kulturhalle Rödermark.

Rödermark - Die 100 000 Euro Einbruch-Schaden, die Bürgermeister Jörg Rotter nach einer ersten Besichtigung der Kulturhalle schätzte, sind zu wahrscheinlich niedrig gegriffen. Denn die feinen Kristalle aus den fünf Feuerlöschern, deren Inhalt die beiden Täter verspritzt hatten, sind in so ziemlich jeden Lüftungsschlitz der Klimaanlage und der Licht- und Tontechnik gedrungen.

Einbruch in Kulturhalle Rödermark: Viele Geräte müssen ersetzt werden

Ob die jeweils rund 24 000 Euro teuren Mischpulte gereinigt werden können oder durch neue Geräte ersetzt werden müssen, ist fraglich. Jörg Seitel, der Technikchef der Kulturhalle, hat sich bei Kollegen umgehört, in deren Häuser ebenfalls Einbrecher gewütet hatten oder die von Bränden betroffen waren. Nach deren Erfahrungen kann eine Reinigung nicht allen Staub beseitigen, viele Geräte mussten nach einer gewissen Zeit doch ersetzt werden.

Der Einbruch geschah in der Nacht von Freitag auf Samstag. (Wir hatten gestern darüber berichtet.) Eine Weiterschaltung der Brandmeldeanlage aufs Diensthandy hatte Kulturhallenmitarbeiter Ingo Weißmantel kurz nach vier Uhr aus dem Schlaf gerissen. Bei einem Rundgang entdeckte er die aufgebrochene Tür zum Bühneneingang und sah, dass das Foyer völlig vernebelt war. Umgehend alarmierte der die Polizei. „Er hat ebenso schnell wie besonnen reagiert“, lobte Bürgermeister Rotter den Kollegen, der kein Risiko eingegangen ist. Denn die Einbrecher waren noch im Gebäude. Sie müssen mindestens eine Stunde ihr Unwesen getrieben haben, bevor der Alarm Weißmantel und die Polizei auf den Plan rief.

Einbruch in Kulturhalle Rödermark: Großer Schaden

In dieser Zeit versprühten sie den Inhalt von fünf Feuerlöschern. Den größten Schaden richteten sie auf der Empore an. Dort verteilten sich die feinen Kristalle zum einen auf der teuren Technik des Regieraums. Von oben legte sich der Staub auf alles, was im Saal stand – unter anderem die Tische und Stühle, die für die Sitzung des Stadtparlaments heute Abend aufgestellt waren. Der Staub wirbelte sogar auf Träger und Lichttraversen hoch über dem Boden. Dort hängen mehrere Videobeamer – Stückpreis rund 5 000 Euro, Zukunft ungewiss.

Fast alle Stühle im Saal und auf der Empore müssen mit großem Aufwand gereinigt werden.

In dieser Höhe muss eine Spezialfirma zur Reinigung ran. Die normale Putzkolonne, die gestern Morgen das Foyer zumindest provisorisch säuberte, kann da oben jedenfalls nicht arbeiten, sagt Rotter.

Noch offen ist nach Auskunft des Bürgermeisters, was mit der Klimaanlage geschieht. Niemand könne garantieren, ob selbst bei sorgfältigster Reinigung Staubreste zurückbleiben und später ins Publikum geblasen werden.

Einbruch in Kulturhalle Rödermark: Loch in Hintertür

Wie die Einbrecher das Loch in die Hintertür schlugen, ist noch nicht geklärt. Sie haben mit großer Wucht zugeschlagen. Seitel und sein Team brauchten mehr als eine Stunde, um das restliche Sicherheitsglas aus dem Rahmen zu entfernen. Dann erst wurde die Tür mit einer Holzplatte provisorisch verschlossen.

Die Polizei hat einen jungen Mann an Ort und Stelle festgenommen. Ein Komplize flüchtete offenbar Richtung Bahnschranke und der Straße am Rosengarten. Dort stellte die Polizei eine grüne Warnweste mit der Leuchtschrift „Kulturhalle“ sicher. Was die Vermutung nahelegt, dass die Einbrecher betrunken oder bekifft waren. Dem zweiten Mann, der noch gesucht wird, könnte die eigene Tat zum Verhängnis werden. Denn im Staub fand die Polizei jede Menge deutlicher Fußabdrücke.

Die Täter haben deutliche Spuren hinterlassen.

Einbruch in Kulturhalle Rödermark: Kleine Beute

Die Beute stand wie so oft in solchen Fällen in keiner Relation zum Schaden. Ein Laptop und ein I-Pad, beides auch für Laien als nicht unbedingt aktuelle Modelle erkennbar, standen auf der Bühne zum Abtransport bereit. Die konnte Jörg Seitel gestern unbeschädigt wieder in städtischen Besitz nehmen – ein mehr als schwacher Trost.

Ebenfalls ein Trost, der niemandem hilft: Wegen der Corona-Pandemie fallen sowieso noch wochenlang alle publikumsträchtigen Veranstaltungen aus. Der Verwaltungstrakt blieb unbeschädigt. (Michael Löw)

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