Das Geld reicht bei Weitem nicht

Wahrzeichen in Gefahr: Dem „Rodgaudom“ droht der Verfall

Die zwischen 1894 und 1896 gebaute St. Nazarius-Kirche ist vergleichsweise jung. Trotzdem muss sie aufwendig saniert werden.
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Rödermark: Die zwischen 1894 und 1896 gebaute St. Nazarius-Kirche ist vergleichsweise jung. Trotzdem muss sie aufwendig saniert werden.

Die Kirchengemeinde in Rödermark schlägt Alarm: „Rödermarks Wahrzeichen ist bedroht!“ Pfarrer Elmar Jung und der Verwaltungsrat befürchten Sanierungskosten von bis zu zwei Millionen Euro.

Rödermark – Der „Rodgaudom“ ist neben der Einhardbasilika in Seligenstadt eines der größten Gotteshäuser der Region und muss dringend saniert werden. Sturmschäden, Regen und die Zeit setzen der Pfarrkirche St. Nazarius seit Jahren zu. Die Gemeinde betreibt schon lange Flickwerk, aber jetzt ist eine Komplettsanierung des Daches unumgänglich. Ein Sachverständiger, so Verwaltungsrat Hans Kemmer, sieht langfristig die ganze Statik in Gefahr und spricht von „dringendem Handlungsbedarf“.

Durch das undichte Dach dringt Wasser in das Kirchenschiff ein und beschädigt große Teile der Außen- und Innenfassade. Sowohl der Sandstein außen als auch Teile des 38 Meter langen Innengewölbes sind stark durchnässt, Putz blättert ab.

Die ursprünglich mit roten, blauen, grünen und grauen Ziegeln gedeckte Dach wurde 1957 mit Kunstschiefer erneuert und in den vergangenen Jahren immer wieder notdürftig geflickt. Vergebens: Die Holzkonstruktion des Dachstuhles ist durch Feuchtigkeit arg Mitleidenschaft gezogen. Die St. Nazarius-Organisten klagen schon geraume Zeit darüber, dass auf der Empore hinter der Orgel Wasser an den Wänden herunterläuft. Sogar überm Altar bröckelt der Putz.

Rödermark: Regen und Wind haben dem Dach des „Rodgaudoms“ über die Jahre hinweg arg zugesetzt.

Wahrzeichen von Rödermark in Gefahr: „Das Geld reicht bei Weitem nicht“

Nach ersten Schätzungen dürfte sie Sanierung mindestens 1,5 Millionen Euro, eher aber zwei Millionen Euro kosten. Sammlungen, Feste und Aktionen haben der St. Nazarius-Gemeinde einen ordentlichen Grundstock gebracht. Dieses Geld reicht aber bei Weitem nicht. Das Bistum Mainz hat Zuschüsse abgekündigt. Kurz vor Weihnachten erhielt Pfarrer Elmar Jung gute Nachrichten aus Berlin: Die Urberacher Bundestagsabgeordnete Patricia Lips teilte mit, dass der Haushaltsausschuss 500.000 Euro für die Kirchenrenovierung in Ober-Roden bewilligt hat. Unter bestimmten Voraussetzungen könne der Bund die Sanierung historisch wertvoller Bauten unterstützten, erläutert sie. Die engagierte Vorarbeit aller Beteiligten in der Gemeinde und im Bistum habe die Finanzhilfe beschleunigt.

Patricia Lips ist Fachfrau in doppelter Hinsicht: In der CDU-Fraktion ist sie für die Kulturfinanzierung verantwortlich. Und als Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark kennt sie sich mit alten Mauern bestens aus.

Rödermark (Kreis Offenbach): Die Schäden im „Rodgaudom“ werden immer dramatischer

Ob mit den Arbeiten noch 2021 begonnen werden kann, hängt davon ab, wie schnell Bund, Land und Bistum ihren Ankündigungen Taten folgen lassen. Mit einer Genehmigung der Zuschüsse rechnet der Verwaltungsrat bis Mai 2021. Gleichzeitig haben die Ober-Röder Katholiken eine „Taskforce“ gegründet, um Lösungen zur Deckung der Finanzlücke zu finden. Die Gruppe arbeitet mit Hochdruck, denn die Folgeschäden der undichten Dacheindeckung werden immer größer.

Rödermark: Regelrecht zerfressen hat eindringendes Wasser den Putz im Hauptschiff.

Der „Rodgaudom“ ist mehr als eine Stätte des Gebets. Sein markanter Turm macht ihn zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen für ganz Rödermark. Am vierten Wochenende im September 2021 wird der 125. Weihetag gefeiert. Doch just im Jubiläumsjahr ist dieses Wahrzeichen bedroht.

Der „Rodgaudom“ steht auf einem geschichtsträchtigen Gelände. Kirche und Hügel waren über die vergangenen Jahrzehnte immer wieder Ort archäologischer Grabungen im Zusammenhang mit dem Kloster „Rothaha“. Der frühere Landesarchäologe Professor Egon Schallmayer und seine Teams haben wertvolle Funde bis aus der karolingischen Zeit gesichert. (Michael Löw)

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