Erst ernst, dann beschwingt

Weihnachtskonzert zeigt die Vielfalt des „08er“-Blasorchesters

Egal, ob sanftes Schlagwerk oder wuchtiges Blech: Das Große Blasorchester des Musikvereins Viktoria 08 zeigte in allen Instrumentengruppen sein Können. 
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Egal, ob sanftes Schlagwerk oder wuchtiges Blech: Das Große Blasorchester des Musikvereins Viktoria 08 zeigte in allen Instrumentengruppen sein Können. 

Der Musikverein Viktoria 08 weiß beim Weihnachtskonzert in Ober-Roden zu überzeugen. 

Ober-Roden - Ruhige, leise Trommelwirbel eröffneten das 52. Weihnachtskonzert des Musikvereins Viktoria 08. Doch es blieb nur kurz so romantisch, dann schwoll das englische Lied „Pastime with Good Company“ zu einem wuchtigen Crescendo an und ermöglichte dem Großen Blasorchester zu zeigen, was alles in ihm steckt. Im ausverkauften Saal der Kulturhalle gab Dirigent Dieter Weis wieder den Takt vor.

Das Programm war zusätzlich zur musikalischen Reise durch europäische Länder – mit einem Schlenker nach Amerika – traditionell zweigeteilt: anspruchsvoll und ernsthaft, weitgehend sinfonisch beginnend, dann nach der Pause leichter und beschwingter.

Im ersten Teil zeigte sich das Können dieses Orchesters ganz offen. Die in Italien geschriebene dreiteilige Komposition „Leonardo“ zum 500. Geburtstag von Leonardo da Vinci endete fulminant und äußerst beeindruckend, gefolgt von der etwas ruhigeren Bearbeitung von „Braveheart“, in dem vor allem die Schlagwerke ihren großen Auftritt hatten.

Vor der Pause ging die Reise weiter nach Russland. Dort, so kommentierte Moderator Norbert Rink und verhalf damit den Zuhörern zu einem besseren Verständnis der Kompositionen, spielt das Musical „Anatevka“, auch als „Fiddler on the Roof“ zwischen dem Leben der Russen und der Juden vor Ort bekannt. Und genau so einen „Fiddler“ brachte den die „08er“ mit dem erst neunjährigen Henry Schallmayer auf die Bühne, der als „Uraufführung“ mit seiner Geige den kurzen Einstieg intonierte. Das Publikum feierte ihn begeistert. Doch auch dem Dirigenten Dieter Weis zuzuschauen, der sein Programm wirklich körperlich mit durchlebt, war wieder ein großes Vergnügen. Viele seiner Musikerinnen und Musiker bekamen im Laufe des Programms, das sich der geschichtlichen und kulturellen Vielfalt Europas widmete, ihre Solochancen. Aber im Mittelpunkt steht stets das gesamte Orchester.

Das änderte sich auch nicht im zweiten Teil, der mehr zur leichten Muse bis hin zum Rock reichte. Ähnlich wie im ersten Teil eröffnete die „Garden Party“, ein Stück der isländischen Jazz-Funk-Band „Mezzoforte“, erst sanft und leise, um sich umgehend ins Voluminöse zu steigern. Mit einem Zusammenschnitt von Titeln der irischen Band U2 wurde es rockig und melodiös zugleich, was noch eine Steigerung in den „Symphonic Highlights“ der Rockband Queen erlebte.

Überall bekannte Melodien in durchaus anspruchsvolle Kompositionen verpackt und trotzdem immer wieder erkennbar und zum Mitwippen geeignet: Die hohe musikalische Qualität des Orchesters war hier ebenso gefragt wie im ernsteren ersten Konzertteil. Aber natürlich fehlte der weihnachtliche Abschluss nicht: zunächst mit der Musik zum Broadway-Musical „Annie“ und einem damit verbundenen Abstecher nach New York, danach mit Weihnachtsliedern aus mehreren europäischen Ländern. Von der musikalischen Spange des Luther-Chorals „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ zusammengehalten und immer wieder vereint, ergaben sie ein schönes Bild für die Reise durch Europa, in dem auch Großbritannien noch seinen Platz hatte.

Nach dem großen Schlussapplaus wurde das Konzert schließlich bodenständig. Ein Medley der hierzulande bekanntesten Gesänge rund ums Christfest, verbunden mit den Texten im wie immer sehr ansprechenden und informativen Programmheft läutete wie seit vielen Jahren nach gut zweieinhalb Stunden endgültig das Fest der Liebe und des Friedens ein. Die Gäste nahmen dieses Geschenk gerne an und dankten dem Orchester und seinem Dirigenten mit nicht enden wollendem Applaus.   Von Christine Ziesecke

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