Diskussion um Entlastung der Rödermärker Hauptstraßen

Rödermark: Erste Hilfe für „Problemstraßen“

Wie groß ist die Lärmbelastung in der Rodaustraße? Die Stadt hat ein Gutachterbüro mit Messungen beauftragt.
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Rödermark: Wie groß ist die Lärmbelastung in der Rodaustraße? Die Stadt hat ein Gutachterbüro mit Messungen beauftragt.

Was hat sich in den vergangenen Wochen am dreigeteilten „Runden Tisch Verkehrsentlastung Rödermark“ getan? Die Erste Stadträtin Andrea Schülner zog jetzt eine Zwischenbilanz. Zumindest bei zwei von drei „Problemstraßen“ kommt Bewegung in die Sache. Aber manchen Anwohnern geht es bei der Entlastung vor ihren Haustüren zu langsam.

Rödermark - Der „Runde Tisch“ betrachtet die Verkehrsbelastung von drei Hauptstraßen in Rödermark aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mehrere Bürgerinitiativen fokussieren sich auf bestimmte Themen und Orte. Zusammen mit dem Bürgermeister und der Ersten Stadträtin, Vertretern der Fraktionen sowie Vertretern der Verwaltung und der Kreisverkehrsbehörde wird überlegt, welche Schritte in die Wege geleitet und welche Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden können. Diskutiert wird über die Rodaustraße in Urberach, den Bereich rund um die „Kipferl“-Kreuzung in Ober-Roden und und natürlich den Dauerbrenner Ortsdurchfahrt Urberach.

Stand der Dinge hier: Die Stadt lotet mit der Landesbehörde Hessen Mobil und den Nachbargemeinden die Chancen einer Ortsumgehung aus – bevorzugt über die K-L-Trasse Offenthal-Messel-Eppertshausen. Bürgermeister Jörg Rotter hat seine Kollegen Andreas Larem (Messel) und Carsten Helfmann (Eppertshausen) zum nächsten Arbeitstreffen eingeladen.

Die Rodaustraßen-Initiative hat bei einer Videokonferenz ihre Forderungen bekräftigt: eine feste Blitzeranlage, mehr Messungen mit dem mobilen Blitzer, Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer, Zebrastreifen oder Fußgängerampel, Sanierung der Fahrbahn mit Flüsterasphalt, Fahrradstreifen, Schallschutzdämmung der Unterführung. Als Sofortmaßnahmen forderte die BI, dass schadhafte Stellen der Rodaustraße ausgebessert werden und dass das „Smiley“-Messgerät dort aufgestellt wird.

„Der „Smiley“ wird wahrscheinlich ab Februar zum Einsatz kommen, für die Installation von Blitzern soll ein Konzept erstellt werden“, kündigte Verkehrsdezernentin Schülner an. Außerdem hat die Stadt ein Gutachterbüro mit Lärmmessungen beauftragt. Die sollen zu Zeiten mit „normalem“ Verkehr erfolgen, also nicht während des Lockdowns oder in den Ferien. Sobald die Untersuchung vorliegt und Überschreitungen festgestellt wurden, will und muss die Stadt das weitere Vorgehen mit dem Regierungspräsidium Darmstadt und anderen Behörden abstimmen. Sogar Busunternehmen sollen Stellung nehmen. „Linienbusse müssen die Fahrpläne einhalten. Da können selbst 500 Meter mit Tempo 30 zu Verzögerungen führen“, erläutert Stadträtin Schülner diese breite Beteiligung.

Noch viel komplizierter ist die Lage an der „Kipferl“-Kreuzung. Eine Bürgergruppe um Norbert Kern hat eine lange Forderungsliste aufgestellt: Lkw-Durchfahrtsverbot auf der L 3097, ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern, Sanierung des Fahrbahnbelags, Bau eines Kreisels, mehr Kontrollen. Neben einem Blitzerkonzept soll auch hier ein Gutachten Aufschluss geben: Wie hoch sind die Belastungen durch den Schwerlastverkehr? Wie stehen die Chancen für ein Lkw-Durchfahrtsverbot? Die Gutachter sollen schon in der nächsten Gruppensitzung im April Fragen beantworten. Wenn die Ingenieure die Situation untersucht haben, müssen auch hier die übergeordneten Behörden eingebunden werden. Jede Änderung betrifft außer Kommunal- und Landesstraßen nämlich auch Bundesstraßen, den Rödermarkring und die B 45.

Auf die will Norbert Kern die Lastwagen umleiten, die normalerweise an seinem Haus vorbeidonnern. Der Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung macht das seiner Ansicht nach möglich. Er erlaube einen Verkehrsversuch auf Probe.

Umleitungsempfehlungen für den Schwerlastverkehr über die B 45 sind in Nieder-Roden mittlerweile sogar schon angeordnet worden. Die Schilder werden so bald wie möglich aufgestellt. Doch in der Nachbarstadt sind nur Orts- und keine übergeordneten Straßen betroffen, weist Stadträtin Schülner auf einen wichtigen Unterschied hin.

Für Anwohner Kern und seine Nachbarn ist die Zwischenbilanz des „Runden Tisches“ unbefriedigend. Der Start des Lärmgutachtens nach dem Corona-Lockdown sei „ein erneuter Schlag ins Gesicht der Bürger“. Der Schwerverkehr sei während der Pandemie nicht weniger, sondern mehr geworden. Außerdem vermisst Kern konzeptionelle Maßnahmen wie künstliche Engstellen, mit denen andere Städte die Autos sogar an überörtlichen Straßen bremsen. (Michael Löw)

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