Traum von der eigenen Kita

Erzieher will privaten Kindergarten eröffnen

+
Locker lässt"s Maurice Kiefer angehen, wenn er daheim über seinem Businessplan brütet. Bei Verhandlungen sind Seriosität und Professionalität angesagt.

Rödermark - Maurice Kiefer hat einen höchst ehrgeizigen Plan. Der 27-jährige Erzieher in Diensten der Stadt Rödermark will in Rödermark einen privaten Kindergarten eröffnen. Von Michael Löw 

Die Eckdaten seines Projektes: Platz für 30 Drei- bis Sechsjährige, drei Vollzeit- und drei Teilzeit-Erzieher und Erzieherinnen, bis zu einer Million Euro fürs Gebäude. Damit das Ganze keine Luftnummer wird, arbeitet Kiefer mit einer professionellen Gründerberatung zusammen: „Der Businessplan ist so gut wie fertig.“. Maurice Kiefer hat 2008 seine Ausbildung zum Erzieher begonnen. Sein erstes Anerkennungsjahr leistete er in der Kita Amselstraße in Waldacker; dort arbeitet er auch, seit die Stadt ihn 2014 übernommen hat. „Meine Chefin hat mir viel Erfahrung mitgegeben“, lobt er Leiterin Ria Keller-Wettermann. Wenn sein Projekt Wirklichkeit wird, will Maurice Kiefer auch nicht im Streit aus städtischen Diensten scheiden. Er sucht eine neue Herausforderung: „Ich habe mir die Frage gestellt, bleibe ich die nächsten 20 oder 30 Jahre Erzieher oder will ich mehr?“ Entscheidungen zu treffen, sei auch eine schöne Sache.

Maurice Kiefer will die Betreuungszeiten stärker als die Stadt an den Bedürfnissen der Eltern orientieren. Montags möchte er seinen Kindergarten von 7 bis 19 Uhr öffnen, den Rest der Woche mindestens bis 17.30 oder 18 Uhr. Dann müssten Eltern, die in Frankfurt arbeiten, auf dem Heimweg vom Büro nicht hetzen. „Tiergestützte Pädagogik“ soll einer seiner Schwerpunkte sein. Hinter dem sperrigen Wortkonstrukt steht die Idee, Kinder und Eltern in die Verantwortung zu nehmen: Kaninchen müssen auch am Wochenende gefüttert werden, Hühner legen auch während der Ferien Eier. Die können nicht tagelang im Stall liegen bleiben.

Kontakt zur Natur will Maurice Kiefer den Kindern durch Waldbesuche und einem Garten, in dem sie Gemüse anbauen und ernten, vermitteln. Medienpädagogik ist der technische Gegenpol dazu. Hörbücher gehören nach Kiefers Ansicht ebenso in einen Kindergarten wie iPads und andere Mobilcomputer. Die will er als Lerninstrumente einsetzen und nicht nur zum Filme zeigen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Die schier unendliche Bürokratie, die auf einen Kindergartengründer zukommt, macht ihm nach zehn Jahren im Erzieherberuf keine Angst. Eine höhere Hürde ist die Suche nach einem Grundstück, auf dem Maurice Kiefer seinen Traumkindergarten bauen könnte. Realistischer ist aber der Umbau einer Lagerhalle oder einer Fabrik. Ein Wohnhaus kommt nicht in Frage, denn der Kreis schreibt eine Raumhöhe von 3,50 Metern vor.

Kiefers Businessplan sieht für den Idealfall Neubau Gründungs- und Investitionskosten von bis zu einer Million Euro vor. Ende Juli will er mit der Stadt über eine Förderung verhandeln. Ihm schwebt eine Unterstützung vor, die auch andere freie Träger erfahren haben. Darüber hinaus will er Geld der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und von anderen Förderbanken beantragen. Bleibt als weitere große Unbekannte das Personal. Sechs Voll- und Teilzeitkräfte wollen auf einem leer gefegten Stellenmarkt erst einmal gefunden sein. Maurice Kiefer weiß von seinem Job in der Amselstraße, wie schwer sich die Stadt tut. Seine Hoffnung: „Eine Vollzeitkraft soll bei mir nur 37 statt 39 Stunden pro Woche arbeiten.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare