Zehn Fahrer der Kolpingsfamilie Ober-Roden liefern 270 Portionen aus

Rödermark: Fastenessen bricht alle Rekorde

Durchaus freundliche Machtübernahme in der Küche des zur Zeit eher ruhenden Hotels „Lindenhof“: Kolping-Chefköchin Manuela Murmann und ihr Team nutzten zwei Tage unter Hygienebestimmungen die Restaurantküche und deren Nebenräume.
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Rödermark: Durchaus freundliche Machtübernahme in der Küche des zur Zeit eher ruhenden Hotels „Lindenhof“: Kolping-Chefköchin Manuela Murmann und ihr Team nutzten zwei Tage unter Hygienebestimmungen die Restaurantküche und deren Nebenräume.

Der Weg ins Forum St. Nazarius zum Kolping-Fastenessen ist für viele Menschen in „normalen“ Jahren liebe Gewohnheit. Im Schnitt waren es bisher 130 Portionen kräftige Lauch-Käse-Hackfleisch-Suppe oder aber Nudeln mit und ohne Soße, die vom Kochteam der Kolpingsfamilie an den Mann und die Frau gebracht wurden. Die Gäste genossen ein leckeres Mahl in netter Gesellschaft mit abschließendem Kaffee und Kuchen, mit dem man zudem Gutes tut – der Erlös kommt stets sozialen Einrichtungen zugute.

Rödermark - Wegen Corona organisierte die Kolpingsfamilie Ober-Roden ein Fastenessen „to go“ – sogar ins traute Heim geliefert. Dass diese Idee rund 300 Mitesser quer durch alle Altersgruppen auf den Plan rief, die allerdings nach 270 mangels Möglichkeiten eingegrenzt werden mussten, überraschte dann das ganze Team. „Vielleicht ist es bei manchen Bestellern die fehlende Schwellenangst, ins katholische Pfarrheim gehen zu müssen“, versucht Vorsitzender Markus Wehner die hohen Zahlen zu erklären.

Das hieß auf alle Fälle Ranklotzen fürs Küchenteam unter der bewährten Leitung von Manuela Murmann. Und das war auch nur möglich, weil Stefanie Gotta vom „Lindenhof“ ihre Räume und ihren Hof für die hygienegerechte Vorbereitung zur Verfügung stellte. 60 Kilogramm Kartoffeln wurden allein am Samstag von Monika Gebauer, Sandra Jäger, Manuela Murmann, Tanja Seybold, Kai Müller und Günter Ullmann, geschält und fürs traditionelle Kartoffelgemüs‘ vorbereitet. Uschi Müller hat 270 Muffins gebacken, und Ehemann Gunter hat sie einzeln verpackt – als Nachtisch-Überraschung.

Jürgen Schott, gesundheitlich derzeit eher für Homeoffice als für die Küche geeignet, übernahm die logistische Vorbereitung: Zehn „Lieferdienstler“ bekamen genaue Listen mit ihren Fahrtrouten, mit Adressen, Namen, den abzuliefernden bestellten Mahlzeiten sowie den Beigaben wie etwa Muffins, Brötchen und sogar Handzettel mit Dank und Tischgebet eigens für diesen Anlass.

Dazu kam eine Bitte an die Empfänger: Das Geld abgezählt (oder gerne auch großzügig aufgerundet) abgepackt bereit zu halten, um eine wirklich kontaktfreie Übergabe zu ermöglichen. Und es klappte wie am Schnürchen; wohl jedes Fastenessen kam dank der schnellen Truppe und vielen Isolierbehältern noch heiß bei den Empfängern an. Maskenpflicht und geeignete Handschuhe waren selbstverständlich; Tragekörbe oder Klappboxen zur Übergabe brachten die Fahrer mit. Alle im Team waren zu guter Letzt erschöpft, aber glücklich – wird mit dem Erlös doch die Fraternität Rödermark unterstützt, die sonst kaum Zuwendungen für ihre wichtige Arbeit bekommt.

Kolpingsvorsitzender Markus Wehner fasst die letzten zwölf Monate zusammen: „Wir haben die Zeit mit viel Kommunikation mit unseren rund 180 Mitgliedern zu überbrücken versucht. Wir haben uns in monatlichen Videokonferenzen mit dem Vorstand getroffen und haben Online-Stammtische angeboten – aber sie sind halt bei Weitem nicht so attraktiv wie ein Treffen beim Mortsche!“ Auch Schulungen zum Thema „Letzte Hilfe“ wurden online angeboten. Dank gut bewanderter Vorstandsmitglieder wie Sandra Jäger, die auch die Netzwerke betreut, gab"s viele Kontakte und tatsächlich vierteljährliche Programmvorschläge.

Aber gerade in der Kolpingsfamilie gibt’s viele Mitglieder aus der am meisten gefährdeten oberen Altersgruppe. Trotzdem kam es auch zur ganz persönlichen Besuchsaktion in der Zeit rund um Weihnachten – mit Geschenk und möglichst viel Zeit für Haustürgespräche. „Aber jetzt? Wir sind so unsicher. Können wir weitere Programmpunkte vorbereiten? Etwa den Kolpings-Familientag an Himmelfahrt im Freien im Schillerwald? Wir wissen es einfach nicht“, überlegt Wehner. Ebenso unsicher ist die Kolpingsjugend, die im Prinzip schon das nächste Zeltlager vorbereitet; das letztjährige musste ganz ausfallen; für diesen Sommer haben die jungen Teamleiter noch Hoffnung.

Natürlich steht da noch eine andere Frage im Raum: Wie kann die Kolpingsfamilie ohne die Einnahmen der letzten Monate annähernd überleben? Die Erlöse des Fastenessens kommen wie schon in den vergangenen Jahren vollständig der Fraternität zugute. Trotzdem sind alle Mitarbeiter an diesem Wochenende ausgesprochen positiv gestimmt, was sich bei Kai Müller schon allein in dem Satz ausdrückt, der ihm aus vollster Seele kommt: „Es tut schon alleine gut, heute die Kolpingsweste wieder einmal anzuhaben!“  (Christine Ziesecke)

Rödermark: Eine Station auf den Lieferweg von Gunter Müller: Das Ehepaar Franz wartete in der Odenwaldstraße schon auf das heiße Sonntagsmahl.

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