Senkrechtstarter der Fraktionen: Lars Hagenlocher (SPD)

Rödermark: Stadtverordneter, Flüchtlingshelfer und Firmenchef

Ober-Roden ist nicht der Nabel der Welt. Und das Breidert schon gar nicht. Aber Lars Hagenlocher findet's nach einem USA-Aufenthalt und dem Studium am Bodensee „spannend, sich mit 26 Jahren noch mal für die Heimatstadt zu entscheiden“. Spaziergänge im Feld machen seinen Kopf frei.
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Rödermark: Ober-Roden ist nicht der Nabel der Welt. Und das Breidert schon gar nicht. Aber Lars Hagenlocher findet es nach einem USA-Aufenthalt und dem Studium am Bodensee „spannend, sich mit 26 Jahren noch mal für die Heimatstadt zu entscheiden“. Spaziergänge im Feld machen seinen Kopf frei.

Lars Hagenlocher ist eloquent und normalerweise um keine Antwort verlegen. Die Frage, warum er bei der SPD und nicht wie viele Gleichaltrige bei den Grünen ist, lässt den 26-Jährigen aus Rödermark lange verstummen. „Ich wollte in eine Partei eintreten, in der das Soziale ganz vorne steht“, sagt er nach einer Minute Schweigen. Dann wird er jedoch sofort wieder der Mann der klaren Worte: „Die Grünen sind keine soziale Partei!“

Rödermark - Lars Hagenlocher spricht aus, was viele in der Republik denken: Die Baerbock-Habeck-Partei suggeriert, dass Autofahrer, Öl- und Gasheizungsbesitzer oder Fleischesser allein durch ihren Verzicht das Weltklima retten müssen. Er gehe keinem Streit aus dem Weg, lautet seine Maxime. Aber selbst scharfe inhaltliche Kontroversen dürfen für ihn nie ins Persönliche ausarten.

Lars Hagenlocher hat 2015 in Friedrichshafen das Studium Kommunikationswissenschaft, Kultur und Management begonnen und 2016 – in Konstanz auf der anderen Seite des Bodensees – noch eines der Philosophie und Geschichte draufgesetzt. Beides hat er abgeschlossen.

„Beruf Unternehmer“ stand auf den SPD-Listen für die Kommunalwahl. Lars Hagenlocher hat 2019 zusammen mit seinem Großvater Ernst Hartig einen Aufsichtsrat für die Firma Videor gegründet und ist seit 2020 dessen Vorsitzender. „Es war nicht mein Hauptziel“, räumt er ein. Doch das Ober-Röder Familienunternehmen mit rund 100 Beschäftigten musste neu strukturiert werden, weil sein Vater Jürgen Hagenlocher vor zwei Jahren bei einem Bootsunfall ums Leben kam. Die mittlere Generation in der Spitze fehlt seither. Großvater und Enkel wollen Videor im Familienbesitz halten, das operative Geschäft aber einem angestellten Management überlassen.

Chef sein reicht Lars Hagenlocher nicht aus. Es sei schlimm, dass in Deutschland Jahr für Jahr 50 000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Ab September arbeitet er für „Teach First“ – eine Organisation, die Lehrer an Schulen in einem sozial herausfordenden Umfeld schickt. Sein Einsatzort: eine Realschule in einem Mannheimer Problemviertel.

Politisch geprägt haben ihn zwei Dinge. 2018 arbeitete Lars Hagenlocher zwei Monate in einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos. „Zwischen den Zelten habe ich mit Kindern gespielt, die im Dreck und ihrer eigenen Scheiße leben“, schildert er eine Realität, die das Fernsehen nur selten zeigt. Damit habe er noch einigermaßen umgehen können. Dann kam das, was unter Flüchtlingshelfern eigentlich ein Tabu ist, nämlich das Persönliche. „Ich habe einen Mann aus Syrien gefragt ,Wo ist Ihre Frau?" und bekam ,Zusammen mit unserer ältesten Tochter hingerichtet." zur Antwort. Das hat etwas in und mit mir gemacht.“ Zumal er Samos nur als Urlaubsparadies seiner Familie kennt, in dem er schon als Säugling schöne Ferien erlebte.

Lars Hagenlochers Eintritt in die SPD war weniger dramatisch. Wie viele andere Friedrichshafener demonstrierte er 2017 gegen die AfD. Im Wahlkreis der Spitzenkandidatin Alice Weidel kam die Rechtsaußen-Partei in einigen Bezirken auf 20 Prozent. Die SPD sei zwar tagespolitisch nicht immer seine Partei. Aber sie stehe für Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit: „Das sind Werte, an die ich glaube und für die eine Partei kämpfen muss!“

Zurück in Ober-Roden wurde Hagenlocher automatisch Mitglied des SPD-Stadtverbandes Rödermark. Dessen Vorsitzender Hidir Karademir suchte im Herbst 2020 Kandidaten. Lars Hagenlocher rechnete damit, die Liste von unten aufzufüllen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde fand er sich auf Platz vier wieder. Name und Beruf waren sicherlich nicht unschuldig daran.

Warum tust du dir das an? wird der Jung-Politiker immer wieder gefragt. Seine Antwort ist Hagenlocher-typisch: „Die SPD Rödermark erfüllt mich mit trotzigem Stolz. Es ist verdammt wichtig, dass hier Leute Kommunalpolitik machen, die für diese Stadt brennen!“ (Michael Löw)

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