Sanierung soll 2,6 Millionen Euro kosten

Frische Innenhaut für den Wasserspeicher

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Kostbares Lebensmittel Wasser: Blick in einen Reinwasserbehälter im Wasserwerk Hergershausen.

Rödermark – Zum 1. Januar hat der Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG) die Gebühren fürs Trinkwasser erhöht. Die Einnahmen aus dem Wasserverkauf fließen größtenteils in die Instandhaltung des Leitungsnetzes und der Speicher. Von Bernhard Pelka

Aktuell hat die Sanierung des Hochbehälters auf der Bulau begonnen. Er lagert in seinen zwei Kammern 10.000 Kubikmeter des kostbaren Lebensmittels.
Die Baustelle mitten im Wald ist nicht zu übersehen. Ein großer Kran erhebt sich unweit dem Trimmdichpfad über dem mächtigen Speicher. Dessen von Gras bewachsenes Dachgewölbe ist so groß wie die Kuppel eines Doms. Vor 16 Jahren war die Innenbeschichtung der zwei Hauptkammern und der Vorkammer zuletzt saniert worden. Jetzt ist sie wieder verwittert. 2003 war lediglich eine neue Dünnschicht aufgetragen worden. Diesmal steht eine grundhafte Instandsetzung an. Bedeutet: Alles Alte muss raus. Dann wird aus Spezialbeton eine komplett neue Innenhaut geformt. Sie hat eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren.

Arbeiten ziehen sich jahrelang hin

Die ganze Aktion wird bei laufendem Betrieb abgewickelt. Die Kunden des ZVG brauchen schließlich rund um die Uhr Wasser. Die Baufirma wird deshalb nur in Jahreszeiten aktiv, in denen die Bürger relativ wenig Wasser brauchen. Deshalb könnten sich die Arbeiten bis zu drei Jahre hinziehen. Die Kosten sollen am Ende 2,6 Millionen Euro nicht übersteigen.

Parade der Filter: In der Aufbereitungshalle durchläuft das Wasser große Filtertanks.

Der Zweckverband versorgt mit seinem Wasserwerk in Hergershausen 136.000 Einwohner, darunter die Rödermärker. Sie beziehen im Jahr 1,25 Millionen Kubikmeter. Der Speicher auf der Bulau dient dem statischen Druckausgleich im Leitungsnetz und ist Reserve bei Spitzenabnahmen. Der ZVG verfügt über zwei solche Großspeicher und über einige kleinere. Sie halten mit knapp 28.000 Kubikmetern deutlich mehr als einen kompletten Tagesbedarf von durchschnittlich knapp 21.000 Kubikmeter vor.

Typische Spitzenzeiten sind zum Beispiel die Halbzeitpausen wichtiger Fußballspiele bei der Weltmeisterschaft. Etwa das Finale. „Dann gehen 80 Prozent der Bevölkerung zur Toilette“, erläutert der Technische Betriebsleiter Wolfram Wittwer. Oder das Frühjahr, wenn in den Gärten die frisch gesetzten Pflanzen regelmäßig gegossen werden müssen.

Extremsommer heizte den Verbrauch an

Eine Ausnahme bildete der vergangene Extrem-Sommer. Während in herkömmlichen Jahren die Spitzenzeiten mit der höchsten Abnahmemenge meist im Frühjahr lagen, ging es vergangenen Sommer monatelang rund. Bis zu 34.000 Liter Trinkwasser mussten täglich gefördert werden. Dieser Wert liegt deutlich über den Daten eines Testlaufs vor zehn Jahren, als die Pumpen des Wasserwerks nach einer energetischen Optimierung unter Volllast zeigen sollten, was sie drauf haben. „Damals kamen wir auf maximal 28.000 Kubikmeter.“ Die Tropen-Sommer 2018 hat das Wasserwerk also über eine Leistungsgrenze hinaus belastet, die bisher nie ausgereizt worden war. „Wir müssen sehen, wie wir uns künftig an den Klimawandel besser anpassen können“, blickt der Kaufmännische Betriebsleiter Dietmar Birkenfeld in die Zukunft. Ein großes Thema wird sein, geeignetes Personal für das Wasserwerk zu finden. Es gibt schon heute zu wenig Bewerber für die dort angebotenen Berufe.

Ohne uns läuft nichts: Arbeiten bei den Wasserwerken

Wohin fließen die Einnahmen aus den Gebühren noch? 1179 Kilometer Leitungen müssen fit gehalten werden. Darunter sind viele Problemfälle wie etwa die Rohre in Rollwald, die überwiegend aus Faserzement bestehen. Der reagiert sehr sensibel auf Druckschwankungen. Auch platzen solche Rohre im Fall der Fälle gleich auf mehreren Metern – und Straßen sacken ab. Bei Gussrohren hingegen bildet sich bei Korrosion lediglich ein vergleichsweise kleines Loch, das mit einer Rohrbruchschelle verschlossen werden kann. Kritisch sind auch Kunstsoffrohre. Deren Weichmacher verflüchtigen sich mit der Zeit. Dasselbe gilt für den Kleber, der die Muffen verschließt. Dann sind Rohrplatzer und Undichtigkeiten die Folge. Ausgaben verursacht auch die Erneuerung alter Hausanschlüsse. Das zahlt der ZVG entgegen den Gepflogenheiten anderer Wasserversorger aus seiner Gebührenkasse.

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