Erinnerung an Woodstock

Jubiläum: Alternatives Zentrum feiert 40. Geburtstag 

Love, Peace und Regenschirme: Was für die Akteure des „Häfner Open“-Festivals im Herzen von Urberach zur Choreografie gehörte....

Das Alternative Zentrum feiert seinen 40. Geburtstag und schenkt den Rödermärkern Erinnerungen an das Woodstock-Festival vor 50 Jahren. 

Urberach – „Auf den Schlamm haben wir verzichtet, seht es uns nach!“ Lothar Rickert, Chef des Alternativen Zentrums, machte gleich zu Beginn des Spektakels, auf dem Häfnerplatz klar, auf was die Besucher des Woodstock-Revivals verzichten müssen. Doch sonst kam „Häfner Open“ dem Original ziemlich nahe.

Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem legendären Gewitterkonzert in Woodstock regnete es am Samstagabend unterschiedlich stark, aber fast pausenlos bis auf die letzte Stunde, doch das störte niemanden. Selbst beim Einstieg mit der unnachahmlichen Stimme und den Gitarrenriffs von Steve Scondo, der den legendären Richie Havens von einst vertrat, war der Häfnerplatz schon locker gefüllt. Spätestens als die ersten Takte der „Love & Peace Revue“ von der Bühne kamen und ein kraftvolles „Freedom to Urberach, freedom to Orwisch!“ durch die Luft toste, waren die Menschen infiziert.

Die Revue erfüllte viele Wünsche. Die bekanntesten Woodstock-Evergreens kamen alle, und sie kamen dank hochwertiger Solisten wirklich erstklassig herüber. Allein die Vorstellung, dass die 15-köpfige Truppe am Vorabend noch im Brunnenhof der Münchner Residenz die Massen begeistert hatte, brachte etwas Gänsehaut. Für einige von ihnen wie etwa dem Gitarristen Ali Neander oder Leadsänger Peter Osterwold war"s ein Konzert vor der eigenen Haustür.

Peter Osterwold war es auch, der vor rund einem dreiviertel Jahr die Kontakte geschaffen und ohne lange Diskussion die Revue mit Lothar Rickert festgemacht hatte. „Es ist uns klar“, erklärte Rickert, „dass wir im Jahr unseres 40. Geburtstags finanziell weit über unsere Grenzen gehen. Aber das muss mal erlaubt sein! Im nächsten Jahr, nach dem großen Abschlussevent gemeinsam mit der Stadt Rödermark, dem ‚Glanz auf dem Vulkan‘ am 16. Januar, können wir dann etwas sparen.“

Die klingende Erinnerung an Woodstock war jedenfalls für alle Zuhörer ein Erlebnis, das es dank einiger Sponsoren auch noch ganz kostenfrei gab. Und auch die Versorgung mit Speis und Trank war – dem Deutsch-türkischen Freundschaftsverein und anderen Rödermärker Vereinen sei Dank – problemlos und die Wartezeiten durchaus im Rahmen. Das passende Woodstock-Outfit war für die Revuetruppe (die auf dieser Mini-Bühne bei ihrer umfangreichen Choreografie wirklich ihr Bestes gab) selbstverständlich. Bei den Zuhörern wäre in dieser Hinsicht noch etwas Luft nach oben gewesen, aber Hippie- und Flower Power-Gefühle kamen sogar im eher sachlichen Urberach auf.

„Es war, als hätte der Himmel die Erde berührt“, so schilderte am Samstagabend im „Wort zum Sonntag“ eine Pfarrerin jene drei Tage in den USA, in denen fast eine halbe Million Menschen ihre ungeheure Sehnsucht nach einer besseren Welt offenbart hatten.

Ganz so „staatstragend“ war nun Klein-Woodstock in Urberach sicher nicht, aber es war eine ähnlich entspannte Stimmung, die sich schon um 18 Uhr mit den ersten Gitarrenklängen und leider nicht den letzten Regenfällen ausbreitete. Tatsächlich waren alle Besucher freundlich und rücksichtsvoll. Jeder rückte beiseite, wenn in der großen Enge des späten Abends ein Zuhörer den Platz wechseln wollte. Handys gab"s zu Hauf, doch sie wurden, wie es schien, ausschließlich zum Fotografieren und Filmen genutzt; niemand starrte ins Display.

Der süßliche Duft einiger Joints lag über dem Platz, hielt sich aber in Grenzen. Die Freundlichkeit der Festivalbesucher war jedenfalls ungewöhnlich hoch – Menschen kamen ins lockere Gespräch, die sich sonst kaum wahrnehmen. Fünf Stunden schöne Utopie – vielleicht lässt sich ein wenig davon in die nächsten Wochen retten.

Von Christine Ziesecke

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