Renaturierung der Rodau

FDP fürchtet ums liebe Steuergeld

Ober-Roden - „Rein ideologische Parkplatzvernichtung“, „Verschwendung von Steuergeldern“: Die FDP fährt in einer Pressemitteilung schwere verbale Geschütze auf gegen die Renaturierung der Rodau an der Rilkestraße.

Wie berichtet, schlägt Bürgermeister Roland Kern vor, dort das bebaute Grundstück Rilkestraße 19a zu kaufen, um etwa 60 bis 100 Meter Rodau aus ihrem Betonschacht holen zu können. Selbst wenn die Stadt von dem Grundstück wieder einen Teil an einen Bauträger verkauft und sofern Landeszuschüsse aus dem Projekt „Stadtumbau Hessen“ fließen, bleiben für dieses Projekt Hundertausende am Steuer- und Gebührenzahler hängen.

Aus Sicht der FDP „will sich hier jemand nach 14 Jahren im Bürgermeisteramt noch schnell ein bleibendes Denkmal setzen“, schreiben die Liberalen. Dies sei ein beispielloser Vorgang, der es bestimmt irgendwann in das Schwarzbuch des Deutschen Steuerzahlerbundes schaffen werde. „Das ist die wohl mit Abstand unsinnigste politische Vorlage, die ich in meiner Zeit als Stadtverordneter vorgelegt bekommen habe“, empört sich FDP-Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner. „Man kauft ein bebautes Grundstück für den Preis eines bebauten Grundstücks, reißt dann das dortige Einfamilienhaus mit guter Bausubstanz nieder, zahlt am Ende fast 1000 Euro pro Quadratmeter Boden, um dann auf 1000 Quadratmetern städtischem Grund die Rodau eine kleine Kurve machen zu lassen. Dabei vernichtet man ersatzlos etwa 20 Parkplätze, die an der Trinkbornschule sowie in der Ortsmittennähe sowieso sehr rar sind, und schaut von dem dann kleinen, naturnah gestalteten Stück der Rodau auf neue Doppelhauswände – unglaublich!“ Das Kosten-/Nutzenverhältnis sei „desaströs.“

Fraktionsvorsitzender Tobias Kruger spricht von einer „beispiellosen Verschwendung von Steuergeld“. Und rechnet vor: „400.000 Euro für den Bodenerwerb, dazu schätzen wir zusammen mindestens 200.000 Euro an Abrisskosten für den Betondeckel, an Wiederherstellungskosten für den Oberwiesenweg sowie Umgestaltungs- und Renaturierungskosten. Dazu noch 250.000 Euro Kosten wegen Parkplatzvernichtung (jeder Parkplatz stellt heutzutage einen Gegenwert von mindestens 10.000 Euro dar). Das sind am Ende geschätzt zusammen über 800.000 Euro an öffentlichen Steuergeldern, um aus vorhandenen 560 Quadratmeter öffentlicher Grünfläche dann knapp 1000 Quadratmeter neugestalteter Grünfläche zu machen.“ Das wäre die teuerste naturnahe Renaturierung aller Zeiten in Rödermark.

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Mit diesem Geld der Steuerzahler könne man die Rodau zwischen Rödermarkring und Donaustraße komplett renaturieren – inklusive Flächenkauf, was sowohl der Stadt als auch der Natur deutlich mehr bringen würde, argumentiert Kruger. „Wenn es wenigstens irgendetwas bringen würde“, legt Rüdiger Werner nach, der auch Nabu-Vorsitzender ist. An dieser Stelle werde durch die verdichtete Bebauung der heutigen Gartenflächen „nachher weniger Natur sein als heute“. Da von einer Verbesserung des Mikroklimas zu sprechen, sei dreist. Die FDP sei zwar generell für eine Renaturierung der Rodau, aber nicht an dieser Stelle und nicht um jeden Preis. (bp)

Rubriklistenbild: © dpa

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