Wohl der Bürger im Mittelpunkt

Gedanken über lebenswerte Stadt

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Städtebauarchitekt Michal Böhme stellte den Teilnehmern des Stadtspaziergangs zunächst den räumlichen Rahmen vor.

Ober-Roden - Wann werden ein Ort, ein Stadtteil, eine Stadt als besonders lebenswert und liebenswert empfunden? Wenn sie ein in sich geschlossenes Bild aufweisen und den Bürgern ein heimeliges und gerne genutztes Umfeld geben, wie viele Bürger bestätigen. Von Christine Ziesecke 

Den Wunsch nach einer geschlosseneren Gestaltung, die von den Bürgern mit entwickelt und getragen wird, hatte auch die Stadt Rödermark bei ihrer Bewerbung zur Städtebauförderung. Nun darf sie mit Geldern aus den millionenschweren Töpfen „Stadtumbau Hessen“ und „Zukunft Stadtgrün“ rechnen. Das Planungsbüro Rittmannsberger Architekten GmbH (Darmstadt) leitete nun den ersten Schritt der Bürgerbeteiligung ein. Rund 40 engagierte Bürger in vier Arbeitsgruppen besichtigten am Samstag mögliche Gestaltungsschwerpunkte und sammelten Ideen für Verbesserungen.

Spiel- und Grünflächen in Urberach-Nord, Grünflächen an der Rodau, die Altstadt Ober-Roden innerhalb des fränkischen Rundlings sowie das Areal zwischen Ober-Röder Rathaus und Kulturhalle wurden unter die Lupe genommen, danach kreative Ansätze gesammelt und vorgestellt. Sie fließen ins integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept ein, das bis Oktober einen Aufgabenkatalog für die kommenden Jahre präsentieren muss.

Von der Außentreppe der Kulturhalle aus betrachteten die Teilnehmer ihr Planungsgebiet zwischen Rathaus und Kulturhalle erst einmal von oben.

Im Arbeitskreis, der sich mit Ideen zu einem neuen Gesamtkonzept für das Gebiet zwischen Rathaus Ober-Roden und Kulturhalle beschäftigte, waren die Teilnehmer nicht nur nach ihrer eigenen Meinung gefragt, sondern bekamen auch Nutzergruppen zugeordnet. Sie konnten ihre Meinung aus der Sicht von Familien oder Jugendlichen, von Kunstinteressierten, von Gastronomen oder von Investoren vorbringen. Städtebauarchitekt Michael Böhme hinterfragte alle Sichtweisen: Warum wünschen Sie sich diese oder jene Veränderung? Wie glauben Sie sie zu erreichen? Was sagen die anderen Beteiligten dazu? Die Gedanken drehten sich um die drei Leitfragen, welche Qualität in dem Gebiet vorhanden ist und erhalten bleiben soll, was sich verändern und was an Neuem dazu kommen soll, um neue Qualitäten zu entwickeln.

Einhellig war etwa die Meinung der zwölf Teilnehmer am Projekt 1, dass der Platz vor der Kulturhalle unattraktiv bis abweisend sei, auch der nüchterne Bau selbst, doch die Ansätze zur Veränderung müssen im Machbaren bleiben. „Wir sollten uns auf die Sachen konzentrieren, bei denen die Stadt handlungsfähig ist. Gastronomie ist da, Wasser ist da, aber keinerlei Flair“, stellte Ottmar Zeizinger, der Koordinator der Arbeitsgruppe „Natürlich leben in Rödermark“ der AL/Die Grünen, fest. Da stimmten alle Teilnehmer zu. Für ein großes Konzept ist der Platz zu klein, doch es darf gern „größer“ gedacht werden. Das benachbarte alte Feuerwehrhaus steht schon lange im Spannungsbogen zwischen Nutzung und Abriss. Dass der Schlauchturm derzeit als Kletterturm dient, spricht gegen den Abriss.

Nicht als vollkommen gelungen, doch als sehr viel heimeliger wird der Platz am „Knochen“ vor dem Rathaus empfunden. Hier herrscht Grün statt Beton vor, eine mögliche Basis für ein Gesamtkonzept, in das auch das alte „Jägerhaus“ und der Komplex Volksbank bis hin zum derzeitigen KiR-Kunsthaus gedanklich einbezogen werden könnten. Der Wunsch fast aller Teilnehmer: eine gut zugängliche Gastronomie, möglichst mit Außenbereich, würde das Gelände sehr aufwerten.

Bilder: „Orwischer Woigass“ in Rödermark

Eine Verbindung zwischen Kulturhalle und Rathauplatz wird derzeit vom dazwischen liegenden Hort erschwert. „Wir brauchen hier aber kein Potpourri verschiedener Plätze, sondern ein auch optisch möglichst durchgehend verknüpftes und möglichst grünes Areal“, fasste Michael Böhme zusammen.

Dafür ist ein neues Verkehrskonzept wünschenswert: von einem generellen Einbahnstraßenverkehr über eine ausschließliche Zufahrt zur Tiefgarage der Kulturhalle und einer sonstigen weitgehenden Verkehrssperrung bis hin zu einer verbreiterten und damit auch besser erkennbaren Zufahrt zum Platz zwischen Feuerwehr und Kulturhalle – möglich durch einen Abriss eines der Eckhäuser. Dies ist etwa beim KiR-Haus durchaus vorstellbar, auch wenn dessen Gartenareal das liebenswerte Herzstück ist. Darüber waren sich alle einig: So lebens- und liebenswert natürlich wünschte man sich mehr zwischen Rathaus und Kulturhalle.

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