Test des ACE

Urberacher Grundschule: Elterntaxis gefährden Straßenverkehr - und ihre eigenen Kinder

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m Rödermarker Stadtteil Urberach gefährden Elterntaxis vor der Grundschule den Straßenverkehr. Und ihre eigenen Kinder.

Im Rödermarker Stadtteil Urberach gefährden Elterntaxis vor der Grundschule den Straßenverkehr. Und ihre eigenen Kinder.

Rödermark - Vor der Schule an den Linden herrscht gestern Morgen um halb acht die gewohnte Hektik. Kinder laufen oder rollern aus allen Richtungen zum Eingang, Autos halten an und setzen Kinder ab. Und dieses gefahrenträchtige Gewusel haben Volker Schork, Günter Knoll und zwei weitere Mitarbeiter der Autoclubs Europa (ACE) im Blick: Diskret auf 100 Meter verteilt, stehen sie am Rand der Töpferstraße und führen Strichlisten.

Dass sie inkognito arbeiten, hat seinen Grund. „Wenn Eltern uns in ACE-Westen sehen, wird das gleich über WhatsApp-Gruppen verbreitet. Und dann ist die Straße plötzlich leer“, berichtet Schork. In Zivil bekommen sie einen realistischen Eindruck von der Verkehrssituation.

Gestern zählten die ACE-Leute von 7.15 bis 8.15 Uhr die Verstöße von Elterntaxis: 44. Drei Autos standen im Halteverbot, 15 vor Einfahrten oder mitten auf der Töpferstraße, 26 auf den Parkplätzen der – so früh am Morgen noch nicht geöffneten – Arztpraxis. Wer sein Auto von dort rückwärts auf die Fahrbahn manövriert, gefährdet Kinder. Die haarsträubendste Situation: Ein vielleicht acht oder neun Jahre altes Mädchen winkte Papas Kleinbus zurück in den stockenden Bringverkehr.

Urberacher Grundschule: "Ein Wunder, dass noch kein Kind überfahren wurde"

„Es ist ein Wunder, dass hier noch kein Kind überfahren wurde“, meinte ein Nachbar. Andrea Schöps, die Rektorin der Schule an den Linden, kennt zwar etliche brenzlige Situationen. Doch Unfälle hat es ihres Wissens nach in den vergangenen Jahren nicht gegeben – zum Glück.

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Eltern argumentieren dem ACE gegenüber mit der vermeintlichen Sicherheit, die der Schultransport mit dem Auto bringt. Doch das setzt nach Ansicht von Volker Schork eine Kettenreaktion in Gang: Denn je größer die Zahl der Autos vor einer Schule ist, desto höher ist das Unfallrisiko. Und damit haben die Eltern wieder einen Grund, ihr Kind ins Auto zu setzen.

Der stets kutschierte Nachwuchs lernt bei so viel Komfort jedoch keine Verkehrskompetenz, und gesundheitsfördernde Bewegung bleibt auf der Strecke.

Urberacher Grundschule: Elterntaxis gefährden ihre eigenen Kinder

Der ACE will Elterntaxis nicht pauschal verteufeln. Manche Eltern hätten keine Alternative zum Auto. Die Frage ist nur: Wie dicht dürfen sie an die Schule fahren? Rektorin Schöps bringt den Urberacher Festplatz als Sammelstation ins Gespräch. Doch der ist – je nach Tempo – bis zu zehn Minuten von der Schule entfernt. Außerdem müssen die Kinder die B 486 überqueren. Elternlotsen müssten nach Ansicht der Schulleiterin die Fußgängerampeln an der Bundesstraße zusätzlich sichern.

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Die Freien Wähler greifen das Problem in einem Antrag auf, der am 3. September in der Stadtverordnetenversammlung beraten wird. Sie fordern vor allen drei Grundschulen zeitlich begrenzte Zufahrtsmöglichkeiten sowie einen Absetzplatz, der nicht unmittelbar im Gefahrenbereich liegt. Regelmäßige Kontrollen der Ordnungspolizei sollen die Einhaltung der neuen Verkehrsregeln garantieren.

Urberacher Grundschule: Den Schulweg sicherer machen

Bürgermeister Jorg Rotter wies gestern in der Magistratspressekonferenz auf eine Arbeitsgemeinschaft des Kreises hin. Die sucht überall nach Möglichkeiten, den Schulweg sicherer zu machen. Ihr Vorschlag für Urberach: An der Kreuzgasse, direkt neben der Pieta, gibt es zwei Parkplätze.

Aber das reicht nach Meinung von Bürgermeister Rotter nicht. Die Schule hat auch einen Zugang von der Pestalozzistraße aus. Doch gegen dessen Öffnung sperrt sich das Schulamt: Jedes zusätzliche offene Tor sei ein Sicherheitsrisiko.

Unabhängig von den Absetzplätzen plädiert der ACE dafür, das bunte – rechtlich aber unverbindliche – Blumengemälde auf der Töpferstraße durch eine Aufpflasterung oder einen erhöhten Zebrastreifen zu ersetzen: „Das zeigt den Eltern, dass sie bremsen müssen!“

VonMichael Löw

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