Freundschaftsfest auf der Bulau

Gut gelaunte Begegnung der Kulturen

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Afghanische Männer tanzen vor ihrem Pavillon beim Freundschaftsfest des Netzwerks für Flüchtlinge in Rödermark auf der Bulau.

Urberach - Eine fröhlich lachende und prächtig gekleidete Flüchtlingsfamilie am Eingang des Bulaugeländes, direkt dahinter eine ruhe- und würdevoll gehandhabte äthiopische Kaffeezeremonie für alle Gäste: Wer beim Freundschaftsfest des Netzwerks für Flüchtlinge (NFR) schon so begrüßt wurde, konnte nur gute Laune haben und Kontaktfreude entwickeln. Von Christine Ziesecke

Ganz bewusst ohne großes Programm lief das Freundschaftsfest auf der Bulau ab. Es sollte genügend Raum und Zeit für ein vertiefendes Miteinander aller Beteiligten geben. Auf der Bühne gab es immer wieder ungeplante kleine Auftritte, von einer jungen pakistanischen Sängerin bis zu eher gesetzten Herren, die bei ihrem extrem fremdländisch anmutenden Gesang zahllose kleine Kinder zu ihren Füßen sitzen hatten. Kinder hatten es eh am einfachsten: Sie hatten stets alle Hände voll zu tun dank Mitarbeitern der Jugendarbeit und außerdem keinerlei Kontaktprobleme.

Andere Künstler verlegten die Bühne einfach vor ihre Stände und Pavillons, wie etwa eine Gruppe junger Afghanen in ihrer Heimattracht: Zwei oder drei fingen zu tanzen an und im Nu wurde eine ganze Gruppe daraus. Eine wachsende Anzahl an Zuschauern begleitete sie mit rhythmischem Klatschen.

Viel Zeit für Gespräche zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen bietet das Freundschaftsfest.

Mit den buntesten und duftendsten Kostproben aus der somalischen, eritreischen, syrischen, pakistanischen und irakischen Küche auf ihren Tellern freuten sich die Umstehenden über die Tänzer und kamen darüber ins Gespräch. Natürlich war auch Deutschland vertreten: mit einem ausgiebigen Kuchenbüfett, das von Streuselkuchen bis Donauwelle und von Obstboden bis Schwarzwälder Kirschtorte alles präsentierte, was hierzulande auf dem Kaffeetisch üblich ist.

Nach dem Regen während des Aufbaus zum Fest hatte das Organisationsteam Schlimmeres befürchtet, doch das Wetter spielte wunderbar mit. Große Hoffnung setzte Brigitte Speidel-Frey, die Vorsitzende des Netzwerks, mit ihren vielen Helfern auf die Kontaktbörse. An diesem Stand können sich Menschen melden und vielleicht schon gezielt finden, die Flüchtlingen weiterhelfen möchten – mit Sprachangeboten, Ausflügen, bürokratischer Unterstützung und vielem mehr. Das war der dringende Wunsch des ersten World-Cafés, bei dem vor Kurzem in der Kelterscheune Menschen aus allen in Rödermark lebenden Nationen sowie Einheimische zusammengebracht und deren Bedürfnisse aufgelistet wurden. Ideen zur besseren Aufnahme der Flüchtlinge hier gibt es viele, weiß das NFR-Team, doch nun heißt es die passenden Helfer zu finden.

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„Wir hoffen so sehr, dass sich hier weitere Menschen finden, die eine Patenschaft für Flüchtlinge oder für gezielte Aufgaben übernehmen“, wünscht sich die Vorsitzende. Wie liebenswert bunt und offen diese Menschen sind, davon konnte sich jeder bei der unkomplizierten und friedlichen Spätsommerstimmung auf dem Platz zwischen einem schier babylonischen Sprachengewirr überzeugen.

Kleines Schmankerl am Rande: Ein Kameramann des japanischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens begleitete den Nachmittag mit Aufnahmen und Interviews. Er begleitete einen derzeit erfolgreichen Karatesportler vom Karatestützpunkt Lotus in Eppertshausen und nahm die Gelegenheit wahr, sich bei Brigitte Speidel-Frey und dem NFR auch über das Zusammenleben mit Flüchtlingen zu erkundigen, etwa rund um das Schwerpunktthema Jobsuche. (chz)

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