Stau

Tunnelträume platzen: Gutachten schließt Auto-Unterführung aus

Die Schranken – und damit die Staus – in der Dieburger Straße werden Autofahrern und Anwohnern weiter auf die Nerven gehen.
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Rödermark: Die Schranken – und damit die Staus – in der Dieburger Straße werden Autofahrern und Anwohnern weiter auf die Nerven gehen.

In Rödermark im Kreis Offenbach staut sich der Verkehr. Dem Plan, diesen mit einer Bahnunterführung zu entlasten, wurde jetzt ein Dämpfer versetzt.

Rödermark – Vor der Schranke in der Dieburger Straße in Rödermark werden sich die Autos noch lange stauen. Verkehrsplaner Klaus Freudl hat mehrere Varianten einer auch für Busse oder Lkw tauglichen Unterführung des Bahnübergangs geprüft und vom Bau abgeraten. Seiner Ansicht nach kann ein Schlupf für Fahrradfahrer und Fußgänger die Situation der schwächeren Verkehrsteilnehmer ein ordentliches Stück weit entschärfen. Freudl hatte seine Machbarkeitsstudie im Bauausschuss vorgestellt.

Planer Freudl hat vier Möglichkeiten einer Bahnunterführung in Rödermark, die auch Linienbusse oder Feuerwehrautos passieren können, durchgespielt: direkt in der Dieburger Straße, zwischen Babenhäuser und Gartenstraße, südlich der Kulturhalle und im Norden der Gartenstraße. Gegen jede große Lösung führt Freudl eine ganze Reihe von Argumenten ins Feld. So würden zum Beispiel der Rosengarten, die Hermann-Ehlers-Straße und die Zufahrt zur Kulturhalle abgehängt.

Rödermark: Eine Bahnunterführung auf der Dieburger Straße wäre 155 Meter lang gewesen und hätte ein Dutzend Grundstücke abgehängt.

Gravierende Folgen für Anwohner: Verkehrspläne in Rödermark im Kreis Offenbach

Was für den Verkehr vielleicht noch vertretbar gewesen wäre, hätte für die Anwohner gravierende Folgen. Wenn die Gleise in der Dieburger Straße unterquert werden, ist ein 155 Meter langes Bauwerk nötig. Dann sind zwölf Grundstücke nicht mehr erreichbar. Die Stadt müsste sie ihren Besitzern abkaufen und die Häuser abreißen. Freudl spricht von einer „gravierenden Zäsur“. Andere Unterführungen würden Autos auf Nebenstraßen locken und Wohngebiete belasten.

Der nichtmotorisierte Verkehr an der Schranke macht laut Gutachten rund 20 Prozent aus, ein vergleichsweise hoher Anteil. Auch deshalb hat Freudl vier Fußgänger- und Radler-Unterführungen auf ihre Machbarkeit geprüft: zwei in der Gartenstraße und zwei südlich beziehungsweise südöstlich der Kulturhalle. Der Experte favorisiert einen Schlupf von der Babenhäuser zur Gartenstraße – quasi der kleine Bruder der verworfenen Auto-Unterführung an gleicher Stelle. Dieses Bauwerk hätte kurze Rampen, was die Kosten niedrig hält, wäre gut an das Netz der Seitenstraßen angebunden und würde nur auf städtischen Grundstücken stehen. Freudls Fazit: „Aus verkehrlicher Sicht wird von einer Kfz-Unterführung im Zuge der Dieburger Straße abgeraten; empfohlen wird eine Unterführung für Fußgänger- und Radverkehr im Zuge der Babenhäuser Straße zur Verbesserung der Nahmobilität.“

Rödermark: Ebenfalls ohne Realisierungs-Chance: die Unterführung weiter östlich von der Babenhäuser in die Gartenstraße.

Verkehrsentlastung in Rödermark (Offenbach): Tunnel wird auf sieben Millionen Euro geschätzt

Die Kosten einer autotauglichen Unterführung beziffert Freudl in einer Grob-Schätzung mit knapp sieben Millionen Euro, davon 3,75 Millionen Euro für die eigentliche Baumaßnahme. Für „nicht absehbare Faktoren“, darunter den Grunderwerb, kalkuliert er 750 000 Euro ein. Wie die Stadt davon zwölf Häuser mitten im Ort kaufen soll, lässt er offen. Ein Schlupf würde zwischen 900 000 und einer Million Euro kosten.

Um Anwohner und Autofahrer zu entlasten, soll die Stadt weiter Druck machen, um die Schranken-Schließzeiten zu verkürzen. (Michael Löw)

Auch an anderer Stelle staut sich der Frust über den Verkehr in Rödermark im Kreis Offenbach.

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