Kultursommer wird starkes Gemeinschaftsprojekt

Rödermark: Mit Vollgas aus der Corona-Krise

Neustart mit ganz viel Schmackes: Lothar Rickert (AZ), Albert Böttner („Dinjerhof“-Freunde), Regisseur Oliver Nedelmann und Sylvia Altenberg (Jazzclub, von links) wollen bis August mehr als 80 Veranstaltungen stemmen. Bürgermeister Jörg Rotter (Mitte) ist froh, dass Rödermarks Kulturinitiativen die Pandemie so gut überstanden haben.
+
Rödermark: Lothar Rickert (AZ), Albert Böttner („Dinjerhof“-Freunde), Regisseur Oliver Nedelmann und Sylvia Altenberg (Jazzclub, von links) wollen bis August mehr als 80 Veranstaltungen stemmen. Bürgermeister Jörg Rotter (Mitte) ist froh, dass Rödermarks Kulturinitiativen die Pandemie so gut überstanden haben.

Die lange Zeit der Absagen und Verschiebungen ist vorbei. Vier Kulturinitiativen tun sich zusammen und bringen unter dem Motto „Ins Freie“ über 80 Theater- und Kleinkunstvorstellungen, Konzerte und Lesungen auf Rödermarks Open Air-Bühnen. Finanzielle Hilfe des Landes macht"s möglich.

Rödermark – 15 Monate Corona und diverse Lockdowns haben die lokalen Kulturmacher bös gebeutelt. Aber die ließen sich von ausgefallen Veranstaltungen und finanziellen Verlusten nicht unterkriegen, sondern wagen angesichts sinkender Infektionszahlen einen fulminanten Neuanfang: Innerhalb der nächsten drei Monate stehen gut 80 Vorstellungen auf dem Programm von Alternativem Zentrum (AZ), Jazzclub, Theater & nedelmann und „Dinjerhof“.

„Das wird das größte Kulturfestival, das Rödermark je gesehen hat“, verteilte Bürgermeister Jörg Rotter gestern bei der Vorstellung der Reihe kräftig Vorschusslorbeeren und freute sich: „Wir profitieren als Kommune davon, ohne selbst etwas beizusteuern.“ Vielleicht eine Anspielung an das Doppelspektakel „Kultur ohne Grenzen“ 2019, das die Stadt mitfinanziert hatte.

Zwei Jahre später darf sie nicht einmal ein paar Euro dazugeben. Denn das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sichert den Kultursommer Rödermark aus zwei Töpfen mit rund 45 000 Euro ab – und verbietet eine Doppelfinanzierung durch weitere Partner.

Der Urberacher Theatermacher Oliver Nedelmann hatte im Februar erfahren, dass die Landesregierung freie Veranstalter und Kulturschaffende auffordert, Ideen für Freiluftveranstaltungen zu entwickeln. Das ließen sich die vier Rödermärker Initiativen nicht zweimal sagen und sprühten vor Ideen, was man alles machen und wen man alles einladen kann.

Oliver Nedelmann nahm den Kampf gegen die langsame Kulturbürokratie auf und erhielt Anfang der Woche die offizielle Zusage. Dank guter Beziehungen wusste er zum Glück schon etwas eher bescheid, dass die Sache läuft, und konnte planen.

Zu sehen sind ab 4. Juni einige überregional bekannte Solisten und Gruppen. Vor allem aber soll das Festival Künstlern aus Rödermark und der Region Auftrittsmöglichkeiten schaffen. Und auch Honorare, sogar Ausfallhonorare, falls eine Veranstaltung abgesagt werden muss und nicht verschoben werden kann. Für einige Künstler ist es der erste Auftritt seit einem Jahr.

Aber weil Corona grenzüberschreitende Reisen immer noch schwierig macht, ersetzt der Jazzclub amerikanische Musiker durch deutsche Kollegen, sagt Sylvia Altenberg. Sie will vor allem Künstler engagieren, denen sie voriges Jahr Absagen erteilen musste.

Die Viren fliegen trotz sinkender Infektionszahlen. Daher finden die mehr als 80 Veranstaltungen – Musik unterschiedlichster Stilrichtungen, Kabarett, Zauberkunst, Theater für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Lesungen und Ausstellungen – draußen statt: im „Dinjerhof“ in Ober-Roden, im Garten der Familie Oberfranz und vorm Wohnzimmertheater in Urberach sowie beim Angelsportverein in Waldacker.

Die Locations haben sich schon im ersten Corona-Sommer bewährt. Das AZ hatte das Grundstück von Birte und Dieter Oberfranz voriges Jahr zur Spielstätte gemacht. Musik und Kabarett zogen nicht nur viele, sondern – sehr zur Freude von Lothar Rickert – auch spendenfreudige Zuschauer an.

Die „Dinjerhof“-Freunde treten nicht als Veranstalter in Erscheinung. Albert Böttner versprach seinen Mitstreitern logistische Hilfe, Personal und technische Ausstattung.

Die Veranstalter hoffen, dass der Kultursommer-Rödermark wie geplant über die Bühne(n) gehen kann, aber natürlich sind angesichts von Wetter und Corona Programmänderungen möglich. Deswegen fordern sie mit einem Augenzwinkern alle auf, immer schön aufzuessen, damit es schönes Wetter gib. Und brav die Corona-Regeln einzuhalten, damit die Inzidenz weiter sinkt. » kultursommer-rödermark.de (Michael Löw)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare