Gravierende Unterschiede

Steuer-Zoff: Grundsteuer – Gleiche Größe aber doppelt so teuer

Große Unterschiede gibt es bei den Häusern und Grundstücken Am Karnweg auf den ersten Blick nicht. Doch mancher Immobilienbesitzer zahlt fast doppelt soviel Grundsteuer B wie Nachbarn, die nahezu gleich gebaut haben.
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Rödermark: Große Unterschiede gibt es bei den Häusern und Grundstücken Am Karnweg auf den ersten Blick nicht. Doch mancher Immobilienbesitzer zahlt fast doppelt soviel Grundsteuer wie Nachbarn, die nahezu gleich gebaut haben.

Ärger macht sich in Rödermark bei Offenbach breit: Häuser und Grundstücke sind fast identisch, die Eigentümer müssen bei der Steuer aber unterschiedlich tief in die Tasche greifen.

Rödermark – 548,41 Euro, 585,44 Euro, 607,31 Euro und dann 1 174,67 Euro: Die größte Summe steht auf dem Grundsteuerbescheid von Christoph und Regine Gemein, die vor knapp zehn Jahren am Karnweg in Rödermark-Ober-Roden (Kreis Offenbach) gebaut haben – keine Luxusvilla, sondern ein Reihenendhaus.

In dem kleinen Wohngebiet neben dem Germania-Sportplatz versteht man sich. Und so kam’s, dass die Gemeins sich mit ihren Nachbarn über die Grundsteuer B unterhielten. Also die Steuer, die die Stadt von Eigentümern oder Mietern bebauter Grundstücke verlangt.

Schreck bei Plausch über Gartenzaun: Grundsteuer in Rödermark bei Offenbach weicht stark ab

„Ich konnte kaum glauben, was ich da hörte. Alle meine Nachbarn, die vor mir gebaut haben, zahlen nur die Hälfte an Grundsteuer wie wir“, bekam Christoph Gemein beim Plausch von Gartenzaun zu Gartenzaun einen ziemlichen Schreck. Denn die Grundstücke am Karnweg sind fast gleich groß, auch die Wohnfläche der sechs Nachbarhäuser weicht laut Christoph Gemein nicht sonderlich voneinander ab. Sogar das Haus, an das er gebaut hat, kostet deutlich weniger an Steuern.

Christoph Gemein zweifelt am Fiskus: „Ich war in Langen auf dem Finanzamt, ich war im Bürgerbüro. Keiner hilft!“

Steuer teilweise doppelt so hoch in Rödermark – Berechnung nach verschiedenen Faktoren

Die Grundsteuer B ist eine Kommunalsteuer. Ihre Höhe legt die Stadtverordnetenversammlung fest. Basis ist der einheitliche Messbetrag, den allerdings das Finanzamt festlegt. Dieser Einheitswert berücksichtigt Faktoren, die den Wert einer Immobilie erhöhen oder mindern, wie etwa Alter, Beschaffenheit, Lage und Ausstattung, erläutert eine Sprecherin der Oberfinanzdirektion Frankfurt auf Anfrage der „Offenbach Post“.

Sind Keller und/oder Dachgeschoss zum Wohnen ausgebaut? Wie werden Flächen unter Dachschrägen angerechnet? Das sind die gängigsten Fragen. Auch ein Swimmingpool im Garten kann der Steuersatz nach oben treiben.

Häuser sind fast gleich: Dennoch variiert in Rödermark (Kreis Offenbach) die Grundsteuer

Das alles ist Christoph Gemein bekannt. Doch er versichert: „Die Häuser sind fast gleich. „Natürlich gibt es kleine Unterschiede. Aber keine wirklich gravierenden, die eine doppelt so teure Steuer ausmachen.“

Der aktuelle Hebesatz in Rödermark bei Offenbach beträgt seit gut einem Jahr 715 Prozent. Bis dahin lag er bei 540 Prozent. Kämmerin Andrea Schülner kalkuliert für dieses Jahr mit Einnahmen von fast 7,6 Millionen Euro. Damit ist die Grundsteuer B nach der Gewerbesteuer (12,6 Millionen Euro) die zweitgrößte Einnahmequelle, über deren Höhe die Stadt selbst bestimmen kann.

Nachbarn bekommen in Rödermark völlig verschiedene Steuerbescheide

Die Familie Gemein und ihre Nachbarn am Karnweg werden wohl noch eine Weile mit völlig unterschiedlichen Steuerbescheiden leben müssen.

Allerdings muss die Grundsteuer nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 10. April 2018 neu geregelt werden. Die Richter verlangten, dass die über Jahrzehnte unveränderten Einheitswerte – sie gelten seit 1964 – ab 2025 neuen Bemessungsgrundlagen weichen müssen.

Kreis Offenbach: Neben der Quadratmeterzahl fließt bei der Grundsteuer auch die Lage ein

Die Hessische Landesregierung strebt laut Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) ein Modell an, in das neben der Quadratmeterzahl von Grundstück und Wohnfläche auch die Lage einfließt. „Auf ein Grundstück in guter Lage entfällt stets mehr Grundsteuer als auf ein identisches in mäßiger Lage“, sagt der Finanzminister. Die hessische Lösung sei deshalb gerecht, einfach und verständlich.

Vielleicht können Christoph und Regine Gemein die Rechnung der Stadt Rödermark (Kreis Offenbach) dann nachvollziehen. (Michael Löw)

Die Grundsteuer wurde im März vergangenen Jahres in Rödermark (Kreis Offenbach) rückwirkend von 540 auf 715 Prozentpunkte erhöht. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Nachforderung um einige Monate verschoben.

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