Vier Fraktionen schmettern SPD-Vorstoß zur Gebührenfreiheit in Kitas ab

Gratis-Betreuung verschärft Personalmangel

Rödermark – Rödermärker Eltern müssen auch künftig für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen. Ein SPD-Antrag zur vollständigen Gebührenbefreiung scheiterte im Parlament am „Nein“ aller übrigen Parteien.

Die Stadt erlässt ihnen nur jene sechs Stunden täglicher Kita-Zeit, die sie auch selbst vom Land erstattet bekommt.

Das heißt in Zahlen: Der Halbtagesplatz (7 bis 13 Uhr) ist seit Herbst 2018 kostenlos; davor hat er 115 Euro Monatsgebühr gekostet. Der Elternbeitrag für den Zweidrittelplatz (7 bis 15 Uhr) sank von 162 auf 60 Euro, der für den Ganztagsplatz von 209 auf 114 Euro. Das spart einer Familie rund 1 000 Euro pro Jahr, bei einer Stunde zusätzlicher Betreuung für die meisten Plätze.

Der SPD ist das nicht genug. Rödermark soll dem Beispiel von Nachbarkommunen wie Rodgau, Seligenstadt oder Heusenstamm folgen und Betreuung zum Nulltarif anbieten, forderte ihr Stadtverordneter Hidir Karademir. Kitas seien schließlich „keine Parkplätze für nervige Bälger“, sondern die erste Stufe der kindlichen Bildung und unabdingbar für die Chancengleichheit in der Schule.

Eine vollständige Gebührenbefreiung kostet die Stadt jährlich rund 600 000 Euro. Nach Ansicht Karademirs kann und muss die Stadt diese Summe stemmen: „Das sind gerade mal ein Prozent unseres Haushalts von 60 Millionen Euro.“

Doch dieses eine Prozent sei eben nicht finanzierbar, ohne anderswo streichen zu müssen. Brigitte Beldermann (AL) befürchtete Kürzungen beim Personal. Die Erste Stadträtin und Kämmerin Andrea Schülner forderte die SPD auf, ihr Finanzierungsvorschläge zu unterbreiten.

Wenn Betreuung nichts mehr kostet, buchen Eltern vielleicht Zeiten, die ihre Kinder gar nicht benötigen, sagte Ralph Hartung (CDU). Das überfordere die Stadt, bei der ohnehin Erzieherinnenstellen nicht besetzt sind.

Siegfried Kupczok von den Freien Wählern hält im Falle völliger Gebührenbefreiung eine zusätzliche Groß-Kita mit 100 Plätzen und bis zu 15 Personalplanstellen für unumgänglich. Diese Mehrbelastung ergebe sich, wenn 230 Halbtages- und 120 Zweidrittelplätze zu Ganztagsplätzen würden.

Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Tobias Kruger sind „Kita-Gebühren auch ein Stück Wertschätzung“. Zumal sie ohnehin nur 13 bis 14 Prozent der tatsächlichen Betreuungskosten decken. Seiner Ansicht nach sind vielen Eltern gute Betreuung und qualifiziertes Personal – so sie denn einen Platz für ihre Kinder finden – wichtiger als der Nulltarif.  lö

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare