Fotoausstellung und Theaterstück erinnern an Joe

Rödermark: Grüße in den Himmel geschickt

Joe immer im Blick: Peter Osterwold, Kerstin Pfau und Ali Neander von den Rodgau Monotones erinnerten bei der Vernissage der
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Rödermark: Joe immer im Blick: Peter Osterwold, Kerstin Pfau und Ali Neander von den Rodgau Monotones erinnerten bei der Vernissage der  der Fotoausstellung musikalisch an ihren ganz besonderen Konzertbegleiter. 

Joe, der Mann mit der schwarzen Franzenperücke, bleibt unvergessen. Eine Ausstellung in Rödermark mit beeindruckenden Fotos erinnert an Georg Sieber, der mitten unter uns und doch in einer ganz anderen Welt lebte.

Rödermark – Georg Sieber, in und um Rödermark eigentlich nur bekannt als Joe, hat jetzt – zweieinhalb Jahre nach seinem Tod – die große Bühne, die er sich im Leben so sehr gewünscht hatte. Im Garten des Nedelmann"schen Theaters lebt er weiter in ausdrucksstarken und bewegenden Fotos des Klingenberger Fotografen Thomas Klewar und in einfühlsamen Texten.

Klewar studierte von 1990 bis 1995 Kommunikationsdesign an der FH Darmstadt. In der Zeit hat er über zwei Jahre hinweg Joe betreut und viele dieser nahen Momente in ganz besonderen Fotos eingefangen – den Moment etwa, als Joe losgelöst von der Erde auf einer einsamen Landstraße einen Luftsprung macht, nachdem ihm Thomas Klewar einen Flug mit einer Cessna geschenkt hatte.

Joe Rollen spielend, Joe Luftgitarre spielend, Joe auf einem einzigen Bild ohne die markante schwarze Perücke: „Da hat er Phil Collins gespielt“, kommentiert der Fotograf. Eingerahmt werden diese intensiven Eindrücke von einem Lied der Rodgau Monotones über ihn und Texten von Klewars Studienkollegin Tina. Die hatte sie vor 27 Jahren geschrieben. Damals machte sie Joe zum Sujet einer Studienarbeit.

Urgesteine der Monotones – Peter Osterwold, Ali Neander und Kerstin Pfau – waren es auch, die den Abend viel umjubelt mit „Ei gude, wie?“ eröffneten. Als Oliver Nedelmann mit Perücke und Tuch im Haar sich mit der Luftgitarre dazugesellte, brandete riesiger Beifall im Publikum auf. Der steigerte sich noch, als er dann symbolisch auf seine Wolke stieg und sich aus dem Himmel an seine Heimat, seinen Garten und seine großen Konzerte erinnerte, mit seinem Manager über einen Auftritt von David Bowie telefonierte und an ein Treffen mit Helge Schneider dachte.

Dieser Ausschnitt aus „Joe“, dem neuen Theaterstück, machte großen Appetit auf mehr, zumal Oliver Nedelmann außerordentlich intensiv in die Rolle des Georg Sieber schlüpft – so wie er ihn sich vorstellt und von Dutzenden von Menschen erzählt bekommen hat.

Wohl jeder, der die Vernissage besuchte, hat ganz persönliche Erinnerungen an Joe und holte sie hier wieder aus der Versenkung. Ali Neander erzählte von seinem ersten Kontakt zu Joe mit etwa 13 Jahren bei einem Konzert im Bürgerhaus Nieder-Roden. Eindrucksvoll schilderte er auch ein sehr viel späteres Konzert in Dieburg, bei dem Joe selbstgemalte Plakate aufgehängt hatte und in Begleitung seiner Mutter kam, das Konzert im bekannten Joe-Stil begleitete und danach glücklich und zufrieden heimfuhr. Gefühlt war es ein Auftritt für ihn ganz persönlich gewesen.

Mit „Joe ey Joe, hörst du mich? Wir spielen grad ein Lied für dich...“, dem Lied, das die Monotones vor vielen Jahren schon für ihren „ganz besonderen Popstar“ geschrieben haben, endete der musikalische Teil der Vernissage, und viele Besucher waren sich sicher, Joes Freude und Stolz über diesen gelungenen Abend von oben herab verspürt zu haben. Erst recht, als der frühere Bürgermeister Roland Kern mit bewegenden Worten die Ausstellung eröffnete: „ Joe hat etwas Unglaubliches geleistet: Er hat uns zwei Jahre und neun Monate nach seinem Tod hier zusammengebracht. Niemand anderes hat das geschafft!“ Kern fasste das Leben des Joe treffend zusammen: „Seine Welt war immer etwas anders als unsere, obwohl wir die gleichen Dinge getan hatten.“ Georg Sieber wollte nie das sein, was er sein sollte, und hat den schönen Satz geschrieben: „Keiner soll mir meine Wirklichkeit nehmen!“ Die Ausstellung ist bis zum 15. Juli im Theaterhof, Ober-Rodener Straße 5a, zu sehen. Danach wandert sie nach Ober-Roden weiter.

Theater: Die Premiere von Oliver Nedelmanns Stück „Joe – ein Stück aus dem Himmel“ am 18. Juni ist zwar schon ausverkauft, aber weiter geht’s am 25. und 26. Juni, am 3., 4., 10. und 11. Juli. Die Vorstellungen beginnen um 20.30 Uhr im Hof des Theaters. Reservierung: www.theater-und-nedelmann.de (Christine Ziesecke)

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