Ist für die Krügers ein Umzug überhaupt noch zumutbar?

Gutachten verschafft Ehepaar in Rödermark ein bisschen Luft

Heide und Horst Krüger sollen nach fast 50 Jahren aus ihrer Wohnung heraus. Sie sehen sich dazu außer Stande.
+
Heide und Horst Krüger sollen nach fast 50 Jahren aus ihrer Wohnung heraus. Sie sehen sich dazu außer Stande.

Im Prozess um die Räumungsklage gegen ein betagtes Ehepaar aus Ober-Roden verschafft ein Beweisbeschluss des Amtsgerichts Langen den Senioren jetzt zunächst einmal Luft. Das Gericht hat verfügt, dass – vor einer weiteren Verhandlung – ein Gutachter die Frage klärt, ob den schwer kranken Eheleuten ein Umzug überhaupt zugemutet werden kann. Das bestätigt die Anwältin der Beklagten, Heidi Schellert.

Ober-Roden - Konkret geht es um Heide und Horst Krüger. Wie berichtet, hat ihr Vermieter ihnen nach fast 50 Jahren Mietdauer gekündigt und dann noch eine Räumungsklage nachgeschoben. Die Senioren haben seither versucht, eine neue Wohnung zu bekommen – ohne Erfolg. Die Verzweiflung in ihnen wächst von Tag zu Tag.

„Ob ich erleichtert bin? Ein bisschen schon“, sagte Heide Krüger gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Grundsätzlich frisst das Ganze aber an einem. Wir kommen nicht zur Ruhe.“ Dabei wären Ruhe und Erholung bitter nötig. Bis 2016/17 war das Ehepaar relativ mobil. Damals wäre ein Umzug vielleicht noch zu stemmen gewesen. Doch dann folgte ein gesundheitlicher Schlag nach dem anderen. Jetzt scheint der Zeitpunkt verpasst, an dem die Kraft noch gereicht hätte für einen Ortswechsel.

Horst Krüger betankte im Berufsleben am Flughafen die großen Jets. Familienfotos im Flur der Vierzimmerwohnung zeigen den früher leidenschaftlichen Motorradfahrer, wie er stolz an einer bulligen BMW steht. Heute kämpft er wegen Parkinson mit jedem Schritt. Ohne Hilfe geht nichts mehr – auch deshalb, weil der Rentner obendrein unter schwerer Demenz leidet. Auch seine Ehefrau ist auf den Rollstuhl angewiesen. Dass die Kräfte des Ehepaars schwinden, passt so gar nicht zu den Plänen, die der Vermieter für seine Immobile hat.

Beim jüngsten Gütetermin vorm Amtsgericht waren die Senioren trotz aller Widrigkeiten anwesend. Das kostete nicht nur viel Kraft, sondern auch jede Menge Geld: allein 170 Euro Krankentransport. „Das zahlt die Kasse nicht. Es war ja keine Fahrt zum Arzt“, erzählt Heide Krüger. Sie ist weiter auf der Suche nach einer bezahlbaren und behindertengerechten Wohnung. Im Blick hat sie aktuell eine Neubauwohnung. Vor einer Besichtigung muss der Tüv dort aber erst noch den Aufzug abnehmen.  (bp)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare