Gutachter hat für Kirchengemeinde St. Gallus keine guten Nachrichten

Pfarrer steigt der Kirche aufs Dach

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Pfarrer Klaus Gaebler (im Vordergrund) sah seine Kirche jetzt einmal aus einer ganz anderen Perspektive.

Urberach - Lothar Henzler, ein Sachverständiger für Kirchendächer, schaute sich die St. Gallus-Kirche von einem Steiger aus an, um die notwendigen Renovierungsarbeiten besser einschätzen zu können. Pfarrer Klaus Gaebler war zeitweise mit an Bord. Von Sascha Eyßen 

Henzler machte sich Notizen und fotografierte, um den Zustand des Daches zu dokumentieren. In der 1823 geweihten St. Gallus-Kirche gibt es an mehreren Stellen Renovierungsbedarf. Unter anderem macht das Dach Sorgen. Das nahm nun ein Experte genauer unter die Lupe. Wunsch der Gemeinde ist es, die Renovierungsarbeiten bis zum 200-jährigen Bestehen 2023 abzuschließen. Dass die Kirchenrenovierung ganz schön ins Geld gehen wird, dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst. Die Vorarbeiten haben aber auch ihre schönen Seiten. Pfarrer Klaus Gaebler, der den Termin unter dem Motto „Pfarrer steigt Kirche aufs Dach“ angekündigt hatte, lernte das Gotteshaus in dieser Woche aus einer neuen Perspektive kennen, die ihn sichtlich begeisterte. Mit einem sogenannten Steiger, der bis auf 33 Meter ausgefahren werden kann, ging es für Gaebler gemeinsam mit Lothar Henzler, einem Sachverständigen für Kirchendächer, auf Dachbefahrung.

Das Ganze war aber alles andere als eine gemütliche Panorama- und Fototour. Vielmehr konnte Henzler das Dach vom Steiger aus genau unter die Lupe nehmen. „Das ist nur so möglich“, erläuterte der anerkannte Experte, der sich fleißig Notizen machte und immer wieder fotografierte. Henzlers Erkenntnisse waren für Gaebler und die anwesenden Mitglieder des Verwaltungsrates der Gemeinde zwar nicht erfreulich, deckten sich aber auf den ersten Blick weitgehend mit ihren Befürchtungen.

Gutachter Lothar Henzler bei der Arbeit in luftiger Höhe.

Eine genaue Analyse erhalten die St. Gallus-Verantwortlichen in den nächsten Wochen. So viel verriet Henzler aber schon mal: Die Dächer vom Turm und den Seitenflügeln, die 1986 bei der letzten Renovierung erneuert wurden, seien noch gut in Schuss. Der Hauptaltar und seine beiden Seitenkapellen waren die Ur-Kirche und stehen heute unter Denkmalschutz. Erneuert werden müsse dagegen der Großteil des Daches des großen Anbaus aus dem Jahr 1955. Und das kostet. „Das ist zwar jetzt aus der Hüfte geschossen, aber 250.000 Euro netto dürften da in jedem Fall drauf gehen“, gab sich der Experte keinen Illusionen hin.

Dass eine Dachrenovierung notwendig ist, wird unter anderem dann deutlich, wenn es mal wieder rein regnet. Die Sanierung ist unter anderem deshalb wichtig, damit nicht irgendwann mal wegen Feuchtigkeit der Putz von der Decke bricht. Es werden in den kommenden Jahren weitere kostspielige Renovierungsarbeiten hinzu kommen. Die Feuchtigkeit kommt nämlich nicht nur durch das Dach, sondern auch aus dem Boden.

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Der Fußboden, der durch die Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde, muss ebenfalls saniert werden. Hoch sind auch die jährlichen Kosten der Elektroheizung. Die ist ein echter Stromfresser. Deshalb will man nach Alternativen Ausschau halten. Angedacht war, durch Glaswände eine Art „Kirche in der Kirche“ zu bauen, damit im Winter etwa bei Wochentagsgottesdiensten nur ein kleiner Teil des Gebäudes beheizt werden muss. Da macht aber wohl der Denkmalschutz nicht mit, ließ Pfarrer Gaebler durchblicken. Der Wunsch ist es, die Renovierung bis zum Kirchen-Jubiläum in fünf Jahren abzuschließen. „Wir wollen schauen, dass wir das voran bringen“, sagte Gaebler. Wohl wissend, dass eine komplette Umsetzung ein ambitioniertes Ziel ist. Eventuell sollen die Arbeiten in einzelne Projekte unterteilt werden.

Eine Spendenaktion für die Kirchenrenovierung ist bereits vor geraumer Zeit angelaufen. Die Spendenaktion der Gemeinde, die mit dem neuen Gemeindezentrum und der Kindergarten-Renovierung in den vergangenen Jahren weitere Großprojekte zu stemmen hatte, soll nicht nur Kirchenmitglieder ansprechen. Gaebler wünscht sich, dass vielleicht auch Menschen mitmachen, die mit der Kirche als Institution nicht allzu viel am Hut haben, „die Gallus-Kirche aber als Wahrzeichen von Urberach erhalten wollen“.

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