Joachim Salomon übernimmt mit knapp 50 die kreativ büro GmbH in Ober-Roden

Halbfinalist im hessischen Gründerwettbewerb

Nachfolger gefunden: Karin Heck und ihr Mann Günter haben ihre Firma an Joachim Salomon (rechts) verkauft. Der kam ins Halbfinale des Hessischen Gründerpreises. Foto: Löw

Ober-Roden – Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres hat’s ein Rödermärker Jungunternehmen ins Halbfinale des Hessischen Gründerpreises geschafft. Wobei das Wort „jung“ in doppelter Hinsicht erklärungsbedürftig ist. VON MICHAEL LÖW

Joachim Salomon ist 49 und sagt von sich: „Ich bin ein alter Gründer!“ Und die kreativ büro GmbH in der Albert-Einstein-Straße wurde bereits 1996 gegründet.

Was also hat es mit dem Landeswettbewerb auf sich? Der Gründerpreis wird in vier Kategorien vergeben, eine davon heißt „Zukunftsfähige Nachfolge“. Joachim Salomon hat die kreativ büro GmbH zum 1. Januar 2019 von Günter (68) und Karin (66) Heck gekauft. Die Hecks hatten sich schon seit 2016 Gedanken über ihre Nachfolge gemacht und immer wieder die Fühler ausgestreckt. Zugleich suchte der Kaufmann und Wirtschaftsingenieur Joachim Salomon einen Weg in die Selbstständigkeit. Ebenfalls seit 1996 war er leitender Angestellter im Vertrieb von Möbeln, zuletzt arbeitete er als Exportmanager für Schlafzimmermöbel. Der Ober-Röder Büroausstatter war das passende Geschäftsmodell.

Salomon und die Hecks fanden zusammen. Und merkten erst dabei, dass beide in Dietzenbach wohnen, nur 500 Meter voneinander entfernt. Kurz vor Weihnachten 2018 unterschrieben sie den Kaufvertrag beim Notar, seit 1. Januar ist Joachim Salomon Geschäftsführer.

In Deutschland stehen jedes Jahr fast 80 000 Unternehmen vor einer Nachfolgeregelung aus Altersgründen, hat die Internetplattform Mittelstands-Wiki ermittelt. Die Übergabe zum richtigen Zeitpunkt wird meist mehr oder weniger gut umgesetzt und ist in vielen Firmen ein Tabuthema.

Die kreativ büro GmbH hat sich auf die Planung, Gestaltung und Einrichtung von Arbeitsplätzen spezialisiert. Typische Kunden, so Salomon, sind Steuerberater oder Anwälte, die zehn Schreibtische samt den Möbeln drumherum bestellen. Aber der nicht mehr so junge Jungunternehmer hat auch schon 300 Arbeitsplätze bei einem Versicherungskonzern in Köln eingerichtet.

„Meine Frau hatte die Idee, dass ich mich für den Gründerpreis bewerbe“, berichtet Joachim Salomon. 150 Hessen taten es ihm gleich, jeweils zwölf erreichten das Halbfinale in den Kategorien „Innovative Geschäftsidee“, „Zukunftsfähige Nachfolge“, „Gesellschaftliche Entwicklung“ und „Gründung aus der Hochschule“.

Vom Alter einmal abgesehen, ist Joachim Salomon ein beinahe typischer Gründer. „Mir ist bei der Sichtung der Bewerbungen aufgefallen, dass sich 77 Existenzgründerinnen und -gründer aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis heraus selbstständig gemacht haben. Ich finde diesen hohen Anteil sehr spannend, solche Chancengründer entscheiden sich bewusst für diesen Schritt“, sagt Projektleiterin Elisabeth Neumann.

Beim Hessischen Gründerpreis zählen nicht nur reine Zahlen, sondern die Unternehmensgeschichte. Obwohl die Halbfinalisten durch ihren Mut zur Selbstständigkeit schon etwas Besonderes geleistet haben, gibt es doch immer die ganz besonderen Geschichten. So wie die von Abdul Hakim Khalily, Abdul Walid Shakib, Ahmad Rateb Amin, die als Flüchtlinge aus Syrien gekommen sind und mit ihrer 2018 gegründeten Reinigungsfirma mittlerweile zwölf Arbeitsplätze bieten. Das Halbfinale ist eine bunte Mischung von Geschäftsideen, von der mobilen Augenoptikerin über Designerschmuck aus Beton oder Bademode aus Recyclingmaterial bis hin zum Forscherteam für biotechnologische Arzneistoffe.

Außer der kreativ büro GmbH aus Ober-Roden haben aus dem Kreis Offenbach noch Gründer aus Hainburg, Obertshausen und Dreieich das Halbfinale erreicht.

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