Serie zur Wahl - Teil 2

Heimatverwurzelter Pragmatiker: Jörg Rotter tritt zur Bürgermeisterwahl an

Ohne Kaffee geht nichts: Gleich drei Maschinen zur Erzeugung koffeinhaltiger Heißgetränke warten in der Rotter’schen Küche auf ihren Einsatz. Foto: Löw

Eine Frau und zwei Männer wollen in gut einer Woche Bürgermeister werden. Die politischen Ziele von Andrea Schülner (AL), Jörg Rotter (CDU) und Dr. Karsten Falk (parteilos) waren in den vergangenen Wochen immer wieder Thema. Aber welche Sorte Mensch steckt in den Kandidaten, welchen Weg schlugen sie ein?

Ober-Roden – Der Klassenlehrer, ein Gewerkschafter und politisch eher links verortet, ist schuld. Schuld, dass Jörg Rotter am 24. März für die CDU bei Bürgermeisterwahl antritt. „Jörg, du kandidierst als Schulsprecher“, sagte Wolfgang Müller Anfang der Neunzigerjahre und drängte seinen Schüler ins Engagement. Heute, im Alter von 44 Jahren, formuliert’s Rotter so: „Er gab den Anstoß, dass ich in diese Stadtgesellschaft eingestiegen bin.“

Der Weg führte nicht schnurstracks in die Politik. Jörg Rotter war zunächst ein Jahr Gruppenleiter bei der Stadtranderholung der Ober-Röder St. Nazarius-Gemeinde. Dann warb ihn der Urberacher Pfarrer Dieter Bockholt, damals Rotters Religionslehrer, für die Bulaufreizeit ab. Berührungsängste mit dem anderen Stadtteil waren ihm schon als Jugendlicher fremd.

Dennoch kehrte er vier Jahre später nach Ober-Roden zurück und übernahm die Leitung der Stadtranderholung und später des Kolping-Zeltlagers. 1999 war er Vize-Chef an der Seite des heutigen Kolping-Vorsitzenden Markus Wehner. 2000 übernahm Rotter die Verantwortung alleine. „Das war ein legendäres Lager in Grünberg. 14 Tage nur Regen und Matsch“, denkt er an eine nasse Freizeit zurück.

Die Zeltlagerzeit hat Jörg Rotter geprägt. Er lernte Gemeinschaftssinn und Verantwortung. Und er traf Entscheidungen, die nicht immer auf Gegenliebe stießen. Begonnen haben zudem Freundschaften, die bis heute anhalten.

Vom sozialen zum politischen Engagement war’s nur ein kleiner Schritt. 1992, während seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, trat er in die Junge Union, ein Jahr später in die CDU ein. In der Nachwuchsorganisation stieg Rotter bis zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf.

Für die Partei zog Jörg Rotter 1997 in die Stadtverordnetenversammlung ein, mit 22 war einer der jüngsten Abgeordneten im Rödermark-Parlament. Fraktions- und Ausschussvorsitzender waren seine nächsten Stationen. 2013 wurde er zum Ersten Stadtrat gewählt und kündigte seinen Job als Sachgebietsleiter beim Wasserzweckverband Dieburg.

Lesen Sie dazu auch: Bürgermeisterwahl in Rödermark - Kandidaten und Ergebnisse

In diesen 22 Jahren hat sich die Debattenkultur rapide verschlechtert, bedauert Jörg Rotter. Er sagt’s mit der „Altersweisheit eines Mittvierzigers“ – wohl wissend, dass der Jung-Parlamentarier etliche scharfe Attacken ritt. Dem Angriff sei stets das versöhnliche Wort gefolgt, meint er im Rückblick. Seit ein paar Jahren werden seiner Meinung nach jedoch „Dinge behauptet, nur um den politischen Mitbewerber zu diskreditieren“. Und hinterher bekomme man zu hören: „So ist Politik!“

Diese Unart der Auseinandersetzung hat Langzeitwirkung. Jeder potenzielle Bewerber fürs Parlament – egal aus welcher Partei – werde es sich angesichts dieses Klimas zweimal überlegen, ob er bei einer Kommunalwahl auf die Liste geht.

Archivbilder zur letzten Wahl

Bilder zur Bürgermeisterwahl in Rödermark

Jörg Rotter nennt sich „heimatverwurzelt“: in Ober-Roden aufgewachsen, in den Kindergarten und in die Schule gegangen, 1993 an der damaligen Rodgauschule die Mittlere Reife gemacht, Mitglied in gut einem Dutzend Vereine – das allerdings stadtteilübergreifend. Er war Fastnachtsprinz und tanzt seither in der Prinzlichen Hofgarde der Turngemeinde Ober-Roden, trat dieses Jahr die Nachfolge von Major Peter Müller an.

Kommunikativ und zupackend – diese Eigenschaften reklamiert Rotter für sich und schiebt hinterher: „Ich bin weniger der Philosoph.“ Gemeint ist damit Bürgermeister Roland Kern, den er schon 2017 beerben wollte. Eine schwere Krankheit im Frühsommer 2016 bedeutete den Karriereknick. Alle möglichen Spekulationen und Gerüchte machten die Runde. Erst im vorigen Sommer versicherten die Ärzte: „Ihre Krankenakte ist geschlossen.“

Die Krankheit war für Jörg Rotter „Tiefschlag und Bewährungsprobe zugleich“. Sie überstanden zu haben, sei auch Verdienst seiner Familie – Frau Sabrina, Sohn Johannes (heute sieben) und Tochter Anna (heute fünf). „Aber die Krankheit hat meinen Blick geschärft für Freundschaft und die wirklich wichtigen Dinge im Leben“, zieht Rotter eine positive Bilanz schlimmer Monate.

Porträtreihe zur Bürgermeisterwahl

Wir haben uns entschieden, die Kandidaten alphabetisch geordnet vorzustellen. Dr. Karsten Falk machte gestern den Anfang, morgen folgt Andrea Schülner. Die Porträts erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Von Michael Löw

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