Madegassin wird Altenpflegerin

Helferin aus Afrikas Armenhaus

Normalerweise sind die Mitarbeiterinnen im freiwilligen sozialen Dienst vor allem mit dem Auffüllen der Gebrauchsmaterialien und der Wäsche, mit Getränkeausteilen und der Begleitung von Bewohnern zu Andachten beschäftigt. Doch auf Wunsch wie bei Onu Harumalala Andrianiaina können sie auch in der Pflege wertvolle Erfahrungen sammeln.

Ober-Roden - Eine junge Frau aus Madagaskar leistet im Haus Morija ihren freiwilligen sozialen Dienst. Die Arbeit im Heim ist für Onu Harumalala Andrianiaina eine völlig neue Welt. Denn in ihrer Heimat, einem bitterarmen Land, ist Alten- und Krankenpflege Familiensache. Von Christine Ziesecke 

Wenn junge Menschen sich nach der Schulzeit, ehe sie sich mit einer Berufsausbildung festlegen, orientieren wollen, tun sie das überwiegend im Bundesfreiwilligendienst oder mit einem freiwilligen sozialen oder ökologische Jahr. In Kirchengemeinden, Pflegeeinrichtungen, Vereinen und Organisationen sind sie längst unersetzliche Helfer geworden, die nicht nur die Arbeit erleichtern, sondern sehr oft auch selbst frische Ideen oder neue Sichtweise an ihre Arbeitsstelle mitbringen.

So gibt’s in Rödermark sicher nicht viele Menschen aus Madagaskar, dem riesigen Inselstaat vor der afrikanischen Südostküste, doch eine der wenigen lebt und arbeitet im Altenpflegeheim Haus Morija. Sie hat den klangvollen Namen Onu Harumalala Andrianiaina, ist 19 Jahre jung und eine von vier Mitarbeiterinnen im freiwilligen sozialen Dienst (FSJ).

Mit 14 hat sie (ähnlich dem französischen Schulsystem) in Madagaskar ihr Abitur gemacht und danach unter anderem schon ein Jahr Medizin studiert, bis ihr klar wurde, dass sie – ohne das nötige Geld – in diesem Land der Korruption ihre Ausbildung nicht abschließen kann. „Ich interessiere mich so sehr für einen Gesundheitsberuf oder soziale Arbeit, doch Altenpflege und Heime gibt es bei uns nicht. Da werden alle Alten und Kranken in den Familien gepflegt, das ist in der Kultur verankert. Deshalb müssen wir auch Kinder bekommen, um später selbst versorgt zu sein.“

So folgte die junge Frau ihrer Schwester, die in Frankfurt Management studiert und als Altenpflegerin arbeitet, nach Deutschland. Und so kam Onu, wie sie überall nur genannt wird, im Oktober vorigen Jahres für ein Sozialjahr ins Haus Morija.

Das wurde für sie zum Volltreffer. Und für die Bewohner und das Personal auch, denn wo Onu ist, sind Lachen und Fröhlichkeit zuhause. „Ich bin hier genau richtig; egal, was ich arbeiten muss: Ich würde nie meiner eigenen Oma etwas Schlechtes tun können, und genauso wenig kann ich das bei anderen alten Menschen“, überträgt sie Traditionen aus Madagaskar nach Ober-Roden.

Ihre Aufgaben sind Auffüllen von Wäsche und Material, Aufräumen, Getränkeausgabe oder die Begleitung der alten Leute zu den Gottesdiensten und vieles mehr. Körperpflege übernehmen die FSJ’ler nur auf Wunsch, und den hat Onu sofort geäußert. „Das ist genau meine Aufgabe, das habe ich gemerkt. Und ich glaube, ich kann die Menschen auch damit etwas fröhlich machen.“

Doch die Pflege hilft ihr auch selbst: „Als ich einmal in meinem Zimmer ganz viel Heimweh hatte und sehr traurig war, bin ich einfach zur Arbeit gegangen – und das hat geholfen, weil es mir so viel Spaß macht.“ Längst ist ihr klar, dass sie in der Altenpflege bleiben möchte; das FSJ hat ihr gezeigt, was sie zuhause mangels Möglichkeiten so komprimiert nie hätte erfahren können.

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Lebensqualität sollte auch im Seniorenpflegeheim eine entscheidende Rolle spielen. In der Berliner Einrichtung Domicil "Am Schlosspark" können die Bewohner an unterschiedlichen Kursen teilnehmen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Bei der Wahl eines Seniorenpflegeheims sollte man schauen, ob das Anbgebot den eigenen Bedürfnissen entspricht. Manch einer hat sicher Spaß an einem Keramikkurs, wie er etwa hier im Berliner Seniorenpflegeheim Domicil angeboten wird. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Wie im Domicil-Seniorenpflegeheim "Am Schlosspark" sollte es in solchen Einrichtungen idealerweise eine Rezeption im Empfangsbereich geben - so muss man nach Ansprechpartnern nicht lange suchen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Ines Jesse ist Leiterin des Domicil-Seniorenpflegeheims "Am Schloßpark" in Berlin-Pankow. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Manche Menschen hängen an ihrem Haustier und wollen es auch nach einem Umzug ins Seniorenpflegeheim behalten. In der Berliner Einrichtung Domicil "Am Schloßpark" ist das möglich. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Auf der Suche nach einem Platz im Seniorenheim sollte man Augen und Ohren offen halten: Es sollte - wie hier im Domicil–Seniorenpflegeheim "Am Schloßpark" in Berlin - hell, sauber und offen sein. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Auf der Suche nach einem Pflegeheim sollte man auch darauf achten, welche Angebote es im Haus gibt. Im Seniorenpflegeheim Domicil können die Bewohner etwa mit einem Musiktherapeuten musizieren. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Wenn Onu nun ihr freiwilliges Jahr abschließt, bleibt sie – sehr zur Freude aller – dem Haus Morija erhalten. Am 1. Oktober beginnt sie die Ausbildung zur Altenpflegerin – immer monatlich im Wechsel die Theorie in Offenbach und die Praxis weiter in Ober-Roden.

Nebenbei lernt sie seit ihrer Ankunft Deutsch, drei Mal wöchentlich abends in Frankfurt, wohin sie nach dem Acht-Stunden-Tag im Heim mit der S-Bahn fährt und erst kurz vor Mitternacht wiederkommt. Das schafft die zierliche Person, obwohl es viel Energie kostet, und das bemerken auch die Bewohner, bei denen sie sehr beliebt ist.

„Zuhause habe ich immer gedacht, dass meine Oma anstrengend ist, weil sie mich oft ruft und mit mir redet. Aber jetzt weiß ich, dass die alten Leute das einfach brauchen, die Kommunikation“, hat die FSJ’lerin erkannt. Sie hofft, in der Azubi-Wohnung bleiben zu können, denn sonst wird sie finanzielle Schwierigkeiten haben. Schließlich muss auch der Sprachkurs nach dem ersten Gratis-Jahr bezahlt werden. Aber sie schaut optimistisch nach vorn – sie hat so viel Freude an der Arbeit, dass sie sich sicher ist, dass es irgendwie klappen wird.

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