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Rödermark: Hier Ausrufezeichen, dort mahnende Worte

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Von: Michael Löw

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Der Blick von Planern und Politikern richtet sich auf den Platz zwischen Kulturhalle und altem Feuerwehrhaus. Sie wollen ihn intensiver nutzen als bisher.
Rödermark: Der Blick von Planern und Politikern richtet sich auf den Platz zwischen Kulturhalle und altem Feuerwehrhaus. Sie wollen ihn intensiver nutzen als bisher. © Michael Löw

Bürgermeister Jörg Rotter, die schwarz-grüne Mehrheit und die Freien Wähler (FWR) wollten mit dem Grundsatzbeschluss zur Ortskernsanierung in Rödermark/Ober-Roden ein Ausrufezeichen setzen. Die SPD, vor allem aber die FDP, versahen das dicke Papier dagegen mit einigen Fragezeichen. Am Ende wurde der „Masterplan funktionaler Ortskern“ jedoch ohne Gegenstimmen und bei einigen Enthaltungen in Details mit überwältigender Mehrheit beschlossen.

Rödermark - Für seine Umsetzung stehen rund 14 Millionen Euro bereit, die zu mehr als 60 Prozent über Förderprogramme von Bund und Land bezahlt werden.

Die Eckpunkte, die am Dienstabend zur Diskussion standen:

. „Jäger-Haus“: Der ebenso markante wie marode Klinkerbau am Eingang der Trinkbrunnenstraße wird abgerissen, weil eine Sanierung viel zu teuer ist. Die Stadt sucht einen Investor, der dort eine Weinstube baut und dabei typische Merkmale des „Jäger-Hauses“ aufgreift. Der Rathausplatz soll auch auf seiner Südseite zum Freiluftlokal werden.

. Altes Feuerwehrhaus/Juz: Sein Erhalt ist der Stadt rund 2,1 Millionen Euro wert. Die frühere Fahrzeughalle wird zum Saal, den Vereine, Gruppen und das Stadtparlament nutzen. Auch fürs Obergeschoss bieten sich vielfältige Möglichkeiten; Räume für „permanente Jugendarbeit“ sollen vorgehalten werden.

. Freiflächen: Der Platz zwischen Kulturhalle, Ex-Feuerwache und Volksbank soll zum zentralen Veranstaltungsort werden. Ersatz für die Parkplätze der Volksbank sollen auf den Grundstücken Dieburger Straße 29 (KiR-Haus“) und 31 („Seitz-Haus“) geschaffen werden. Dann bleibt auch Raum für einen barrierefreien Fußweg zum Rathaus.

.  „KiR-Haus“/“Seitz-Haus“: Die ehemaligen Wohnhäuser, die die Stadt schon vor mehr als zehn Jahren gekauft hat, werden abgerissen. Zunächst werden etwa 20 Parkplätze angelegt, langfristig strebt die Stadt eine Vergrößerung der Kulturhallen-Tiefgarage an. Der Abriss der Häuser soll Zugang und Zufahrt zur Halle verbessern.

. Verkehr: Die Trinkbrunnenstraße wird in Höhe des Rathausplatzes gesperrt. Nur dann kann der „Jäger-Haus“-Wirt seine Gäste sicher bedienen. Auch der Wochenmarkt profitiert. Auf dem hinteren Stück der Straße wird die Einbahnregelung aufgehoben.

Gerhard Schickel (AL/Grüne), der Vorsitzende des Bauausschusses, eröffnete die Diskussion. Er lobte den „Masterplan“ als guten Kompromiss, in dem sich viele Wünsche der Fraktionen wiederfinden. Ähnlich sah"s auch Florian Brehm vom Koalitionspartner CDU.

Jürgen Breslein (FWR) war der Erste, der kritische Töne anschlug. Die Baupreise seien allein in den vergangenen beiden Jahren um jeweils zehn Prozent nach oben geschossen und steigen seiner Ansicht nach weiter. Wenn Bund und Land ihre Förderung nicht erhöhen, muss der Magistrat Abstriche beim „Masterplan“ machen oder einzelne Projekte streichen.

Für Gülban Karademir-Altun (SPD) ist der Abriss von zwei Häusern zugunsten von Parkplätzen nicht mehr zeitgemäß. Sie will die Grundstücke lieber für Veranstaltungen oder Kinder nutzen. Autos sollen nach SPD-Sicht weiter weg oder in einer vergrößerten Kulturhallen-Tiefgarage parken.

Schärfster Kritiker war FDP-Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner. Er beklagte, dass die Ergebnisse der Machbarkeitsstudien zu „Jäger“- und Feuerwehrhaus nicht dem Parlament, sondern nur der Verwaltung vorgelegen hätten. Das gut abgenommene Jugendzentrum verschwindet seiner Ansicht nach relativ schnell, bevor der angekündigte Ersatz am Badehaus überhaupt gebaut wird. Und Innenstadt-Aufwertung geht für die FDP nur mit mehr und nicht weniger zentral gelegenen Parkplätzen.

Drei Alt-Immobilien, die die Stadt vor Jahren gekauft hatte (also „Jäger“-, „KiR“- und „Seitz-Haus“), brachten Schärfe in die ansonsten sehr sachliche Diskussion. Schickel warf der FDP vor, mit ihren Verkaufsanträgen und abwertenden „Schrottimmobilien“-Vorwürfen der Stadtentwicklung geschadet zu haben. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert ging noch einen Schritt weiter: Die FDP habe den Kauf eines vierten Hauses „zerredet“ und damit die Möglichkeiten der Stadt geschmälert. Sein FDP-Kollege Tobias Kruger konterte, dass die Gebäude so lange Zeit nur provisorisch genutzt wurden: „Das war Stillstand und keine Entwicklung!“

Bürgermeister Jörg Rotter forderte auch die Skeptiker auf, Ausrufe- statt Fragezeichen zu setzen. Und er lobte ausdrücklich das Engagement ehrenamtlicher Ortskern-Initiativen, ohne die Rödermark erst gar nicht in die Förderprogramme von Bund und Land aufgenommen worden wäre. (Michael Löw)

Das KiR- (rechts) und das Seitz-Haus (daneben) hat die Stadt vor Jahren gekauft. Im Zuge der Ortskernsanierung sollen sie abgerissen werden.
Rödermark: Das KiR- (rechts) und das Seitz-Haus (daneben) hat die Stadt vor Jahren gekauft. Im Zuge der Ortskernsanierung sollen sie abgerissen werden. © Sascha Eyssen

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