Stadt weist Kritik zurück, sie habe Unternehmen nach Brand im Stich gelassen

Rödermark: „Hilfsangebote nicht genutzt“

Die Unternehmerinnen Ulrike Kriegsch und Kerstin Hunkel-Hitzel aus Rödermark-Ober-Roden hatten in einem Gespräch mit unserer Zeitung der Stadt vorgeworfen, Wirtschaftsförderung und Bauamt ließen sie seit dem Großbrand vom Juli 2015 weitgehend alleine. Diesen Vorwurf hat Bürgermeister Jörg Rotter zurückgewiesen. Er schickte aus dem Urlaub eine Pressemitteilung: „Ich fühle mich veranlasst, die Stadt beziehungsweise das Engagement von vielen Beteiligten in das richtige Licht zu rücken.“

Rödermark - Die Behauptung, dass die Firma Hitzel Oberflächentechnik keine Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung erhalten zu haben, entbehrt nach Aussage des Bürgermeisters „jeglicher Realität und ist entschieden als unwahr zurückzuweisen“. Denn schon 2015 habe die Wirtschaftsförderung Hilfe bei der Vermarktung des Geländes in der Senefelderstraße angeboten, ein Leerstands-Formular mit Muster-Exposé zur Verfügung gestellt und einen ersten Interessenten ins Gespräch gebracht. Rotter: „Dieses Hilfsangebot wurde nicht genutzt.“

Dadurch hätte die Wirtschaftsförderung Fakten wie Größe oder Preis nicht in der Leerstands-Datenbank erfassen können. Die nächste Konsequenz: Das Grundstück konnte nicht über das kommunale Immobilienportal KIP Hessen angeboten werden.

Das im Artikel zitierte Gespräch mit Bauverwaltung und der Stabstelle Wirtschaftsförderung im August 2017 kommentiert Rotter so: „Entgegen der Darstellung seien sehr wohl Möglichkeiten zur Entwicklung des Grundstücks aufgezeigt worden.“ Er sagte aber nicht, welche. Themen waren außerdem die Planungen zur strategischen Neuausrichtung, Fragen zur Verwertbarkeit der Immobilie, mögliche Einschränkungen, Zukunftsoptionen, die Kontamination des Verwaltungsgebäudes und Fragen zum Abriss.

Das Fazit des Bürgermeisters: „Die Akzeptanz der Eigentümerinnen, dass eine Entwicklung oder eine Neuausrichtung des Grundstückes nur im Rahmen der bestehenden Gesetze möglich sind, scheint nicht vorhanden.“ Ulrike Kriegsch und Kerstin Hunkel-Hitzel favorisierten mit Blick auf umliegende Straßen entweder einen Einkaufsmarkt oder Wohnbebauung. Doch das verbietet die Baunutzungsverordnung von 1968. Und an der will der Bürgermeister auch nicht rütteln: „So etwas hätte Signalwirkung, und irgendwann haben wir überhaupt keine Gewerbegebiete mehr.

Wie tief die Gräben zwischen Unternehmerinnen und Stadt sind, zeigt auch der Streit um die Kosten des Feuerwehreinsatzes von rund 44 000 Euro. Im Kampf gegen den Großbrand, der einen Millionenschaden verursachte, wurde laut Bürgermeister ein Großteil der technischen Ausrüstung sowie der persönlichen Schutzausrüstung der Rödermärker Feuerwehr kontaminiert und musste aufwendig gereinigt werden.

Diese Kosten seien nach dem Verursacherprinzip von Firmen mit besonderem Gefahrenpotenzial zu tragen. Das Unternehmen hatte den Gebührenbescheid jedoch vor Gericht angefochten. Am Ende des Verfahrens stand ein Vergleich, bei dem die Kosten zwischen Stadt und zwei Versicherungen gedrittelt wurden. Bürgermeister Rotter; „Somit haben wir auf rund 14 600 Euro zu Recht erhobene Feuerwehrgebühren verzichtet.“  (Michael Löw)

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