Hinweise rechtzeitig erkennen

Turnerschaft sensibilisiert ihre 80 Übungsleiter in Sachen Kindeswohl

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Kinder beim Turnen. Die Übungsleiter sollen sensibilisiert werden für den Umgang mit ihnen (Symbolbild).

Sportvereine sollten Kindern und Jugendlichen nicht nur das Bewegungs-ABC vermitteln, sondern auch ihre Persönlichkeitsentwicklung stärken.

Ober-Roden – So jedenfalls steht es in den Leitlinien, die Sportverbände ihren Vereinen für deren tägliches Tun mit auf den Weg geben. Was Schlagworte wie Datenschutz oder Kindeswohl in der Praxis bedeuten, vermittelte die Turnerschaft ihren Übungsleitern. Von den rund 80 Trainern und Betreuern – davon allein 50 in der Fußballabteilung – wollten auch fast alle wissen, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen.

„Gerade für uns als ehrenamtlich geführten Verein sind die ständig wachsenden Anforderungen nicht einfach zu bewältigen“, sagte Vorsitzender Peter Hubert zum Start der Informationsveranstaltung. Etwa 650 TS-Mitgliedern sind jünger als 18 Jahre. Ihre Trainer oder Trainerinnen sind oft auch Vertrauenspersonen.

Hubert, selbst Teilnehmer einer Projektgruppe des Kreises Offenbach und dem Landessportbund Hessen (LSB), stellte ihnen Ergebnisse zum Thema „Kindeswohl und Prävention Missbrauch in Sportvereinen“ vor. Die Wahrung des Kindeswohls steht schon lange weit oben auf der Agenda des Landessportbundes. Mit Isabel Martiner hat die TS eine weitere Ansprechpartnerin für dieses sensible Thema gefunden.

Ober-Roden: Missbrauch verhindern

Das Kindeswohl hat viele Facetten. Zum einen geht es dem TS-Vorstand darum, Missbrauch von vornherein zu verhindern. Doch sollte der Verdacht des Missbrauchs im Raum stehen, will Peter Hubert ihn nicht unter den Tisch kehren. Betroffene, Eltern, Mannschaftskameraden und Übungsleiter wissen jetzt, dass Isabel Martiner und er die Anlaufstellen sind. Basis ihrer Arbeit ist ein Konzept, das die damalige TGS Jügesheim 2003 nach sexuellen Übergriffen eines Fußballtrainers ausgearbeitet hat.

Wenn ein Verein das Thema Kindeswohl mit seinen Übungsleitern anspricht, will er die auf keinen Fall unter Generalverdacht stellen. Im Gegenteil: Sie sollen auch erkennen können, ob ein Kind zuhause vernachlässigt oder im schlimmsten Fall misshandelt wird. Kommt ein Kind selbst bei Minustemperaturen ohne Jacke zum Sport, kann das ein Indiz für Vernachlässigung sein. Und wird ein bislang aufgeschlossener Zehnjähriger plötzlich schweigsam oder weint ständig, kann das auch ein Alarmzeichen sein.

Ober-Roden: Alarmzeichen erkennen

Sie zu erkennen – ohne vorschnell Panik oder falsche Verdächtigungen zu erzeugen – will die Turnerschaft demnächst bei einem Seminar mit Profis vom LSB oder einer Beratungsstelle vermitteln.

Thomas Gotta referierte für die Datenschutz-Arbeitsgruppe. „Das geht Vereine wohl etwas an“, mahnte das Mitglied der Unterhaltungsabteilung und referierte über zu erfüllende Kriterien und zu beachtende Fristen. Manchmal reichen schon ganz banale Dinge, um den Vorschriften gerecht zu werden: Ohne eine Whatsapp-Gruppe kommt keine Fußballmannschaft und eine Jazztanzformation mehr aus. Doch Verwalter aller Telefonnummern und anderer Daten sollten nie Trainer oder Trainerin sein, sondern immer ein Vater oder eine Mutter.   

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