Von Dirk Thiele entwickelt

Hunde-Jogging im Wasserbad

+

Urberach – Was Frauchen und Herrchen fit hält, tut auch dem Hund gut – Training auf dem Laufband. Dirk Thiele hat eines entwickelt, das Hunde gelenkschonend im Wasser auf Trab bringt. Jahrelang hat er an der Serienreife getüftelt. Von Michael Löw

Urberacher Einfallsreichtum und Eppertshäuser Kunststoff sind die Basis eines Hundesportgeräts mit Wohlfühlfaktor: das Wasserlaufband für zuhause. Es heißt „Aqua Lupo“. Doch der Hund läuft sich keinen Wolf, wie der Name vielleicht vermuten lässt. Im Gegenteil: Das Joggen im Wasserbad unterstützt den natürlichen Bewegungsablauf und schont gleichzeitig die Gelenke. Durch den Auftrieb im Wasser wird der Körper des Hundes weniger belastet. Dirk Thiele, im Urberacher Jochert daheim, hat jahrelang am Hunde-Hometrainer getüftelt. Normalerweise stehen solch aufwendige Apparaturen nur in Tierarzt- und ähnlichen Praxen. Allenfalls gebraucht werden sie privat verkauft.

Der „Aqua Lupo“ hat Patente in Europa, Asien und den USA, denn in ihm steckt viel komplizierte Technik. Dabei sieht die Sache beim schnellen Hingucken ganz einfach aus. Thiele baut in einer eigens für ihn produzierten Minibadewanne ein Gummiband, zwei Rollen, Motor und den Wasserzulauf ein. Weitere Details des Innenlebens bleiben geheim. Die Firma hat der 48-Jährige Ende 2017 gegründet, sein Vater Hans-Jürgen ist mit von der Partie. Aber die Geschichte des „Aqua Lupo“ reicht länger zurück. „Wir haben viele Langzeittests gemacht, damit wir das Gerät guten Gewissens verkaufen können“, sagt der gelernte Maschinenbauer.

Lokale Zulieferer: Das eigentliche Laufband für den „Aqua Lupo“ produziert die Firma Habasit in Eppertshausen für Dirk Thiele.

Nach dem Gummi für Laufband hat er in der ganzen Welt gesucht. Gefunden hat er ihn nur ein paar Kilometer entfernt: bei Habasit in Eppertshausen. Die goldenen Punkte lässt Dirk Thiele in Italien auflasern. Sie nehmen dem Hund die Angst, die er instinktiv beim Blick auf das rollende schwarze Etwas zu seinen Füßen hat. Den gleichen Effekt hätten auch Bilder von Knochen, aber diese Idee hat Thiele ruckzuck wieder verworfen: „Die Hunde haben ganz schnell nach ihnen geschnappt!“ Da ist an ein vernünftiges Wassertraining nicht zu denken. Nachdem alle technischen Fragen geklärt waren, hat Thiele das therapeutische Konzept mit Rödermärker Tierärzten besprochen. Das Becken verjüngt sich oben, damit der Hund geführt wird. Die Geschwindigkeit lässt sich in neun Stufen regeln, und das Band bremst, wenn das Tier mit dem Laufen aufhört. Warmes Wasser steigert die Lust aufs Training – laut Thiele sogar bei Hunden, die sonst Respekt vor Wasser haben.

Für gesunde Hunde ist der „Aqua Lupo“ nach Dirk Thieles Überzeugung „Wellness pur“. Sie können im Wasser Bewegungen ausführen, die ihnen auf dem Land nicht möglich wären. Das Laufband ist aber kein Ersatz fürs Gassigehen, wenn Herrchen oder Frauchen lieber vorm Fernseher sitzen würden. Es soll vielmehr Anreize liefern, darüber hinaus mit ihrem Hund zu arbeiten.

Besitzer von alten, verletzten oder kranken Hunden sollten vorm Kauf eines „Aqua Lupo“ den Tierarzt oder Physiotherapeuten fragen. „Menschen mit einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk holen sich vorm Sport ja auch Rat“, vergleicht Thiele Vier- und Zweibeiner. Er weiß, wovon er spricht: Nach einem Unfall stecken Schrauben und Platten aus Edelstahl in einem Bein.

Das bringt der Hundeführerschein

Zum Praxistest für den Hundeführerschein gehören Gehorsamsübungen. Der Hund soll sich trotz vorbeifahrendem Fahrradfahrer nur an der zu prüfenden Person orientieren und von dieser sicher durch den Straßenverkehr geführt werden können. Foto: Robert Günther
Wer in Berlin seit Anfang 2019 seinem Hund auch abseits von Hundeauslaufgebieten freien Lauf ohne Leine bieten will, braucht einen Sachkundenachweis. Ausnahme sind Hunde, die vor dem 22. Juli 2016 angeschafft wurden. Foto: Robert Günther
Katja Krauß ist Hundetrainerin bei der Hundeschule Greh in Berlin. Bei der anerkannten Sachverständigen können Hundehalter ihren Hundeführerschein ablegen. Foto: Robert Günther
Beim Praxistest muss der unangeleinte Hund mehrere Situationen mit für ihn ablenkenden Reizen meistern, etwa wenn Personen mit Fahrrad, Skateboard oder Rollator vorbeikommen. Foto: Robert Günther
Das bringt der Hundeführerschein

Den „Aqua Lupo“ gibt"s bislang in fünf Größen. Das kleinste Becken hat ein Volumen von 20 Litern und ist für Chihuahuas und ähnliche Rassen geeignet. Am oberen Ende steht die 200-Liter-Wanne für Bernhardiner oder Schäferhunde. Thiele passt die Becken den Eigenheiten seiner Kundschaft an. Dackel brauchen lange und schmale Bäder, Möpse eher kurze und breite.

Der Badespaß hat seinen Preis. Das kleinste Becken kostet 1649 Euro, edles Holz- oder Marmordesign schlägt mit 300-Extra-Euro zu Buche. Der Bernhardiner trainiert für knapp 4 800 Euro. Noch sind nur wenige Größen lieferbar. Doch Dirk Thiele sagt, dass er den „Aqua Lupo“ nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern verkauft hat. Sein ehrgeiziges Ziel: die weltweite Vermarktung.

Menschen, die ihrem Hund gerne eine Portion Luxus spendieren, gibt es offenbar genug. In Dirk Thieles Lager- und Produktionshalle stapeln sich hunderte Kisten voller Becken. Und sein Job als selbstständiger Entwickler von Engeneering-Produkten spielt so gut wie keine Rolle mehr: „Seit einem dreiviertel Jahr mache ich fast nur noch Aqua-Lupo.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare