„Erzieherin ist immer noch mein Traumberuf“

Rödermark: Kita-Leiterin geht nach 46 Dienstjahren in Rente

Die Steuerfrau geht von Bord: Ein paar Tage noch, dann nimmt Irmi Grimm, die Chefin des Kinderhauses unter dem Regenbogen, ihren Resturlaub. Ab 1. Mai ist sie Rentnerin.
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Rödermark: Die Steuerfrau geht von Bord: Ein paar Tage noch, dann nimmt Irmi Grimm, die Chefin des Kinderhauses unter dem Regenbogen, ihren Resturlaub. Ab 1. Mai ist sie Rentnerin.

Als Kinderpflegerin hat sie Mitte der Siebzigerjahre in Rödermark angefangen. Als Chefin von einem Dutzend pädagogischen Fachkräften, vier weiteren Mitarbeiterinnen und einem Hausmeister hört sie auf: Irmi Grimm, die Leiterin des Kinderhauses unter dem Regenbogen in Ober-Roden, geht in Rente.

Rödermark – „Fast 46 Jahre. Das ist unfassbar!“ Wenn Irmi Grimm auf ihren langen Berufsweg zurückblickt, muss sie sich manchmal kneifen. So viel Zeit ist vergangen, seit sie 1975 bei der Gemeinde Ober-Roden als Kinderpflegerin begonnen hatte. Der Bürgermeister hieß Karl Martin Rebel, die Einrichtung hieß ganz prosaisch nach der Lage Kindergarten Thomas-Mann-Straße. Den Namen Kinderhaus unter dem Regenbogen bekam sie Jahre später.

Irmi Grimm ist fast das ganze Arbeitsleben über standorttreu geblieben. Lediglich nach Erzieherinnenausbildung und Anerkennungsjahr ging sie für einige Zeit in ein Jugend- und Kinderheim nach Klein-Zimmern. Schon bald kam ein Anruf aus Ober-Roden: Eine Kollegin habe gekündigt, deren Stelle ist kurzfristig frei, teilte die Leiterin mit. Irmi Grimm übernahm ihre erste Gruppe, 25 Kinder stark, alleine.

Das Kinderhaus unter dem Regenbogen, das die demnächst 65-Jährige verlässt, hat drei Gruppen, um die sich zwölf pädagogische Fachkräfte, eine Praktikantin, zwei Hauswirtschafterinnen, eine Putzfrau und ein Hausmeister kümmern.

„Richtig einzigartige Kinder“ hätten sie fast 46 Jahre begleitet, schwärmt Irmi Grimm und lobt im gleichen Atemzug die „vorbildlichen Eltern“. Zu denen zählt sie „ihre“ ersten Kinder, die längst den eigenen Nachwuchs in die Thomas-Mann-Straße schicken.

Das Kinderhaus unter dem Regenbogen lebt vom Engagement der Eltern beziehungsweise des Fördervereins. Das spüren Leiterin Irmi Grimm und ihr ganzes Teamnicht erst seit dem Jahr 2000. 1998 hatte die Stadt mit dem Umbau der Kita begonnen, die Thomas-Mann-Besatzung zog vorübergehend in die Potsdamer Straße um. Die fertige Kita dort – noch ohne Personal und Kinder – diente als Übergangsquartier.

Zurück im Ober-Röder Norden übernahmen und finanzierten zum großen Teil die Eltern die Gestaltung des riesigen Außengeländes, kümmerten sich sogar um die Formalien. „Ich musste nicht einmal selbst zum Bauamt“, blickt Irmi Grimm auf die Entstehung des hölzernen Piratenschiffs zurück. Noch ein Beispiel für Elterengagement? Eine Mutter organisierte in England einen knapp zehn Meter langen Baucontainer, in dem jetzt Garten-Spielzeug lagert.

Dass Irmi Grimm nach so vielen Jahren immer noch sagt „Erzieherin bleibt mein Traumberuf!“, liegt auch an Kolleginnen, zu denen sie „absolutes Vertrauen“ hatte und hat. Anfangs waren das Monika Poseiner, Monika Euler, Luzia Hain, Gisela Lücker und Sabine Dippe, zuletzt neben vielen anderen ihre Stellvertreterin Kerstin Lorenz.

Sie könne Bücher über die unzähligen lustigen und verrückten Erlebnisse aus ihrem Berufsleben schreiben, lächelt Irmi Grimm. Sie denkt nicht nur an Feste oder den Rathaussturm, sondern auch an Kleinigkeiten. Da fällt ihr spontan ein Vater ein, der mit schöner Regelmäßigkeit in der falschen Gruppe nach seinem Kind suchte, oder Eltern, die die Kindertrage samt Baby stehen ließen, als sie ihren „Großen“ zur Betreuung brachten.

Bis 31. März ist Irmi Grimm noch in der Kita, dann nimmt sie den restlichen Urlaub. Ende April räumt sie ihren Schrank auf – da ist reichlich Wehmut garantiert. Wehmütig fällt auch der Rückblick der Bald-Rentnerin auf ihr letztes Arbeitsjahr aus: „Corona ist einige schwierige Zeit und macht mir den Abschied leicht. So traurig das auch ist.“

Aber die vielen schönen Jahre kann ihr selbst das Virus nicht mehr nehmen. (Michael Löw)

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