Interview mit Gemeindereferentin zum „Weißen Sonntag“ im Herbst

Rödermark: Corona schweißt Kommunionkinder zusammen

Die katholische Gemeindereferentin Tanja Bechtloff mit dem Kreuz der Rödermärker Kommunionkinder vor der Kirche St. Nazarius Ober-Roden.
+
Rödermark: Seit Mitte März warten die Kommunionkinder auf ihren großen Tag. Doch erst am nächsten Wochenende öffnen sich für sie und für Gemeindereferentin Tanja Bechtloff die Türen von St. Nazarius und St. Gallus.

Der „weiße Sonntag“ ist schon fünf Monate vorbei, nun endlich können Rödermarks Kommunionkinder ihr großes Fest feiern. Anders als sonst – nämlich in kleinen Gruppen. Die Offenbach-Post fragte Gemeindereferentin Tanja Bechtloff, gemeinsam mit Katharina Kron die „Teamchefin“ der Kommunionvorbereitung, nach einem wichtigen Kirchen- und Familienfest unter Corona-Bedingungen.

Rödermark - Frau Bechtloff, was ist in diesem Jahr 2020 anders bei der Erstkommunion?

Wir können nicht in der Gemeinschaft mit allen Kindern feiern, sondern in kleinen Gruppen. Es können uns viel weniger Menschen in die Kirche begleiten. Vor allem hoffen wir, dass die Menschen vernünftig sind und auch vor der Kirche nicht in großen Mengen auf die Kinder warten. Wir hoffen auch, dass die Familien es mit ihren Besuchern zuhause nicht übertreiben. Die Kinder können auch keine Gaben zum Altar bringen. Und wir dürfen alle nicht singen!

Musik und Gesang sind aber wesentliche Bestandteile jedes Festes – wie werden Sie das umgehen?

Der Musikverein Viktoria 08 wird uns mit einem kleinen Ensemble zur Kirche geleiten, das war Dirigent Dieter Weis wichtig. Dann ziehen wir im Entenmarsch auf Abstand ein. In der Kirche wird die Orgel spielen, Sängerinnen und Sänger der „Rejoice“-Schola werden den Gesang übernehmen. Kinder und Katecheten werden jedoch das Sanctus und das Puzzlelied, unseren Themensong, gemeinsam sprechen.

Müssen die Kinder im Gottesdienst Abstand halten?

Wir haben das mit jeder Gruppe schon einmal geprobt: In St. Nazarius stehen die Kinder im Halbkreis vor dem Altar, in St. Gallus rund um den Altar. So sehen sie sich eher als in den Bänken. Und das ist nötig, denn sonst bekommen sie gar kein Gefühl für Gemeinschaft.

Haben Sie die Beichte bereits gefeiert?

Die Beichte haben wir nur mit Kindern und Katecheten im Pfarrgarten gefeiert. Aber natürlich ohne Essen und Trinken. Auch während der Kommunionsfeiern werden die Kinder die Hostie am Altar empfangen, mit Abstand und in die eigene Hand.

Wie werden die Dankgottesdienste ablaufen?

Während zur Erstkommunionsfeier neben 16 Urberacher und 21 Ober-Röder Kindern sechs Gäste pro Kind teilnehmen können, sind es am Montag bei der Dankfeier um 10 Uhr nur die Eltern. Dafür aber können die Gruppen dann zusammen feiern. Für Samstag- und Sonntagsgottesdienste haben wir genaue Sitzpläne erarbeitet; die Eltern dürfen vorne Platz nehmen, die Angehörigen auf ausgelosten Plätzen dahinter.

Wie stark wird diese veränderte Form das intensive Gefühl dieser Feier beeinflussen?

Ich habe dazu selbst Erfahrungen machen können. Mein Patenkind ging vor Kurzem im selben Modus zur Kommunion, und ich konnte danach mit den Kollegen dort sprechen. Sie waren sich einig, dass es anders ist als sonst, aber sehr schön und intensiv in diesen kleinen Gruppen. Vielleicht werden wir für die kommenden Jahre unsere Erfahrungen ziehen.

Wann beginnt denn die Vorbereitung für den nächsten Jahrgang? Die läuft doch sonst schon um diese Zeit.

Das werden wir erst nach dem Abschluss dieses Jahrgangs beraten; es geht doch um viel Verantwortung, auch für die ehrenamtlichen Helfer. Wir stehen mit den „neuen“ Eltern in Kontakt; vielleicht können wir erst zum Advent beginnen.

Hatten die Familien Verständnis für diese gravierenden Änderungen?

Mit dem Lockdown haben wir erst eine Zeit lang nur mit sehr viel Briefen, Mails und Gesprächen die Kontakte aufrecht gehalten. Da haben wir großes Verständnis verspürt. Plötzlich waren die Gruppen getrennt, doch die Katechetenrunden haben die Vorbereitung weiter zusammen erarbeitet. Seither haben wir eine große Flexibilität sowohl bei den Familien wie auch bei den Teams verspürt. Gerade auch die Eltern freuen sich jetzt sehr, dass es nun endlich so weit ist und das Fest ihrer Kinder nun wirklich vor der Tür steht.

Das Gespräch führte Christine Ziesecke

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare