Frührentnerin kämpft seit Jahren gegen die Krankenhaus-Bürokratie

Rödermark: Vertrauen in Ärzte verloren

Margarete Blasczyk aus Rödermark hatte im Januar 2003 einen schweren Arbeitsunfall. Sie war damals erst 55 Jahre alt, doch ihr Berufsleben war zu Ende. Seither lebt sie von etwa 1 000 Euro Rente. Vor allem aber kämpft die Ober-Röderin seither mit den Folgen der Verletzung und gegen eine Krankenhaus-Bürokratie, die ihrer Ansicht nach kalt, herzlos und nur auf Profit aus ist.

Rödermark - Das bislang letzte Kapitel der Leidensgeschichte von Margarete Blasczyk ist eigentlich ein formales. Am 17. März dieses Jahres bekommt sie eine Mahnung des Nordwest-Krankenhauses in Frankfurt. Rund 440 Euro aus einer neurologischen und psychiatrischen Untersuchung aus dem Mai 2020 seien noch offen. „Wie soll ich so viel Geld mit meiner kleinen Rente bezahlen?“, fragt Margarete Blasczyk. Vielleicht hat"s ihr vorher niemand gesagt, vielleicht hat sie aber entsprechende Hinweise nicht verstanden: Die ambulante Chefarzt-Behandlung war eine private Leistung. Dazu bedürfe es keiner schriftlichen Vereinbarung: Die „stillschweigende Inanspruchnahme der erbrachten Leistung“ sei der Vertrag.

Margarete Blasczyk formuliert einen Einspruch und schickt ihn per Einschreiben an die Klinik. Aber der Brief verschwindet irgendwo zwischen Privatambulanz und Patientenmanagement, klagt Margarete Blasczyk. Telefonische Nachfragen wurden ihrer Ansicht nach regelrecht abgewürgt.

Die 72-Jährige ist der Meinung, dass das Krankenhaus ihren Zustand falsch beurteilt. Unter der Hand habe ihr ein Arzt gesagt: „Es ist ein Wunder, dass Sie mit dem so beschädigten Kopf überhaupt noch leben.“ Diese drastische Formulierung stehe im krassen Widerspruch zum Befund: Das EEG, die elektrische Messung der Hirnaktivitäten, sei altersbedingt unauffällig gewesen.

Mit just diesem Befund bricht Margarete Blasczyk wenige Tage später in der Straßenbahn zusammen. An der Haltestelle wartet schon der Notarzt, der sie wieder ins Nordwest-Krankenhaus eingewiesen hat. „Der Schmerz war nicht auszuhalten und wanderte von hinten bis nach vorne an die Stirn. Die ist blau angelaufen“, schildert sie. Aber die Ärzte entdecken keine Auffälligkeiten, Margarete Blasczyk wird nach Hause entlassen. „Ich habe 35 Jahre gearbeitet und nie eine Grippe gehabt. Aber seit meinem Unfall wurden mir schon alle Krankheiten zugeschrieben. Manche würden mich am liebsten in die Psychiatrie stecken“, lautet das frustrierte Fazit der Ober-Röder Frührentnerin, die längst jedes Vertrauen in die Medizin-Bürokratie verloren hat.

Unsere Zeitung hat diesen komplizierten Sachverhalt der Klinik geschildert und um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort der Unternehmenskommunikation bestand aus einem Satz: „Aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht können wir Ihnen keine Informationen über Patienten weitergeben.“ (Michael Löw)

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