Putzmuntere Familienmitglieder

Katzenglück am Pferdestall

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Roxana, Leto und Simon freuen sich über die gemeinsame Zeit mit den Überraschungs-Kätzchen „Kuschel“, „Bella“ und „Phiby“.

Urberach - „Es war einmal…“ – so fangen viele Märchen an, die stets gut enden, was im wahren Leben nicht immer gilt. Wohl aber in Urberach. Dort spielt eine herzerwärmende Geschichte von Katzenwaisen und ihrem unverhofften Glück bei Pflegeeltern. Von Christine Ziesecke 

Es begann überschaubar: 2017 hatten Unbekannte bei Christiane Lotz am Reitstall im freien Gelände drei Kätzchen ausgesetzt. „Natürlich brachte ich es nicht übers Herz, sie ins Tierheim bringen, und meine Kinder Roxana und Leto waren glücklich“, erzählt die Urberacherin. „Die Katze „Tüpfel“ haben wir gleich kastrieren lassen, denn wir wollten ja keine Katzenschwemme. Für die Kater, „Simba“ und „Flauschi“, hat dann halt das Geld zum Kastrieren nicht gleich gereicht.“ In der Regel kostet eine Kastration rund 60 bis 90 Euro.

Im Mai diesen Jahres sorgte sich die Familie um „Flauschi“: „Der sieht ja aus wie ein Ball mit Katzenkopf, der ist sicher krank.“ Doch am 18. Mai klärte sich das Problem. Aus dem vermeintlichen Tumor wurden fünf reizende Kätzchen, wie Sohn Leto als Augenzeuge aufgeregt mitteilte. Denn „Flauschi“ war gar kein Kater!

Fünf kleine Katzenjunge plus die drei ausgesetzten am abgelegenen Stall – was tun? „Doch plötzlich gab es viele Besucher, die jeden Tag mit ihren Hunden am Stall vorbeigingen oder mit dem Fahrrad herfuhren und sehr angetan waren von diesen Flauschpelzchen.“ Ganze Familien pilgerten den Sommer über zum Stall, um zu schauen, wie die Kleinen heranwachsen. „Es war unglaublich“, freut sich Christiane Lotz über das Interesse. Viele Leute brachten Futter, füllten Trinkschalen auf und schauten während des Urlaubs der Schriftstellerin nach dem Rechten. Und auf einmal hatten die Kätzchen nicht mehr nur eine Mama, sondern gleich sieben.

Jetzt heißt es Abschied nehmen. Denn die sieben Mamas haben sich nicht nur ums leibliche Wohl des samtpfotigen Nachwuchses gekümmert, sondern auch darum, dass alle Kätzchen in eine tolle Familie vermittelt werden. „Philipp“ (der inzwischen „Phiby“ heißt, weil das vermeintliche kleine Katerchen doch eine Katze ist), „Choco“, „Brumsumsel“, „Bella“ und „Kuschel“ werden es gut haben bei den Menschen, in deren Leben sie nun kommen. Ihre Kindermädchen im ersten Lebensvierteljahr – Leto und Roxana Lotz, Siggi Schaap, Heike, Laura und Lisa Rosskopf, Simone Bräuning, Waltraud Klemm, Vanessa Merz, Alexandra Limburger sowie Viola und Christoph März – wiederum haben die Nähe zu ihnen sehr genossen.

Für Christiane Lotz, die Katzen- und Kindermama, Fremdsprachensekretärin und Buchautorin mit vor allem keltischem Hintergrund ist dies ein tolles Beispiel für „eine schöne Geschichte, die Menschen zeigen kann, was alles möglich ist, wenn einige ein klein wenig Verantwortung teilen. Es gibt so viele schlechte Nachrichten. Aber solche Kleinigkeiten können doch der Welt einen helleren Glanz geben. Wir konnten nicht die Welt retten, aber wir haben eine kleine Welt für die Katzenbabys retten können.“ Eine gute Nachricht gibt’s noch zusätzlich: Durch eine Spende kann „Flauschi“ jetzt bald sterilisiert werden. Das ist besonders wichtig, nachdem mittlerweile bundesweit eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für private Katzen gilt, denen Freigang gewährt wird. „Wenn alle Kater sofort kastriert würden, hätte es unsere kleine Wundergeschichte freilich nicht gegeben“, sagt Christiane Lotz und lächelt verschmitzt.

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