Kunstverein stellt erstmals seit dem Lockdown im März wieder aus

Rödermark: Kunst mit Kontaktverbot?

Kunstausstellung in Rödermark/Urberach mit Besucherin
+
Rödermark: „Quo vadis?“ (Wohin gehst du?): Geht das Publikum in diesen Zeiten achtlos an der Kunst vorbei? Sylvia Baumer vom Kunstverein KiR hofft, dass Aussteller und Betrachter bald wieder auf Tuchfühlung gehen können.

Rödermarks Kreative bringen sich mit einer Ausstellung wieder in Erinnerung. Aber die Distanz zum Betrachter macht ihnen schwer zu schaffen.

Rödermark – Dass Kreative zu den Menschen gehören, die unter Corona besonders stark leiden, ist hinlänglich thematisiert. Dabei haben die 41 Künstlerinnen und Künstler aus Rödermark, Rodgau, Dreieich und Heusenstamm, die sich zum Verein KiR – Kunst in Rödermark – zusammengeschlossen haben, einen Vorteil: Sie müssen zum größten Teil nicht von ihrer Kunst leben. 16 KiR-Mitglieder und ein Gast aus Jügesheim stellten nun erstmalig seit März wieder aus. Zwei Tage lang zeigten sie in der Kelterscheune und drum herum ältere und neue Werke zum vieldeutigen Thema „Future“, Zukunft.

Wie sehen sie selbst ihre Zukunft? „Unterschiedlich“, antwortet KiR-Vorsitzende Sylvia Baumer. „Wenn ich unsere Ausstellung so anschaue, dann positiv. Hier sind keine wirklich depressiven Künstler – nach wie vor sind die Objekte hier farbenfroh! Wir sehen die Zukunft nicht unkritisch, aber auch nicht hoffnungslos.“ Ihre Stellvertreterin Karin Kück ergänzt: Es ist schwierig zu sagen, wie es für uns als Künstler weitergeht. Ich bin erst einmal total dankbar, dass es weiter geht. Hier bei der Ausstellung hat es gut geklappt, wenn es auch erhebliche Einschränkungen gibt. Schwierig sind vor allem Aufbau und Abbau unter diesen Umständen.“ Es ist das erste Mal, dass KiR in der Kelterscheune ausstellt. Denn an ihren unter Denkmalschutz stehenden Sandsteinmauern gibt"s kaum Möglichkeiten, Bilder zu hängen.

Ein Einbahnstraßensystem leitet die sehr reduzierte Besucherzahl durch die Werkschau. „Normalerweise laden wir die Betrachter ja ein, unsere Werke anzufassen – das geht nun gar nicht“, bedauert Karin Kück.

Die vergangenen Monate waren hart, erinnert Sylvia Baumer: „Wir sind am Anfang erst einmal fast alle in ein tiefes Loch gefallen. Ratlos und mutlos. Wir konnten nicht ausstellen, nicht auf den Pfingstmärkten auf den Weyberhöfen, bei Blumen-Fischer, in Altheim oder sonst wo. Doch mit fortschreitender Zeit ist es wieder aufwärts gegangen.“

Den KiR-Leuten fehlte aber die Gemeinschaft. Der Stammtisch fiel aus; in der gesamten Corona-Zeit traf man sich nur zweimal – einmal im großen Garten von Karin Kück, und einmal im nüchternen Konferenzraum der Halle Urberach, „aber das war schon recht gespenstisch.“ In der Zeit sind aber auch neue Werke entstanden. Karin Kück: „Man musste sich neu sortieren, schließlich gab es ja Pläne. Erst einmal musste man alle Termine aus dem Kalender streichen.“ Sylvia Baumer fasste es in wenige Worte: „Es stellt sich ja die Frage: Für wen soll ich das denn machen?“

Die Urberacher Glaskünstlerin Angelika Kern klagt: „Man hatte ja nicht mal Lust, neue Kleidung zu kaufen, geschweige kreativ zu sein.“

Dennoch wurden neue kreative Ideen geboren, so hat die Jügesheimer Künstlerin Ljubica Perkmann aus der Isolation heraus ein Kinderbuch geschrieben und illustriert. „Ich habe dafür sehr viel Zeit gebraucht, aber jetzt freue ich mich, dass ich das in Ruhe machen konnte und nun auch etwas für Kinder hinterlassen kann“, lautet ihr ehe positives Resümee.

Schwierig ist die Planung für die Zukunft. Karin Kück hofft auf „die Zeit der Weichenstellung, bei Politik wie bei uns allen, die das unterstützen müssen“. Sie befürchtet aber, dass niemand entscheiden kann, an einer Ausstellung teilzunehmen. „Wir wollen ja schließlich Besucher bekommen, sonst ist da kein Sinn dahinter“, sagt sie.

Ein grober Plan fürs nächste Jahr ist gemacht. 2021 soll es ein Projekt mit dem groben Arbeitstitel „Fische in Rödermark“ geben, an dem auch wie bei den „blauen Stühlen“ 2006 die Menschen beteiligt werden. Doch auch Stadt und Bürger müssen dahinter stehen.

2022 möchte KiR zum fünften Mal den Kunstpreis ausschreiben. Allen ist klar, wie vage diese Planungen sind, aber „letztendlich machen wir die Kunst ja für uns selber.“ Karin Kück geht da weiter: „Aber es muss immer wieder jemand Neues dazu kommen, dass Neues entstehen kann.“

In den vergangenen Monaten wurde kaum Kunst gekauft, was aber auch daran liegt, dass keine Kunsthandwerks-Märkte stattfinden. Direkt materiell betroffen sind bei KiR eher wenige Mitglieder. Eine Ausnahme ist Mareike Grün, die ihre kunsthandwerklichen Produkte und ihre Bastelbücher überwiegend auf Messen anbietet. Vorige Woche war sie auf der ersten Messe in diesem Jahr, die aber nur sehr schwach besucht war. Dennoch ist gerade sie gut gelaunt und hat kreative Ideen wie den Aufbau eines Online-Shops.

Sylvia Baumer ist mit der Resonanz der Ausstellung recht zufrieden. „Ziel war es schließlich, dass wir uns wieder bei den Leuten in Erinnerung bringen, aber auch wieder Kontakte untereinander haben.“ (Christine Ziesecke)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare